Mein Antrag zur Ablehnung des Zionismus wurde von ⅔ des Landesparteitags von Die Linke Niedersachsen angenommen. Das macht uns zum ersten antizionistischen Landesverband von Die Linke! đŸš©

Ablehnung des Zionismus

Gemeinsame Fassung A01 & ÄA03

Antragsteller:innen

Erik Uden (LaVo), Linksjugend ['solid] Niedersachsen, GeschĂ€ftsfĂŒhrender Landesvorstand von Die Linke Niedersachsen

Antragstext

Die Linke Niedersachsen lehnt den heute real existierenden Zionismus ab. Historisch ist der Zionismus keine einheitliche Ideologie gewesen. Neben rechten nationalistischen Strömungen gab es auch emanzipatorische AnsÀtze. Gleichzeitig sehen wir heute einen politischen Zionismus, der sich durch Rassismus, Besatzungspolitik und militÀrische Gewalt auszeichnet.

Unsere SolidaritĂ€t gilt den Menschen, die unter dem Genozid in PalĂ€stina leiden. Unsere UnterstĂŒtzung gilt Initiativen, die sich fĂŒr eine Aussöhnung und eine gemeinsame Zukunft in Frieden fĂŒr alle Menschen in der Region einsetzen. Unser Maßstab ist dabei: Gleiche Rechte fĂŒr alle - ĂŒberall! Die Linke Niedersachsen tritt ein fĂŒr das Recht eines jeden Menschen fĂŒr ein selbstbestimmtes Leben in Frieden, Freiheit, Sicherheit und WĂŒrde.

Sowohl die israelische Regierung, als auch die Hamas hegen offen Vernichtungsfantasien gegen die jeweils vom anderen vertretenen Volksgruppen. Klar ist, Besatzung, Entrechtung und Perspektivlosigkeit fĂŒhren zu Terror.

Der Gaza-Streifen liegt nach ĂŒber zwei Jahren Genozid in TrĂŒmmern, die HumanitĂ€re Lage ist aufgrund israelischer Blockadepolitik katastrophal, KrankenhĂ€user wurden zerstört, die Versorgungslage nach wie vor unzureichend. Hunger wird als Kriegswaffe durch die israelische Regierung eingesetzt. Die aus dem sogenannten „Friedensrat“ vorgelegten PlĂ€ne fĂŒr den Wiederaufbau von Gaza stellen die imperialistischen Interessen der USA in den Mittelpunkt, statt gute Lebensbedingungen fĂŒr PalĂ€stinenser*innen.

Im Westjordanland werden weiterhin völkerrechtswidrig Siedlungen durch israelische Siedler unter UnterstĂŒtzung der israelischen Regierung gebaut. Die IntensitĂ€t von Angriffen durch Siedler auf die palĂ€stinensische Zivilbevölkerung, die seit Beginn des Genozid in Gaza bereits gestiegen ist, hat seit Beginn des Angriffs auf den Iran nochmals zugenommen. WillkĂŒrliche Festnahmen und Schikanen gegen PalĂ€stinenser*innen durch israelische SicherheitskrĂ€fte sind Teil der Apartheit in PalĂ€stina und Israel, die angesetzte WiedereinfĂŒhrung der Todesstrafe fĂŒr PalĂ€stinenser*innen ist ebenfalls Ausdruck derselben.

Wir:

  • verurteilen die Expansion der israelischen Siedlungspolitik sowie die Gewalt durch Siedler*innen im Westjordanland;
  • Fordern ein sofortiges Ende des israelischen Siedlungsbaus im Westjordanland einschließlich Ost-Jerusalems;
  • Fordern ein Ende der Apartheid in Israel und den besetzten Gebieten;
  • Fordern, dass die internationalen Haftbefehle gegen Benjamin Netanjahu und Joaw Galant wegen Kriegsverbrechen in Gaza und Völkermord vollstreckt werden;
  • Verurteilen die Sanktionen der US-Regierung gegen den Internationalen Strafgerichtshof und dessen Richter, die die Prozesse gegen Netanjahu und Galant behindern sollen;
  • Erkennen Ethnonationalismus und den politischen Zionismus als einen wesentlichen Hinderungsgrund fĂŒr eine friedliche Zukunft fĂŒr alle Menschen in der Region an;
  • ErklĂ€ren uns solidarisch mit Zivilist*innen und Menschenrechtsaktivist*innen auf beiden Seiten, sowie Journalist*innen, die Aufgrund ihrer Berichterstattung Repressionen erfahren;
  • Gehen sensibel mit dem Antisemitismusbegriff um. Wir kritisieren, wo der Antisemitismusvorwurf instrumentalisiert wird um Kritik am real existierenden politischen Zionismus zu deligitimieren. Gleichzeitig stellen wir klar, Antisemitismus hat keinen Platz in der Linken, maßgeblich ist dabei fĂŒr uns die Definition des Begriffs nach der Jerusalemer ErklĂ€rung.

Die Landespartei wird sich im Rahmen von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen mit der Geschichte und Gegenwart von Israel und PalĂ€stina, dem Zionismus, dem Genozid in PalĂ€stina, Flucht- und Migrationsbewegungen in der Region und Perspektiven fĂŒr eine friedliche Zukunft fĂŒr die Region befassen.

BegrĂŒndung zur Ablehnung des Zionismus (1)

Wiederholt haben wir von selbsternannt zionistischen Organisationen wie der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft (DIG) oder dem BAK Shalom wahrgenommen wie diese unkritische SolidaritĂ€t mit dem Staat Israel zeigen, was sich von der Leugnung des andauernden Genozids in PalĂ€stina, bishin zur Instrumentalisierung des Antisemitismusbegriffs ausdrĂŒckt. Seit dem Bundesparteitag in Karl-Marx-Stadt in 2025 bekennt sich die Partei Die Linke offen zur Jerusalem Declaration on Antisemitism, welche die absichtliche Vermischung des Staates Israels mit dem Judentum, sowie der Homogenisierung aller jĂŒdischen Menschen, klar als Antisemitismus benennt. Allein sollten wir unsere Aufgabe der BekĂ€mpfung des Antisemitismus ernst nehmen wollen, so mĂŒsste eine klare Distanzierung zu dieser Ideologie her. DarĂŒber hinaus ignoriert als Beispiel die Deutsch-Israelische-Gesellschaft die Besatzung und Besiedlung des Westjordanlands, was nicht einmal aus einer linken, sondern alleinig aus einer Völkerrechtsperspektive auch von den Vereinten Nationen kritisiert wird. Die wiederholte Kollektivschuld welche die DIG dem palĂ€stinensischen Volk aufzwingt, ausgedrĂŒckt unter anderem durch die Aufforderung des Förderungsstops der UNRWA, untermauert mit einer LĂŒgenkampagne um vermeintliche Verbindungen zur Terrororganisation Hamas aufzudecken, ist alleinig Grund genug um mit diesen Institutionen aus einer linken Perspektive zu brechen. Der PrĂ€sident der DIG, Volker Beck, und seine islamfeindlichen, terrorverharmlosenden und transfeindlichen Aussagen sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Die DIG unterstĂŒtzt zudem auch eine militĂ€rische Zusammenarbeit der deutschen Bundeswehr und der Israeli Defense Force (IDF) fĂŒr eine noch offensichtlichere koloniale Expansionspolitik.

