Die AfD wird auch weiterhin bei Wahlen gewinnen, egal wie irrational oder eklig wir das finden — deren Wähler:innen sind nicht über politische Maßnahmen oder rationale Aufklärung zu erreichen, die ihnen erklärt wie schlecht die AfD für sie ist.

Ich finde die These des Buchs „Misstrauensgemeinschaften“ hier sehr hilfreich zur Erklärung. Deren Wähler:innen haben grundsätzlich das Vertrauen verloren und die AfD bietet sich hier als Anker für das Misstrauen an. (1/4)

https://www.kiwi-verlag.de/buch/aladin-el-mafaalani-misstrauensgemeinschaften-9783462014570

Vertrauen entlastet in der Praxis und reduziert Komplexität. Ich muss zum Beispiel nicht die Ausbildung des Piloten kontrollieren oder den Zustand des Flugzeugs, weil ich auf die Systeme dahinter vertrauen kann. Gleiches gilt für Demokratie, Justiz oder Medien.

Das Problem ist, dass Misstrauen genauso entlastend wirken kann. Wer damit rechnet, dass sowieso alle betrügen, sowieso alles nicht funktioniert, muss das ebensowenig kontrollieren. (2/4)

Misstrauensgemeinschaften - Aladin El-Mafaalani | Kiepenheuer & Witsch

Eine neue Erklärung für das Erstarken von Populismus und Verschwörungsideologien Wer verstehen möchte, warum Vertrauen immer wichtiger, aber Misstrauen immer...

Dazu kommen natürlich noch die täglichen Erfahrungen, die Vertrauen darin schwinden lassen, dass die Demokratie überhaupt noch Probleme lösen kann: jede Fahrt mit der Bahn oder die Suche nach einer Wohnung lässt starke Zweifel selbst bei nicht-AfD Wähler:innen aufkommen. Dazu dann noch Social Media und rechte Medien wie Nius, die diese Narrative massiv verbreiten. (3/4)

Es gibt in meinen Augen leider keine einfache kurzfristige Lösung, um diesen Trend zu ändern. Was wir langfristig wieder brauchen, ist ein Staat, der mit seinem Handlen Sicherheit und Vertrauen schafft. Also das Gegenteil des Abrisses, den CDU/CSU da regelmäßig vollführen.

Und natürlich gehört die AfD verboten. (4/4)

@kaibojens Ich finde, man kann das nicht allein auf die CxU fokussieren.
Zum Beispiel hatte die SPD die Chuzpe, einen von Cum Ex beschädigten Kanzlerkandidaten mit akuter Vergesslichkeit aufzustellen.

Und ich glaube nicht, dass die "arbeitende Mitte", die sie Legenden nach vertreten will, das auch so empfindet. Zumal diese Formulierung irgendwie impliziert, was ja auch passiert: Wer die Arbeit verliert, ist weniger relevant und wird mit Armut bedroht.

@neonglitzer Im Moment würde ich aber schon sagen, dass Merz, Spahn und der Rest der CDU die Entsolidarisierung am stärksten vorantreiben. Der SPD kann man vorwerfen, dass sie das alles mitmacht.

@kaibojens Ja, das stimmt schon. Für Hartz4 bedurfte es aber damals der CDU gar nicht erst. Da bin ich schon skeptisch, wieviel Druck die CDU machen muss für Politik, die nach unten tritt.

Mich wundert jedenfalls kein Stück, dass die SPD nicht unbedingt als Alternative wahrgenommen wird.