Von oben nach unten.

Dass die Haare zu kurz sind. Zu lang. Zu ungepflegt. Du musst sie mal stylen.

Schmink dich. Schmink dich nicht. Schmink dich nicht so. Du kannst das ja gar nicht, alle Frauen können das. Nimm andere Farben.

Ich kann dich nicht lieben (wegen der winzigen Härchen im Gesicht). Entferne alle Haare. Nicht nur im Gesicht.

Die Ohren. Die Nase. Die Haut. Du hast so einen komischen Punkt in den Augen.

Mit Brille bist du hässlich. Ohne Brille sieht dein Gesicht komisch aus.

Meine Oma hat geweint, als ich eine "Brillenschlange" wurde. Danach hat sie wieder geweint, als ich mir die Haare abrasiert habe.

Eine Frau hat lange Haare zu haben. Färb dir deine Haare nicht. Hat der Friseur dir Schmerzensgeld gegeben? Du hättest mir vorher sagen müssen, wenn du sie abschneiden lässt. Wenn du sie färben lässt. Der Haarschnitt entstellt dich. Wie siehst du denn aus?

Deine Haut im Gesicht ist hässlich, geh mal zur Kosmetikerin.

Die Kosmetikerin: Ihre Augenbrauen sind aber auch echt Wildwuchs, da machen Sie ja gar nichts dran. Schockierter Tonfall.

Zieh dir was anderes an. Nicht immer Jogginghosen. Frauen richten sich doch gerne her. Zieh doch mal einen Rock an. Nein, zieh keinen Rock an, du hast hässliche Beine. Du bist zu fett für [beliebiges Kleidungsstück]. Das trägt aber ordentlich auf! Du siehst aus wie eine [transfeindliche Beleidigung]. Bist du ein Junge?

Du hast ganz schlimme Hände.

Auf deinen Nägeln ist Haut, das finde ich gruselig. Bist du ein Fisch? Du hast ja Schwimmhäute zwischen den Fingern! Deine Finger sind zu lang, zu dick, zu krumm.

Du hast ja behaarte Arme wie ein Affe (das erste Mal im Ballett zur Grundschulzeit). Iiiih, ein Junge in der Mädchenumkleide!

Magst du dir nicht mal die Haare unter den Achseln rasieren? Du bist unhygienisch, ekelhaft.

Ich wette, deine Brüste waren immer schon so hässlich. Du bist unförmig.

Willst du deine Brüste nicht mal machen lassen? Ich kann so nicht mit dir zusammen sein.

Du bist fett. Nimm ab, nimm ab, nimm ab. Du hast einen fetten Bauch. Ich ekele mich vor deinem fetten Arsch, kannst du nicht bitte abnehmen? Hier, ich habe dir [ungefragt] was gegen diese Dellen mitgebracht. Nur fette Frauen haben Orangenhaut. Die Dehnungsstreifen nehmen mir jegliche Lust.

Rasier dich komplett im Intimbereich. Rasier dich teilweise im Intimbereich. Rasier dich nicht im Intimbereich.

Die Form deiner Schamlippen ist schon eklig. Wie sieht das denn aus?! Man kann das operieren lassen.

Rasier dir die Beine. Rasier sie dir nicht.

Boah, deine Füße sind echt hässlich. Zieh lieber Strümpfe an.

Du stinkst. Du müffelst. Benutze doch mal Deo, ein Parfüm. Alle Frauen mögen Parfüm, was stimmt mit dir nicht?

Mach dich mal schick. So nehme ich dich nicht mit!

Ich rede nicht mehr mit dir, weil du so hässlich bist. Ich ertrage das nicht mehr. [Wenige Tage nach der [ersten] Hochzeit.]

