RE: https://mastodon.social/@AwetTesfaiesus/116271514837506791

Ich habe mal eine Frage an die Energie-Nerds (und alle anderen) hier:

Einzelne und Gemeinschaften auf dem Land werden schnell (quasi) Energieautark werden (können) und >90% des Bedarfs selbst erzeugen. Heißt die Zahl der aus dem Netz gekauften kWh sinkt dort stark.

Aber dennoch brauchen wir ja Netze (schon für die Städte).

1.Wenn netzbezogene Kosten quasi komplett Fixkosten sind, was heißt das für die Anschluss-Grundgebühren?

2. Sollten nicht die Städte die Kosten der Netzte tragen?

@AwetTesfaiesus Das Stichwort ist das "quasi". Ein Energiedorf oder ein einzelner Haushalt mag über ein Jahr bilanziell autark sein. Das bedeutet aber nicht, dass kein Strom aus dem weiteren Netz bezogen wird. Dieses Netz muss vorgehalten werden: auf Niederspannungsebene das Ortsnetz, auf Mittelspannungsebene zwischen den Kommunen und auf Hoch-/Höchstspannungseben im Europäischen Verbundnetz. Je nach Ebene fallen unterschiedliche Kosten an, die unterschiedlich an die Kunden weitergegeben werden.

@MichaelChrist also ich sprach neulich mit einem Mitglied im Wahlkreis, dass mir ihre Verbrauchskurven gezeigt hat und meinte, dass es von 6 Monaten, in denen es Bezug aus dem Netz gab, drunter ist auch 6 Wochen und aktuell noch an einer Südwand aufständert, um weiter zu reduzieren. Ihre Speicher waren wohl auch sehr groß.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass auch das Speicher-Problem bald gelöst ist

@AwetTesfaiesus Unter den Netzbetreibern wird gerade diskutiert, ob die Stromspeicher oft sogar netzschädlich sind, weil sie das Ortsnetz zusätzlich belasten können. Insbesondere wenn vormittags geladen wird und dann der Speicher mittags voll ist, fließt zur Mittagsspitze der Überschussstrom ins Stromnetz. Deshalb beraten Netzbetreiber und BNetzA aktuell über bessere Mechanismen, wie man Speicher netzdienlicher regulieren kann. Ich befürchte aber auch hier wieder eine Überregulierung.
@MichaelChrist @AwetTesfaiesus
Sehe ich auch so, Speicher sind ein (großer) Teil der Lösung. In meinen Augen auch kleine an jeder PV und dezentrale in Quartieren. Das erleichtert den Netzbetrieb - wenn es richtig gemacht wird. Warum in dem Rahmen die Überbauung am Erzeuger durch die Netzbetreiber nicht einfach wohlwollend vorangetrieben wird, erschließt sich mir nicht.
Der Anschluss gibt es her, die technischen Regeln sind weitestgehend klar (DIN-VDE), das Maximum ist definiert und niemand wird da einen Speicher für Geld hinstellen um seinen "wertvollen" günstigen Strom nicht zu einem anderen Zeitpunkt besser zu verticken.
@AwetTesfaiesus Die Bundesnetzagentur reguliert, wie die Netzbetreiber die Netzkosten zu berechnen haben. Nach meiner Erfahrung viel zu bürokratisch! Als MdB würde ich da dringend einiges vereinfachen. Der aktuelle NEST-Prozess wird viele kleine kommunale Netzbetreiber, die sich um das Ortsnetz kümmern, in den Ruin treiben. Ob das insgesamt die Netzkosten senkt ist fraglich.
@AwetTesfaiesus Der Vertreter der BNetzA hat uns Kommunen als Bürokratieabbau verkauft, dass in der Berechnung des Effizienzkennwerts nun das arithmetische statt das geometrische Mittel verwendet wird.