So sehr die DIG auch dafĂŒr plĂ€diert eine Definition von Zionismus zu benutzen welche jeden zum Zionisten macht welcher möchte das ein jĂŒdischer Schutzstaat existiert, so definiert Wikipedia den Zionismus wie folgt:

„Zionism is an ethnocultural nationalist movement that emerged in late 19th-century Europe to establish and support a Jewish homeland through colonization in Palestine, a region which roughly corresponds to the Land of Israel in Judaism—itself central to Jewish history. Zionists wanted to create a Jewish state in Palestine with as much land, as many Jews, and as few Palestinian Arabs as possible. The Zionist claim to Palestine was based on the notion that the Jews' historical right to the land outweighed that of the Arabs.“

Durch die GrĂŒndungsfiguren des modernen Zionismus, wie der rechtsextremen Daniella Weiss, welche Siedlungen selbst und ohne LegitimitĂ€t im Namen des Zionismus startete, offenbart sich dessen unterliegende Ideologie als vollkommen unvereinbar mit den linken Grundwerten. In der modernen israelischen Politik bezeichnen sich Politiker:innen wie der Sicherheitsminister Israels Itamar Ben-Gvir als Zionisten, welche „jĂŒdische Überlegenheit“ als Grundlage fĂŒr israelische Expansion sehen. Auch der Finanzminister und Kontrolleur des besetzten Westjordanlands Bezalel Smotrich bezeichnet sich als Zionist, und nennt sich selbst einen „faschistischen Homophob“. Er leugnet regelmĂ€ĂŸig die Existenz eines palĂ€stinensischen Volks. Benjamin Netanjahu ist nicht nur Premierminister Israels und gesuchter Kriegsverbrecher, sondern nennt sich auch einen Zionisten und rechtfertigt viele seiner Taten mit dem Zionismus. Der Zionismus ist auch nicht explizit verbunden mit dem jĂŒdischen Glauben, sieht man sich allein den selbsternannt christlichen Zionisten J.D. Vance an.

BegrĂŒndung zur Ablehnung des Zionismus (2)

Auch historisch ist der Zionismus in der Praxis kaum positiv behaftet, so schrieb Albert Einstein in einem veröffentlichten Brief an die New York Times am 2. Dezember 1948

Among the most disturbing political phenomena of our times is the emergence in the newly created state of Israel of the "Freedom Party" (Tnuat Haherut), a political party closely akin in its organization, methods, political philosophy and social appeal to the Nazi and Fascist parties. It was formed out of the membership and following of the former Irgun Zvai Leumi, a terrorist, right-wing, chauvinist organization in Palestine. The current visit of Menachem Begin, leader of this party, to the United States is obviously calculated to give the impression of American support for his party in the coming Israeli elections, and to cement political ties with conservative Zionist elements in the United States. Several Americans of national repute have lent their names to welcome his visit. It is inconceivable that those who oppose fascism throughout the world, if correctly informed as to Mr. Begin's political record and perspectives, could add their names and support to the movement he represents. [
] In the light of the foregoing considerations, it is imperative that the truth about Mr. Begin and his movement be made known in this country. It is all the more tragic that the top leadership of American Zionism has refused to campaign against Begin's efforts, or even to expose to its own constituents the dangers to Israel from support to Begin.

Die hier benannte „Freedom Party“ wĂŒrde sich spĂ€ter in die Partei Likud, also die Partei Benjamin Netanjahu’s reformieren. Die Partei welche Albert Einstein als „in Organisation, Methoden, politischer Philosophie und sozialer Anziehungskraft eng verwandt mit den Nazi- und faschistischen Parteien“ beschrieb, war eine Partei die sich selbst als zionistisch bezeichnet und ihre Taten im Namen des Zionismus rechtfertigte. Im gleichen Sinne bezeichnet auch die moderne Likud-Partei sich selbst als „zionistisch“ und bezieht sich bei ihren Taten oftmals auf den Zionismus als legitimierende Grundlage.

Vor und wÀhrend der Nakba in und nach 1947 betrieben zionistische ParamilitÀrgruppen, dazu gehörten unter anderem Irgun, Lehi, Haganah und Palmach, welche sich spÀter zur IDF formierten, eine ethnische SÀuberung in PalÀstina. Diese Gruppierungen nannten sich selbst zionistisch und rechtfertigten ihre ethnische SÀuberung im Namen des Zionismus.