Das ist nur eine Auswahl. Ich habe schon im Kindergarten gelernt, dass mein Körper allen anderen gehört, aber nicht mir. Meine Wut kommt nicht aus der Luft, sie kommt aus einem System, in dem das ganze Leben darauf ausgerichtet ist, für einen Mann eine Zierde zu sein. Dazu gehören auch Schminksets zum siebten Geburtstag (von einer Grundschulfreundin) oder Omas ständiges mit Rouge beschmieren, damit ich eine Dame werde.

Das unterwürfige liegt mir leider nicht ausreichend.

Oder um meinen Opa zu zitieren: Du bist doch so ein nettes Mädchen, ich weiß gar nicht, warum es bei dir in der Liebe nie funktioniert.

Weil ich auf diesen Scheiß einfach keinen Bock habe, deshalb.

Manche Dinge kommen auch von Fremden. Ich bin mehrmals im Schwimmbad und auf der Straße wegen Haaren an den Beinen ausgelacht und beschimpft worden.

Die Bezeichnung meines Körpers als "unförmig" kam vom Freund einer Mitschülerin, der in der Pause dastand und die Körper der Mädchen aus der Klasse bewertet hat. Ich war dann eben unförmig. Ich habe nie danach gefragt und hatte in etwa die gleiche Figur wie seine Freundin. Was er ihr wohl so gesagt hat?

Und das ganze Leben lang: Oh, du hast zugenommen...

Hui, du hast aber abgenommen, toll!

Zugenommen! Lass dich nicht so gehen.

Wow, das kannst du endlich wieder tragen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob ich wirklich zu- oder abgenommen habe. Es wird immer wieder thematisiert.

Mein Körper gehört allen, aber nicht mir. Ich bin eine Frau.

@sarah_ist_muede

Mir ist klar, dass Frauen diese Frage im Größenordnungen häufiger gestellt wird. (Übrigens, wann wird es denn bei Euch mal was mit Kindern?“)

Ich höre sie aber auch ständig und Rätsel immer, was bessere Antworten als „keine Ahnung, besitze keine Waage“ sein könnten. Das scheint irgendsoein Smalltalk-Ritual zu sein, wenn das Wetter abschließend geklärt ist. (Ja, es regnet, sehr nass heute.“)
Ich glaub kaum, dass die Übergriffigkeit der Frage den meisten bewusst ist.

EDIT:1/2

@Saupreiss Ich kenne auch Männer, die permanent gesagt bekommen, sie hätten ja schon wieder abgenommen (was nicht stimmt). Eine Sorge der Mütter, dass die neue Mutter, äh, Frau sich nicht so gut kümmert wie die echte Mama.

Dass viele übergriffig werden, ohne es zu verstehen, das ist sicher so.

@sarah_ist_muede Das mit den Müttern hat was für sich, die Motivation ist auch denkbar - aber es scheint nicht notwendige Voraussetzung. Dazu kommt, dass tatsächliche oder vermeintliche Zunahmen ja ebenso kommentiert werden.

So oder so - ich persönlich finde die Frage übergriffig, weil ich gar nicht in der Lage bin, drauf zu antworten, und damit vermittelt bekomme, dass ich nicht genug drauf achte. Es ist mir aber in der Tat nicht wichtig, aber wen geht das an?

@Saupreiss Es ist auch deshalb übergriffig, weil es gesundheitliche Gründe haben kann, auf Stress hindeuten kann, über den man nicht reden möchte, oder weil man damit Menschen ein ungutes Gefühl vermittelt.

@sarah_ist_muede @Saupreiss

Ich bekomme immer gesagt, ich würde fett aussehen. Dabei krieg ich den Ring partout nicht weg. Oder eben nur dann, wenn ich wirklich untergewichtig bin. Ich komme nur mit sehr viel Gewalt unter Kleidergröße 40. Ich habe nunmal breite Hüftknochen. Und bevorzuge doch eher die 42 bis 44, die dann lockerer fallen. Bei den Kleidergrößen macht es für mich keinen großen Unterschied, ob ich 60 oder 80 Kilo wiege. Sorry, dass mein Wohlfühlgewicht eher am oberen Ende liegt. Einfach: Warum soll ich abnehmen, wenn die Kleidung, die ich tragen kann, dieselbe ist?

