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Mit anderen Worten:
diese
Jugend anerkennt mit
Herz und
Sinn
das
Gebot,
die Freiheit
durch
soziale
Verantwortlichkeit
zu be-
dingen, die
Demokratievom Nationalen
zu
emanzipieren und
sie
weltweit, universell zu
machen, den Frieden aufeine kollektivisti-
sche Freiheit zu gründen, deren Ausdruck und Garant der den Nationalregierungen übergeordnete Weltstaat wäre. Die Vorbe-
dingung dafür, jeder weiß es, ist die Verständigung unserer westli-
chen Welt mit Rußland, die Begegnung des bürgerlich-demokra-
tischen und des sozialistischen Prinzips in der Anerkennung
gemeinsamer menschheitlicher Ziele.
Ist eine solche Verständigungund Begegnungmöglich? Die »Rea-
listen« verneinen die Frage. Ihre Antwort ist Krieg. Ich zweifle, ob
sie wissen, was sie sagen, ob sie, ganz wörtlich gesprochen, bei
Verstande sind, indem sie so antworten. Ihr Sinnistdick umnebelt
vom Interesse, dem erbitterten und zu allem fähigen Interesse an
der integralen und zugeständnislosen Erhaltung der »Freiheit«,
die sie meinen, der kapitalistischen Wirtschaftsform in ihrer
veraltetsten, unangepaßtesten Gestalt. Diese Verstocktheit impli-
ziert den Unglauben an die Entwicklungsfähigkeit anderer
Mächte und Systeme, zum Beispiel an diejenige der russischen
Revolution, deren radikaler und tyrannischer Kollektivismus der
humanen Überlieferung des Westens ein für allemal als der Erz-
und Todfeind gegenüberstehen, und deren totalitärer Zwang sich
von dem faschistisch-nationalsozialistischen in nichts unterschei-
den soll. Wenn kein Unterschied besteht zwischen dem Totali-
tätscharakter des russischen Sozialismus und des Faschismus, —
woher dann, so kann man fragen, die einhellige Entschiedenheit,
mit welcher überall die kapitalistische Welt dem faschistischen
Schrecken vor dem kommunistischen den Vorzug gibt, ihr offen-
kundiger Entschluß, lieber den einen anzunehmen als den ande-
ren? - Die russische Revolution ist, wie einst die große Französi-
sche, ein historischer Prozeß, der sich in Phasen abspielt, von
denen die letztekaumschon gekommen ist. Esistso unvernünftig,
eine dieser Phasen unter Hohngeschreimitderanderenerschlagen
zu wollen, wie es unvernünftig ist, zu glauben, der Stalinismus
bilde die unveränderliche Endform des revolutionären Prozesses.
Den russischen Kommunismus mit dem Nazi-Faschismus auf die
gleiche moralische Stufe zu stellen, weil beide totalitär seien, ist
besten Falles Oberflächlichkeit, im schlimmeren Falle ist es -
Faschismus. Wer auf dieser Gleichstellung beharrt, mag sich als
Demokrat vorkommen, -in Wahrheitund im Herzensgrundister
damit bereits Faschistund wirdmitSicherheitden Faschismus nur
unaufrichtig und zum Schein, mit vollem Haß aber allein den
Kommunismus bekämpfen.
Die Unterschiede im Verhältnis des russischen Sozialismus und
des Faschismus zur Humanität, zur Idee des Menschen und seiner
Zukunft sind unermeßlich. Der unteilbare Friede; konstruktive
Arbeit und gerechter Lohn; ein allgemeiner Genuß der Güter
dieser Erde; mehr Glück, weniger vermeidbares und nur vom
Menschen verschuldetes Leid hienieden; die geistige Hebung des
Volkes durch Erziehung, durch Wissen, durch Bildung-das alles
sind Ziele, die denjenigen faschistischer Misanthropie, faschisti-
schen Nihilismus, faschistischer Erniedrigungslust und Verdum-
mungspädagogik diametral entgegengesetzt sind. Der Kommu-
nismus, wie die russische Revolution ihn unter besonderen
menschlichen Gegebenheiten zu verwirklichen sucht, ist, trotz
aller blutigen Zeichen, die daran irre machen könnten, im Kern —
und sehr im Gegensatz zum Faschismus — eine humanitäre und
eine demokratische Bewegung. Tyrannei? Er ist es. Aber eine
Tyrannei, die das Analphabetentum ausmerzt, kann, ob sie es
weiß oder nicht, im Herzen nicht gewillt sein, Tyrannei zu
bleiben. Vor einigen sechzig Jahren verspottete Nietzsche, ein
sehr großer, nur allzu vieldeutiger Denker, die Volksbildung,
indem er ausrief: »Will man Sklaven, so ist man ein Narr, wenn
man sich Herren erzieht!« DerrussischeSozialismus willoffenbar
keine Sklaven, denn er erziehtsichdenkende Menschen. Damitist
er, beinahe unweigerlich, auf dem Wege zur Freiheit.
from “Thomas Mann Essays - Band 2 Politik” published by Hermann Kurzke pg 310-312