Erinnerst du dich an den ersten feministischen Moment in deinem Leben? Wem verdankst du ihn?

(Boosten und auch kurze Antworten sind willkommen, danke!)

#Feminismus #Patriarchat

@der_zaunfink Leider ist es bei mir noch nicht so lange her. Ich lese immer mehr feministische Bücher, sowohl Prosa, als auch Fachbücher. Und ich merke, dass ich einfach immer öfter Nein sage und einen Standpunkte setze. Ein genauen Moment kann ich aber nicht benennen.
@honehe Danke für's Teilen.
@der_zaunfink
An meinen ersten Moment nicht, aber ich habe eine früheste Erinnerung an eine feministische (wenn auch nicht ganz faire 🙈) Tat: Ich schlug einen Jungen ins Gesicht, weil er sich über die hängenden Brüste einer indigenen Person auf einem Plakat lustig gemacht hatte. Würd ich heute eloquenter lösen, aber mit 9 oder 10 fehlten mir da wohl adäquate Mittel. Gewalt als Gegenwehr bei Übergriffen habe ich später noch häufiger gewählt. Zurecht.
Zu verdanken: meiner Mama ❤️
@Sky_Mare So jung hätte ich Diskriminierung noch gar nicht verstanden. Danke für's Teilen.
@der_zaunfink hab ich wahrscheinlich auch nicht, deswegen hatte ich auch keine Worte. Das war mehr dieses tiefe Störgefühl, das ich heute noch bei misogynen Äußerungen habe. Jetzt kann ich es halt nur einordnen. Aber das erste Gefühl ist gleich.
Meine Mutter hat mir immer mal wieder Geschichten erzählt, wie sie sich als junges Mädchen und später als Frau gegen (Mikro)übergriffe zur Wehr gesetzt hat. Wahrscheinlich schon bevor ich 10 war. Das hat wohl was in mir geschärft. Hat sie gut gemacht 🥰
@Sky_Mare Das kann ich nachvollziehen. Ich erinnere mich auch an verschiedene Momente, in denen ich als Kind überhaupt nicht hätte formulieren können, was los ist, aber deutlich gespürt habe, dass gerade etwas falsch läuft. Sprache finden hilft dann, das auf einer anderen Ebene klar zu bekommen.
@der_zaunfink bei mir ging das dolle los als ich mich auf die Geburt von K1 vorbereitete und die "rosa hellblau falle" dafür las. Ab dann fielen die Groschen am laufenden Band.
Sehr unrühmlich und lange vorher: eine englisch-hausaufgabe, für die ich die stark reaktionären Ansichten meines Vaters reproduzierte und dafür Feedback meiner Klassenkameradinnen bekam. Da klickerte es schon ein wenig aber geschnallt hab ich damals noch nix

@der_zaunfink
Meiner ersten großen Liebe.

Als wir auf einem Konzert ankamen, sagte ein Bekannter: "Du bist also die Freundin von ClipHead?"

Sie: "Ne, ich bin Nadine. Ich bin ein Individuum."

@ClipHead Kurz und klar! Danke.

@der_zaunfink

Als junge Frau habe ich gedacht, Feminismus „bräuchte“ es nicht mehr. Daran war vor allem die Alice-Schwarzer-Variante von „pornNo“ beteiligt, die ich abschreckend fand. Aber ich war auch mit einer sehr starken Mutter bedacht, die ihren Weg gegen Widerstände gegangen ist, viel gemacht hat, was in den 50er/60ern nicht typisch war für Frauen. Hat einen Segelflugschein gemacht. Hat mehr Geld verdient als Selbständige als mein Vater. Mich alleine durchgebracht, nachdem er gestorben war.

Ich habe erst ungefähr ab Studium verstanden, dass nicht alles gut ist mit sexistischen Arschloch-Profs. (Bin deshalb auch mal aus einer Vorlesung geflogen im „Öffentlichen Recht“, weil ich da Sexismus laut kommentiert habe.)

Dann kam sehr viel später die Piratenpartei, bei der auch offensichtlich war, dass post-gender halt auch Quatsch war.

