Liebe Männer, ich habe eine Frage. Bei fast allen Frauen* in meinem Umfeld ist geschlechtsspezifische, oft sexualisierte Gewalt gerade DAS Thema, sei es durch Pelicot, Epstein, jetzt Ulmen oder eigene Erlebnisse, die durch die "großen" Fälle in einen systemischen Kontext gestellt werden.
Warum äußern sich so wenige Männer dazu? Ist es kein wichtiges Thema? Wisst ihr nicht, was ihr sagen sollt? Wie ihr es sagen sollt?
Das soll keine Anklage sein, sondern aufrichtiges Interesse an euren Gedanken.
@JanaBallweber Gewalt ist inakzeptabel. Als Jugendlicher und Jungerwachsener, also, ab 1980, hab ich die Enttabuisierung sexualisierter Gewalt als Schul-, Medien- und Kulturthema aufmerksam mitverfolgt. Inzwischen habe ich so viele Gewaltgeschichten gehört und gelesen und erlebt, selbst und nacherlebt in Romanen, Sektionsprotokollen, Gutachten, Gewaltopferambulanzberichten, Artikeln usw., dass ich die Details nicht mehr gut ertrage. Der zweite Grund, warum ich außer knappen News, Satiresendungen, knappen Mitteilungen in Dokus vorzugsweise von Kämpfer.inn.en wie z.B. Sinéad O’Connor u.Ä. nichts mehr gezielt verfolge, ist, dass ich denke, dass jede Gewalt Ausdruck der Macht und Privilegien der gewalttätigen Menschen(gruppe) ist, und dass Macht und Privilegien die Wurzeln sind, die wir kappen müssen. Patriarchale und maskulinistische Gewalt ist so sehr als strukturelle, physische und psychische verbreitet wie die kapitalistische Gewalt an Lohnabhängigen an sich, und eng mit ihr verwandt.
@JanaBallweber Und schließlich, Zynismus ist für mich die beste Art, auf zynische Verhältnisse zu antworten, ohne die Abscheulichkeiten zu nah an mein Herz kommen zu lassen. Zorn, Aktion zur materiellen und politischen Unterstützung und Stärkung möglicher und stattgehabter Betroffener, das ist, wo ich meine Energie heute am sinnvollsten eingesetzt sehe.