Im DiePresse-Leitartikel findet Oliver Pink die FPÖ-Forderung ("Aber man muss kein Freiheitlicher sein...") nach einem 'Grundfunk' dufte. Sein Fazit:

"Wenn am Ende nur ORFIII, angereichert mit öffentlich-rechtlich relevanten Stücken von ORF2, übrig bliebe, wäre es auch okay."

(€-Quelle: https://www.diepresse.com/20685133/lauter-verlierer-im-orf-drama)

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Zur Einordnung: ORF III verfügt über ein Budget von rund €30 Mio. Das sind rund 2,7% des ORF-Budgets von rd. €1,1 Mrd. Wenn man für die "öffentlich-rechtlich relevanten Stücke von ORF2" nochmal großzügige €70 Mio. ansetzt, würde das eine Kürzung um 90 Prozent bedeuten.

Dieser Vorschlag geht also weit über die mit 62% der Stimmen in der Schweiz abgelehnte 'Halbierungsinitiative' hinaus, er würde nicht einmal zu einem Grund-, sondern nur noch zu einem Rumpffunk führen.

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Wer kann ernsthaft glauben, dass so eine de-facto Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks folgenlos für den Medien- und Kulturstandort Österreich bliebe? Als ob auch nur die Mehrheit der Beitragszahlenden dieselbe Summe für private Medienangebote in bzw. aus Österreich ausgeben würde.

Wie kann ein Leitartikel in einem Blatt wie Die Presse, das sich wirtschaftliche Kompetenz ganz oben auf die Fahnen schreibt, Vorschläge völlig ohne Rücksicht auf ökonomische Folgen raushauen?

3/7

Der Wegfall öffentlich-rechtlicher, wg. Beitragsfinanzierung konjunkturunabhängiger, Nachfrage wäre unmöglich durch private Nachfrage kompensierbar. Es wäre wohl das Ende der österreichischen Filmwirtschaft & hätte massive, negative Folgen für private Konkurrenz.

Mazzucato spricht in einer Analyse (https://medium.com/iipp-blog/seeing-the-bigger-picture-at-the-bbc-fe1a4d5dc249) des volkswirtschaftlichen Beitrags Medien wie der BBC vom "Industry Value": private Anbieter profitieren von Stabilisierung des Marktes durch öff-rechtl. Nachfrage.

4/7

Ja es ist nicht einmal ausgemacht, dass die Presse von einem Rückbau des ORF inkl. Ende der "Blauen Seite" groß profitieren würde.

Der ORF ist nicht Schuld an den wirtschaftlichen Problemen privater Medien, sein Ende würde sie deshalb auch nicht lösen.

5/7

Im Gegenteil, zahlreiche Studien (jüngst z.B. Zabel (2026, https://www.media-perspektiven.de/publikationsarchiv/2026/detailseite-2026/kooperationsnotwendigkeit-und-potenziale-des-dualen-systems-im-digitalen-werbemarkt) deuten auf einen "Crowding-in"-Effekt am Werbemarkt hin: ein Wegfall öffentlich-rechtlicher (Werbe-)Reichweite bedroht demnach die Viabilität bestimmter Werbeformen (z.B. Radio) ganz grundsätzlich.

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Detailseite 2026

Fazit: angesichts der großen, auch ökonomischen Relevanz des ORF und des auch grundsätzlichen Reformbedarfs - von staatsferner Besetzung der Aufsicht über ein digitales Jugendangebot á la Funk in D bis hin zu einer Organisationsstrukturreform - wäre seriös-konstruktive Kritik so wichtig.

7/7

@leonido Ich bin ja grundsätzlich ein Verfechter des öffentlichen Rundfunks. Ich muss aber zugeben, dass ich fast überhaupt nicht mehr fern sehe. Und wenn, dann sind es tatsächlich hauptsächlich Inhalte von ORF III oder ORF 2. Abseits von ORF 1 Comedy Formaten. Unter den fiktionalen Angeboten des ORF findet sich kaum etwas für mich, Bergdoktor udgl. ist nichts für mich. Was mir wichtig ist, ist Radio. /
@leonido *fiktionalen