Liebe Männer, ich habe eine Frage. Bei fast allen Frauen* in meinem Umfeld ist geschlechtsspezifische, oft sexualisierte Gewalt gerade DAS Thema, sei es durch Pelicot, Epstein, jetzt Ulmen oder eigene Erlebnisse, die durch die "großen" Fälle in einen systemischen Kontext gestellt werden.
Warum äußern sich so wenige Männer dazu? Ist es kein wichtiges Thema? Wisst ihr nicht, was ihr sagen sollt? Wie ihr es sagen sollt?
Das soll keine Anklage sein, sondern aufrichtiges Interesse an euren Gedanken.

@JanaBallweber
Ich habe nicht alles gelesen, was es schon an Antworten gab; vermutlich wiederhole ich (teils), was schon gesagt wurde. Und das ist schon ein erster Teil der Antwort:
Warum habe ich nicht alles gelesen? Weil es mich betroffen macht. Es ist hart. Es ist schwierig. Es wirft die Frage auf "Wie schlimm bin ich selbst" und wie passt das mit meinem Selbstbild zusammen. Wie oft war ich selbst ein Arschloch, ohne dass ich es überhaupt bemerkt habe? Es ist ein Stück weit Vermeidung.

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@JanaBallweber
Aber: Wenn das für mich "hart" ist, wie ist das für tatsächlich Betroffene? Das kann ich nicht ermessen. Ich versuche, mich an ein Problem anzunähern, mit dem ich keine Erfahrungen habe(n kann). Wie sollte ich verstehen, wie das tatsächlich ist? Egal, was ich dazu zu sagen hätte, es ist letztlich leer. Wenn so viele Männer so Scheiße sind, ist es offensichtlich ein Männer-Problem. Warum sollte es eine Betroffene interessieren, was ein x-beliebiger Kerl dazu sagt?

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@JanaBallweber
Ich bin aber auch nicht vertrauenswürdig, eben weil ich ein Mann bin. Ich bin wahlweise Mansplainer, Replyguy, Aufmerksamkeitsfischer, oder sonstetwas. Vielleicht kann ich auch meine (wirren) Gedanken nicht sauber rüber bringen.

Es ist (zumindest für mich) also eine Mischung aus Scham, Fremdscham, Angst vor dem Falsch-verstanden-werden, Selbstbild-Dissonanz und der inneren Angst, eben doch nicht zu den "good guys" zu gehören.

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@JanaBallweber
Als Nebengedanke: Als meine Frau am 9. März auf eine Demo gefahren ist, habe ich gefragt, was sie von mir als Support hielte. Ihre Antwort ist hier irrelevant. Ich habe mich letztlich nicht getraut, weil sich in meiner Welt die Waage des weißen cis-Guy nicht auf die Seite Support, sondern auf die des Eindringlings gesenkt hat.

Ich glaube, "wir Männer" haben einen verdammt weiten Weg vor uns. Und aktuell sieht es für mich so aus, als würde es eher schlimmer als besser werden.

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@Haggo Der du machen kannst ist, das Maul aufmachen, wenn du mal was sehen solltest. Das kann auch recht subtil sein, z.B. der Typ legt dem Mädchen einfach den Arm um die Schultern oder lässt nach dem Handschlag zur Begrüßung die Hand einfach nicht mehr los.

Guck, ob du das Mädchen aus der Situation herausholen kannst.

Und ich schreibe hier bewusst Mädchen und nicht Frau, gerade der Mangel an Erfahrung damit wird gerne ausgenutzt.

@JanaBallweber