@_rya_ Danke für's Teilen!
@der_zaunfink Oma: "Wenn du so bist, will dich später niemand heiraten!" Ich: "Niemand soll mich heiraten!" Intrinsische Selbstermächtigung, weil Opfer oder nicht Opfer eines einengenden Systems.
@moeria Uuh, die Heiratsdrohung! 🙄 Danke!
@der_zaunfink Ja, vor allem, da sie für mich alles andere als eine Drohung war und mich total bestärkte, so zu sein, wie ich nicht sein sollte! 🥳
@moeria @der_zaunfink 👍 Wusste ja gar nicht, dass es solche Sprüche bzw so eine Einstellung überhaupt noch gibt.
@Blumine Das war in den 70ern, warnend ausgestoßen von einer alten Dame. Ich muss noch echt klein gewesen sein. Ich kann mich sogar noch an die bekloppte Antwort erinnern, sowas wie: "Das ändert sich noch, das kommt ganz automatisch." Das wollte mir dann meine Mutter weismachen. Und ich weiß sogar noch, dass ich irgendwie am Ende wissen wollte, warum sie geheiratet hat. Es gab für mich nichts Unattraktiveres. An die Antwort erinnere ich mich allerdings dann nicht mehr. @der_zaunfink
@moeria @der_zaunfink Alles klar. In der Zeit fing man an, sich von sowas zu trennen, aber anfangs der 1970er und va in der Provinz gab's das noch.
@der_zaunfink
Ich war als Kind schon nicht rollenkonform. Mit 4 im Kindergarten: mit den Jungen Bauklötze spielen wollen: geht nicht, denn "du bist ein Mädchen". Dann halt mit den Mädchen in der Puppenecke: geht nicht, denn "die spielt doch mit den Jungs, die wollen wir nicht". Das zieht sich bis heute durch.
Den ersten richtigen Aha-Moment hatte ich beim Lesen des "kleinen Unterschieds", geliehen von einer Freundin (inzwischen: fuck Alice Schwarzer)
@Bakerella Danke für's Teilen und für die letzte Bemerkung.
@Bakerella @der_zaunfink
kommt mir auch bekannt vor. Ich hatte nicht die Phantasie Puppen zu vermenschlichen. Fand ich völlig langweilig und doof in der Puppenecke.
@Semi @der_zaunfink
Ich fand Puppen nur leblos und unangenehm und die Spielinhalte der anderen Kinder im Kindergarten extrem langweilig. Mit meinen Kuscheltieren habe ich lange und intensiv gespielt. Inklusive selbstgestrickter Klamotten meiner Schwester und ausgedachten Verwandschaftsbeziehungen.

@der_zaunfink

#Feminismus #Patriarchat
Meine Ex hat mich mit dem feministischen Kampf vertraut gemacht. Als ich sie das erste Mal sah, war sie grad in Trennung von ihrem damaligen Macker. Sie platzte in diese Männerrunde mit Kriegsbemalung aus ihrem eigenen Menstruationsblut. Eine Offenbarung! 🫪🤯🙏🫶

@toooobeeee Hier kommen ja doch sehr... unterschiedliche Erfahrungen zusammen. Danke.
@der_zaunfink Als ich mich mit 16 gegenüber einer Mitschülerin verteidigen musste, dass ich später keine Kinder möchte und dieser Wunsch auch später nicht "natürlich" kommen wird. Darauf gekommen bin ich selbst, im Austausch mit meiner Mutter, die für die Familie vieles aufgegeben hat und damit sehr unglücklich war.
@NoBorderCollie @der_zaunfink du bist nicht manipuliert wie die meisten Menschen!!!
@NoBorderCollie Das habe ich ganz ähnlich erlebt. Ich wurde auch immer bedrängt, mich zu erklären zu meinem Wunsch, nie Kinder zu gebären. Gebärfähige mit Kinderwunsch hingegen wurden nie bedrängt, sich zu erklären. @der_zaunfink
@der_zaunfink Pumuckl. Hab das als Kind bei ner Nachbarin geschaut; Eder hat mit seinen Kegelbros gekegelt. Lina (?) kam rein und wollte auch mal, und die Männer fanden's witzig, die Kegel im letzten Moment bevor die Kugel kam hochzulassen. Ich fand das 'voll gemein', die Nachbarin hat sich beömmelt und meinte, was sucht die auch bei den Männern... War auch das erste Mal, daß ich die Nachbarin und Pumuckl ziemlich daneben fand.
@Schafstelze Kinderserien und Sexismus - das ist'n spannendes Thema. Danke.

