Heute vor 70 Jahren: Am 20. März 1956 erlangte Tunesien seine Unabhängigkeit von Frankreich.

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In Paris unterzeichneten eine tunesische und eine französische Delegation das Abkommen, das 75 Jahre kolonialer Herrschaft beendete. Diese hatte mit dem Protektoratsvertrag begonnen, der dem Bey von Tunis am 12. Mai 1881 aufgezwungen worden war.
Die Unabhängigkeit war der Höhepunkt eines langen politischen und sozialen Kampfes. Die französische Verwaltung präsentierte ihre Präsenz als „Modernisierung“, tatsächlich ging es jedoch um wirtschaftliche Vorherrschaft und die Kontrolle über Landwirtschaft und Rohstoffe.
Die Ausbeutung führte zu tiefen sozialen Ungleichheiten zwischen den kolonialen Eliten und der lokalen Bevölkerung. Bereits in den 1920ern formierten sich politische und gesellschaftliche Bewegungen, die für die Unabhängigkeit eintraten:
Zeitungen, Vereine, Gewerkschaften und Parteien wie der Destour (1920), der Neo Destour (1934) und die Kommunistische Partei (1921). Während des Zweiten Weltkriegs kam die Unabhängigkeitsbewegung zeitweise zum Stillstand.
Tunesien war das einzige arabische Land unter deutscher NS-Besatzung; die jüdische Bevölkerung litt unter antisemitischen Gesetzen, Zwangsarbeit und Ausbeutung. Nach der Befreiung 1943 gewann der antikoloniale Kampf wieder an Dynamik und führte 1956 zur Unabhängigkeit.
Der neue Staat brachte Fortschritte, aber auch soziale Ungleichheit und regionale Disparitäten – Spannungen, die Jahrzehnte später in der Revolution von 2011 erneut den Ruf nach sozialer Gerechtigkeit, Freiheit und Würde laut werden ließen.