Viele meiner Nicht-ärztlichen MitarbeiterInnen haben mir im Zusammenhang zur bestandenen Facharztprüfung zu meinem Doktortitel gratuliert. Das ist super lieb, aber den habe ich schon seit Jahren. Da stellt sich mir die Frage, kennt ihr den Unterschied?
Interessiert euch das überhaupt?
Was Dr.med. /Dr.med.univ./Med.pract , Facharzt, Assistenzarzt, Oberarzt etc eigentlich bedeutet? Es ist eigentlich banal aber doch irgendwie kompliziert, selbst für Leute, die in der Medizin arbeiten.

Dann versuche ich es mal zu erklären:

Es gibt professionelle Titel in v.a. englischsprachigen Ländern. Hier bekommt man den Titel 'MD' mit dem Ende des Studiums. In v.a. deutschsprachigen Ländern gibt es das nicht, hier ist der Dr.med. ein akademischer Titel, was bedeutet, dass man eine Arbeit schreiben muss an einer Universität.

Man braucht den Titel jedoch nicht um Arzt zu sein, deswegen gibt es viele, die ihn nicht machen.

Sondersituation Österreich: hier gibt es Dr.med.univ. was dem 'MD' entspricht. Man erhält ihn nach dem Studium. Um jedoch den Dr.med. zu erhalten, muss man auch in Österreich eine wissenschaftliche Arbeit schreiben.

Dann gibt es noch einen Dr.phil.nat. oder auch PhD genannt. Das ist ein richtiger akademischer Doktortitel für den man 3-6 Jahre forscht.

Ein Arzt kann beides machen und heisst dann:
'Dr.Dr.med. Name' oder 'Dr.med. et Dr.phil.nat Name' oder im englischen 'MD Name PhD'.

Der normale Dr.med. ist eine relativ einfache Arbeit, aber dennoch meist deutlich aufwändiger als eine Masterarbeit. Das ist jedoch etwas individuell. Ich habe 3 Jahre gebraucht, aber nicht Vollzeit.

Dann gibt es noch einen MD-PhD, hier gibt es keine deutsche Bezeichnung. Das ist ein Mittelding zwischen MD und PhD. oder entspricht einem aufwändigen Dr.med. Dieser Titel existiert vor allem in Ländern, die professionelle MD Titel und keine akademischen Dr.med. Titel haben.

Und nun zu AA/OA etc

Nach dem Studium ist man ein Assistenzarzt. Das ist eine Stelle und unabhängig vom akademischen Grad. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Medizinstudium.

Ziel eines AAs ist es, eine Spezialisierung zu machen, also einen Facharzttitel zu erwerben. Als AA ist man schon ein richtiger Arzt und verdient ganz okay, aber man kann nicht alles und hat nicht die ganze Verantwortung.

Um Facharzt zu werden, muss man bestimmte Kriterien erfüllen, die in jedem Land und bei jedem Fach anders sind. Meistens muss man 5-6 Jahre in diesem Fach gearbietet haben, bestimmte Prozeduren genügend oft gemacht haben, best. Kurse absolviert haben und eine Prüfung bestanden haben.

Hat man das alles zusammen, bekommt man irgendwann den Titel Facharzt. Damit kann man sich auf Oberarztstellen bewerben. Wieder unabhängig des akademischen Grades.
Egal, ob man MD/Dr.med/ etc ist.

Ein Arzt, der keinen Dr.med hat, heisst bei uns in der Schweiz M Med (Master Medizin) oder med.pract.
In Österreich Dr.med.univ. und in den USA MD.

Diese Leute haben die selben beruflichen Qualifikationen und Kenntnisse wie ihre Kollegen mit Titel, denn das ist rein akademisch.

Allerdings dürfen sie sich nicht Dr.med. nennen, da sie diesen Titel nicht erworben haben und sich damit strafbar machen würden.

Dann gibt es noch leitende Ärzte. Um das zu werden, muss man viel Erfahrung haben und meistens auch einen PD Titel erwerben. Das ist ein weiterer akademischer Grad, man muss also viel forschen und auch unterrichten und dozieren.

Chefärzte sollten auch oft einen PD oder Professor haben.

Ach und sowohl Leitender Arzt als auch Chefarzt sind wiederum Jobs und keine Titel. PD oder Prof sind Titel. Für Jobs muss man sich bewerben. Die Titel sind einfach oft gewünscht vom Krankenhaus.
@ChuculatiPicchu Ich hoffe, es bringt jetzt niemand den PD und den PhD durcheinander, und das Wort „Habilitation“ hast Du elegant umschifft. Das meiste ausser den Dr. med. univ. kannte ich schon.
Nachträglich, herzliche Gratulation zur bestandenen Facharztprüfung! Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass das erleichternd ist, zu wissen, dass das jetz mal erledigt ist.

@streifenpferd Danke dir! Ich bin sehr erleichtert. In meinem Fach ist die Prüfung sehr anspruchsvoll, mehr als in vielen anderen. Habe seit August gelernt.

Komplizierter geht es immer. Ist ja so schon ein Titelwirrwarr. PD und Habil ist ja dasselbe eigentlich. PhD ist so ein Extrading, das man in der Medizin eigentlich nicht braucht. Es bringt einem keine Karrierevorteile im Gegensatz zum PD.

@ChuculatiPicchu Nun, PD etc. ist bereits in England, aber vor allem auch in den USA und in Japan zB nicht wirklich ein Ding. Glaube auch in der Medizin nicht.
Aus der Sicht eines Ingenieurs mit Lehrauftrag an einer japanischen Uni (10+ Years ago). Wichtig für den Lehrauftrag war vermutlich ausschliesslich ob ich relevant publiziert habe (und in meinem Fall, vielleicht auch bitzli Vitamin B). Aber eine Habilitation und PiPaPo im engeren Sine, so wie hier, gibt es da nicht.
@streifenpferd Ja ist in jedem Land etwas unterschiedlich. In Genf sogar. Man muss nach 5J einen adjoint haben, sonst muss man einen neue Job suchen.
Aber ein PD ist das nicht.
@streifenpferd wobei ich auch finde, dass anglophonr Länder bei solchen Dingen ähnlicher sind als andere und Japan viel von den USA übernommen hat
@ChuculatiPicchu Als Österreicher nenne ich mich ja gerne mal Dr. takt. fpl. wrz. L. Brnft. Um staatliche Anerkennung ringe ich aber noch.
Was bist denn du nun?
@wrzlbrnft Mein Titel hat sich gar nicht geändert. Ich habe nur eine Prüfung bestanden. Das ist ein Teil, der wichtigste zwar, aber dennoch nur ein Puzzleteil meiner Weiterbildung. Der Titel hat damit nichts zu tun. Man kann Dr.med. sein oder nicht, das ist vollkommen irrelevant.
Österreicher lieben Titel XD