@der_zaunfink

Eher war es eine von vielen Schlüsselmomenten begleitete, allmähliche Entwicklung. Mutter benötigte noch die Erlaubnis meines Vaters, arbeiten gehen zu dürfen. Autofahren war Frauen zwar nicht verboten, aber es war massiv verpönt. Das wurde in unserem für damalige Verhältnisse relativ progressiven Haushalt als Ungerechtigkeiten vermittelt. Erst die Reform des Ehe- und Familienrechts 1977 änderte beides.

@der_zaunfink

Beobachtung von Alltagssexismen. Auf Mutter und ihre Bibliothek (Beauvoir, Woolf) folgten entweder lange Diskussionen über Mitscherlich, Trömel-Plötz und Artikel der - damals sehr relevanten - EMMA mit meiner ersten Partnerin. Oder deren Entschluss, mir zu vertrauen. Ihre Erzählungen erschütterten meine Welt nachhaltig; danach war nichts mehr wie zuvor. Eigenes Rollenbild und -verständnis inklusive.

@moranaga Sehr interessant, danke!
@der_zaunfink
Ich weiß nicht, ob das zählt. Wir hatten in den 80ern im Deutsch-LK (8 Mädchen/4 Jungen) heiße Diskussionen, ob man „man“ sagen darf oder lieber „frau“. Oder zum Beispiel schreibt „man/frau wird daran erinnert…“
Fand ich damals ziemlich aufgesetzt und habe mich da gefragt, ob das tatsächlich die dringendsten Probleme der Frauen damals waren, die als erstes gelöst werden mussten.
40 Jahre später sind wir nur wenig weitergekommen - es geht immer noch viel um Sprache.
@Zeitzeuge_64 Ich würde schon sagen, dass die heutigen Diskussionen auf einem anderen Niveau stattfinden. Aber ich kann das Gefühl trotzdem nachvollziehen, dass sich insgesamt irgendwie alles im Kreis dreht statt vorwärts bewegt - zumindest, wenn man sich die eigentlichen Ziele anschaut und wie weit wir davon entfernt sind.
@der_zaunfink Eine Hure hat einem Typ, der sie gegen Geld, an einen anderen Puff vermitteln wollte, die Nase gebrochen.
@Rex_Banner Feminismus wäre da nicht das erste Wort, das mir einfällt. Aber danke, krass.
@der_zaunfink Das war Feminismus. Sie hat darauf bestanden, dass sie dem Typ aufs Maul haut.
@der_zaunfink Meine Eltern lehrten mich sehr früh als ich Kind war, Grenzen zu ziehen, mein Körper gehört mir, was ist Sexualität, Reproduktion etc. Der erste Moment oder die ersten Momente passierten lange vor dem Bewusstsein 🤔
@Rana Klingt schön, danke.
@der_zaunfink Keine Ahnung, ich glaub, es gab da keinen eindeutigen Moment. Durch meine Mutter bin ich einfach von Anfang an damit aufgewachsen. (Und sehr froh darum!)
@steinstory Das hört sich für mich fast ideal an. Danke.
@der_zaunfink Sehr - ich hab meiner Mutter viel zu verdanken und bin froh, dass sie noch da ist und ich ihr das auch sagen kann.

@der_zaunfink

Meiner alleinerziehenden Mutter, meinem Kinderladen und Kindermusik aus den 70ern: z.B. LP "Mensch Mädchen" vom Grips-Theater: "Mädchen lasst euch nichts erzählen!", "Wer sagt, dass Mädchen dümmer sind?" und "Trau dich".