Um auch nur eine dieser Organisationen darzustellen, so versuchte die Lehi, offiziell „Fighters for the Freedom of Israel“, eine Zusammenarbeit mit dem faschistischen Italien und Nazi-Deutschland. Sie kĂ€mpften fĂŒr die Vorstellung eines „Großisraels“ und waren verantwortlich fĂŒr das Deir Yassin Massaker durch das in einem Schlag mindestens 107 palĂ€stinensische Zivilist:innen ermordet wurden. Sie ermordeten zudem den britischen Minister Lord Moyne, woraufhin sie in die IDF integriert wurden. Kurzzeitig wurde Lehi in 1948 fĂŒr weitere terroristische AnschlĂ€ge verboten und ihre AnfĂŒhrer verhaftet, bevor sie vollkommene Amnestie erhielten. In 1980 errichtete der israelische Staat einen „Auszeichnung fĂŒr AktivitĂ€ten im Kampf um die GrĂŒndung Israels“ spezifisch fĂŒr die ehemaligen AnhĂ€nger der Organisation, die Lehi-Schleife.

BegrĂŒndung zur Ablehnung des Zionismus (3)

Aufgrund solch offensichtlicher Unvereinbarkeit der zionistischen Ideologie mit den grundlegendsten linken Werten ist in unseren europĂ€ischen NachbarlĂ€ndern und internationalen Parteien mit denen wir in BĂŒndnissen und Fraktionen sitzen, sowie ParteienbĂŒndnisse schaffen, der Antizionismus lĂ€ngst normalisiert. Jeremy Corbyn und Zarah Sultana von Your Party bezeichnen sich als „unapologetically antizionist“, Jean-Luc MĂ©lenchon als Vorsitzender von La France Insoumise nennt sich einen Antizionisten, sowohl die GrĂŒnder und heutigen Vorsitzenden von Podemos, Pablo Iglesias und Ione Belarra sind Antizionisten, auch die irische Partei People Before Profit beharrt auf ihre antizionistische Position. In Schottland hat nicht nur die Linkspartei, sondern sogar die Scottisch Green Party einen Beschluss welche den Zionismus in seiner Form ablehnt. Auch Sinn FĂ©in in Irland, die PTB aus Belgien, sogar unsere eigene Fraktion, The Left in the European Parliament, lehnt den Zionismus in dessen Grundlage ab. Bei vielen anderen Schwesterparteien von Die Linke ist die Ablehnung des Zionismus eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. VerstĂ€rkt in Deutschland wird diese Debatte erschwert aufgrund von Organisationen wie der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft welche die Debatte mit falschen Definitionen verwĂ€ssert.

International ist die Frage ob der Zionismus eine rechtsextreme Ideologie ist von der man sich distanzieren sollte vollkommen geklÀrt und lÀngst ist diese als rassistisch und ethnonationalistisch erkannt. Der einzige Grund warum linke Parteien den Zionismus nicht wie auch andere Formen diskriminierender Ideologien bekÀmpfen ist aufgrund von einer öffentlichen anderen Wahrnehmung. Es liegt an uns unseren gesellschaftlichen Einfluss zu nutzen um Aufmerksamkeit auf die rechtsextreme Grundlage der zionistischen Ideologie zu bringen.

Das PhĂ€nomen des vermeintlich linken Zionismus existiert ausschließlich in Deutschland aufgrund einer StaatsrĂ€son welche nicht davor zurĂŒckscheut eine halbherzig versuchte Aufarbeitung deutscher Geschichte fĂŒr moderne geopolitische Zwecke zu missbrauchen. Die Deutungshoheit um den Begriff des Zionismus ist nur ein Nebenschauplatz einer grĂ¶ĂŸeren Fabrizierung von Zustimmung fĂŒr die westliche Kriegsmaschinerie. Wir als Die Linke Niedersachsen sollten den Begriff des Zionismus erneut mit Inhalt fĂŒllen in dem wir uns klar und deutlich von diesem distanzieren sowie allen Organisationen welche ihm anhĂ€ngen.

@ErikUden Habe erst jetzt deine BegrĂŒndung gelesen und muss dir leider mitteilen, dass du einfach nur ein antisemitisches Arschloch bist. Bitte lösch dich.