Ich denke heute viel an #Aufschrei von @marthadear damals, als mir bewusst wurde, dass vieles nicht "normal" war, wie von mir angenommen. Über was Männer alles nicht nachdenken, wenn sie rausgehen oder in Beziehungen leben. Darüber, wie viele Übergriffe sich im Leben so ansammeln. Wie viel "Stell dich nicht so an" oder "Verstehst du keinen Spaß?" in ein Frauenleben passen. Ich bin vielen mutigen Frauen heute sehr dankbar, zumal sie vielleicht gern darauf verzichtet hätten, mutig sein zu müssen.

@sinnundverstand Wir hatten das Gespräch kürzlich mit Frauen ab 70. Was dabei am wehesten tat: Die meisten waren sich all der Übergriffe bewusst, aber viele versuchen bis heute, ihre Seele zu schützen mit einem "das war damals halt so". Das sind Brüche fürs Leben und irgendwie mussten sie lernen, damit zu überleben.

@marthadear

@NatureMC Ich halte das für altersunabhängig oder nimmst Du das anders wahr?
@sinnundverstand Ja, wir erleben Unterschiede. Frauen, die die 1968 aktiv feministisch durchlebt haben, sind offener.
Die anderen und älteren Jahrgänge sind ein Leben darauf konditioniert worden, den Mund zu halten, zu ertragen und vor allem, alles als "normal" anzusehen. Das ist wie bei Kriegheimkehrern, die das Trauma wegdrücken.
Ein Sonderthema sind auch Vergewaltigungen im Krieg (die leider wieder Waffe gegen so viele Frauen sind) - da ist es wie heute.
Ein Unterschied
@sinnundverstand sind auch Land/Stadt-Gefälle, Fanatiklevel von Religion, Druck der Familie.
Wir haben konkret eine alte Frau in unseren Stickkreis aufgenommen, um ihr irgendwie Hilfe zu bieten, weil sie nicht einmal ahnt, dass sie sie braucht. Der Mann hat sie zeitlebens wie eine Sklavin behandelt, 6 Kinder (um sie zu binden), die Kinder haben die Gewalt weitergetragen. Der Mann ist tot, die Kinder haben sich abgewandt und sie übersteht nicht, dass sie endlich frei ist. Mit
@NatureMC @sinnundverstand was auch ein grosses Problem sein kann, ist dass diese alten Frauen gar keine Sprache haben, für das was ihnen widerfahren ist. Das beginnt beim Benennen von Geschlechtsteilen, das für sie aus den genannten Gründen schon an Folter grenzt.
Vergewaltigungen im zweiten Weltkrieg wirken bis heute... Und der Hass richtet sich nicht selten gegen andere Opfer, wenn sie Hilfe erhalten.
@sibylle @NatureMC Ja, das kenne ich aus meiner eigenen Familie. Darin finden sich Täter und Opfer. Niemand sprach.