@der_zaunfink
Aber obwohl ich mit dieser Gesellschaftskritik aufgewachsen bin, habe ich die Dimension glaube ich erst so richtig verstanden, als ich trotz Beziehung allein mit K1 zu Hause war.
@Kastanie Spannend, wieder eine ganz andere Geschichte. Danke!

@der_zaunfink

Hab mit so 13 mein Zimmer mit meiner Stiefmutter umgebaut. Da kamen dann immer Scherze. Mein vater hat sich immer als handwerklich weniger begabt erklärt.
Warum das immer so ein Thema war, nicht kapiert.... Aber naja. Sei 13, erzähl vom neuen Zimmer in der Schule oder Ähnlichem. 🙃 StiefMUTTER und DU????? (Bin weiblich ..)

Männer fand ich schon lange davor ekelig. Ob da bewusste Gedanken zu Ungerechtigkeit waren, weiss ich nicht mehr.

(Meine Stiefmutter hat irgendwann aufgegeben, sie bekocht seit Jahren meinen Vater und trägt ihm den Arsch hinterher... Tja.)

@kunterschwarz Danke für's Teilen!
@der_zaunfink Sportunterricht 11. Klasse.
Auf dem Plan stand: drei Monate Judo für die Jungs und blödes Rumgehopse (rhythmische Sport-Gymnastik mit Ball und Band) für die Mädchen.
Wir waren vier Mädchen, die protestiert haben und dann auch zum Judo durften.

@ana_krchdrfr Mir ging es umgekehrt, aber für eine Lockerung der Geschlechtertrennung gab es bei uns keine Verbündeten. Zumindest habe ich keine gesehen. 😔

Danke dir für's Teilen!

@der_zaunfink
Hm, also aktiv in der Frauenbewegung war ich so ab 1984. Aber was davor war und wie ich dahin fand, weiß ich gar nicht mehr. Hat vermutlich mit der eigenen Geschichte zu tun, die ich erst Jahre später ent- oder aufdecken konnte. Also das Nicht erinnern meine ich.
@mafalda Ok... Danke dir!

@der_zaunfink

„Ich bin keine Torte, ich bin auch keine Butze."
Das war die ärgerliche Antwort einer jungen Hamburgerin in den frühen 70ern, die ich bis heute nicht vergessen habe.

(Nicht an mich gerichtet.)

@kywo "Butze"? Mir fehlt hier Kontext. 🤔
@der_zaunfink
Beides waren abwertende Bezeichnungen für junge Frauen.
@kywo Ah, ok. Ich kannte nur die erste.
@der_zaunfink
Das war, als ich beim Cowboy-und-Indianerspiel den anderen erklärt habe, dass ich keinen Krieger spielen muss, um auf die Jagd oder mit auf Kriegszug zu gehen (wir waren sehr binär aber genderfluid), sondern das genauso als Frau/Mädchen tun kann. Ich muss etwa 6 gewesen sein.
Aber wie ich darauf gekommen bin, weiß ich wirklich nicht.
@C_Ottenburg Vielleicht ist ja eine genauso berechtigte Frage, wie man darauf kommt, dass so etwas *nicht* gehen sollte. Die Argumente sind ja ziemlich dünn, schon für 6-Jährige...
@der_zaunfink
Heute ja. Aber ich bin in einer Welt aufgewachsen, in der die Männer arbeiten gingen und die Frauen den Haushalt machten. Und auch alle Bücher und die paar Fernsehsendungen, die ich sehen durfte (Fernsehen galt als schädlich) vermittelten dieses Bild.
Es waren die frühen Siebziger. Und egal, welches Bild heute davon existiert: Dort, wo ich aufgewachsen bin, waren sie sehr, sehr spießig.
@der_zaunfink
Als Jugendlicher ein Mädchen kennen und schätzen gelernt, das lesbisch war und mich auf feministische Literatur aufmerksam machte, die ich verschlungen habe.