Auch Gleichung schlank = gesund bei den Leuten. Dabei wird vergessen, dass Gewicht und fett aussehen nur ein Faktor von mehreren ist. War jemand erstaunt, dass ich "dick", aber ansonsten gesund bin.

Ich muss mich auch dafür rechtfertigen, dass ich meinen Kleiderschrank nicht allein deshalb sofort umstelle, weil die Lebensumstände andere sind. Ich ergänze, was

notwendig ist, ersetze, was kaputt geht. Und was sich als haltbar entpuppt, trage ich eben ungeachtet der Umstände jahrelang. Warum soll ich gut tragbare Kleidung wegschmeißen? Nur, weil sie meinen Status nicht widerspiegelt? In der Freizeit kann ich doch anziehen, was ich will. Und selbst für die Arbeit brauche ich bequeme Kleidung, die schmutzig werden darf. Ich hab schließlich nicht immer Geschäftstermine. Und wir müssen uns nicht reicher machen als wir sind (nämlich nur Normalverdiener).

Hasse es, mich da rechtfertigen zu müssen für das, was ich anziehe. Ich bin bei Klamotten auch nicht unbedingt wählerisch. Hauptsache, es ist bequem, Knöpfe und Reißverschlüsse halten geschlossen.

Zweite Frage: Warum muss eine Frau mehrere Handtaschen haben? Ich brauche sie eigentlich nur, weil mir portemonaie und Handy aus Hosentaschen gerne rausfallen (und in Israel du für 9 Monate keine Jacken brauchst, die eventuell Taschen hätten, und wenn, dann solche, die in D als @sarah_ist_muede @Saupreiss

Übergangsjacken qualifiziert sind, weil deutsches Novemberwetter ist das höchste der Gefühle an kalt). Also ich brauche genau eine Handtasche, aus der vor allem nichts rausfallen darf, die sich bequem längere Zeit tragen lässt, robust ist, Aussehen nachrangig. Und vielleicht einen Rucksack, um mehr Dinge zu transportieren.

Werde schief angeguckt, wenn ich in der Männerabteilung nach einem Pullover oder T-Shirt gucke, weil sind für mich Unisex-Kleidungsstücke wie Socken. Und Frauen-T-Shirts finde ich oft einfach kitschig. Und welche Frau trägt eigntlich so knappe Kleidung, dass sie meiner Meinung nach gleich nur in Unterwäsche rumlaufen kann? Dann gelte ich halt als eine von den Gläubigen. Männer, die attraktive Frauen anstarren, sind ein Verkehrsrisiko (buchstäblich, Männer bauen dann mehr Autounfälle.)

Und nicht zuletzt: Ein Mann, der die äußere Erscheinung einer Frau und ihre Kochkünste liebt, ist meiner Meinung nach ein unzuverlässiger Ehemann.
@sarah_ist_muede @Saupreiss

Der Beweis: Die sagenhafte Scheidungsrate. Und noch längst nicht mehr alle Frauen heiraten. Aus eben diesem Grund. Wenn du nie heiratest, kannst du den Mann einfach verlassen, kannst dir einen neuen Partner suchen, ohne das Stigma der ehelichen Untreue. In Israel ist steuerrechtlich ein zusammenlebendes Paar mit Kindern auch ohne formale Ehe eine Familie. Du hast also keinen finanziellen Nachteil im hier und jetzt, wenn du nicht heiratest. Du hast nur keine Witwenansprüche und keine Erbansprüchen (über das Erziehungsgeld für die gemeinsamen Kinder hinaus), wenn der Partner stirbt.
@sarah_ist_muede @Saupreiss

@Elischeva91

Die Ehe ist im aktuellen Setup (de jure) ja auch weniger ein Versprechen der Partner untereinander, als eines gegenüber dem Staat...

@sarah_ist_muede