Da ich viele Fehlannahmen dazu sehe: nein, das Problem des Atommülls ist *nicht* lösbar, auch in der Theorie nicht.

Was bei der Spaltung eines Uran-Atomkerns herauskommt, ist dem Zufall überlassen. Es hängt davon ab, in welche Teile sich der Kern gespalten hat, und es gibt hier etliche Möglichkeiten. Größtenteils werden es aber deutlich leichtere Elemente sein, und sie werden fast ausnahmslos instabil (also radioaktiv) sein.

Einige Leute scheinen zu glauben, dass ein Kernkraftwerk Radioaktivität nutzen würde. Das tut er nicht. Er nutzt die Tatsache aus, dass sich schwere Atomkerne recht einfach (mit geringem Energieeinsatz) spalten lassen und dabei viel Energie freigesetzt wird. Selbst wenn man diesen Prozess auf weitere Atomkerne als die paar Uran- und Plutonium-Isotope ausweiten könnte: die Zerfallsprodukte des Urans sind größtenteils viel zu leicht dafür, dass es energetisch hinkommt. Sprich: Atommüll kommt für Energiegewinnung mittels Kernspaltung nicht mehr infrage.

Dementsprechend lassen sich abgearbeitete Brennstäbe auch nicht recyceln. Bei der Wiederaufbereitung wird lediglich das Rest-Uran angereichert. Dann haben die Brennstäbe wieder die notwendige Uran-Konzentration, um im Kraftwerk verwendet zu werden. Man spart dabei am teuren Rohstoff Uran. Die Menge des Atommülls verändert sich dagegen (gemessen am Energiegewinn) überhaupt nicht. Das Uran, das nicht entsorgt, sondern wieder der Kernspaltung zugeführt wurde, ist nur minimal radioaktiv und fällt nicht ins Gewicht.

Also hat man Atommüll, der aus zig verschiedenen radioaktiven Isotopen besteht, die alle gemäß ihren jeweiligen Zerfallsketten zerfallen. Der ist zunächst extrem gefährlich, diese Radioaktivität wird aber vor allem durch die kurzen Zerfallsketten erzeugt, die relativ bald durch sind. Es bleiben aber die langen Zerfallsketten, die Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrtausende in Anspruch nehme. So ein abgearbeiteter Brennstab wird noch sehr lange sehr viel Radioaktivität produzieren, bevor er soweit zu stabilen Isotopen zerfallen ist, dass er als ungefährlich eingestuft werden kann.

Dieser Zerfallsprozess lässt sich *nicht* beschleunigen. Man könnte rein theoretisch die Kerne mit hohem Energieeinsatz weiter spalten (der Mechanismus dafür ist nicht einmal ansatzweise bekannt), aber dann hätte man nur noch mehr radioaktive Materialien, bloß andere. Man könnte auch versuchen, den Zerfall beispielsweise durch Neutronenbeschuss zu beschleunigen - aber auch hier wäre es Glückssache, ob man dadurch stabile Isotope bekommt oder noch mehr langlebige radioaktive Elemente. Es gibt keinen bekannten Prozess, mit dem sich das steuern ließe.

Was wir also an Atommüll produzieren, das wird über Jahrtausende irgendwo lagern müssen, dazu gibt es keine Alternativen. Da werden auch zukünftige Generationen, die das ausbaden dürfen, keine andere Lösung finden.

@Newstrujew

Danke! Man kann es nicht oft genug sagen, dass sich die Physik nicht austricksen lässt, nur weil manche Politiker es gerne möchten.

@Commander_KEEN @Newstrujew Auch von mir Danke für den technischen Hintergrund, welcher mir bislang nicht bekannt war.
Dies wird sicherlich den allermeisten Darstellern im Politikbetrieb auch nicht bekannt sein, wenn sie wie Söder etwas über die Nutzung von Atommüll nachplappern.

Ich kann für mich sagen, es hat mich bislang nicht wirklich interessiert, da Kernkraft für mich tot ist.
Das Politikinteresse ist wohl auch gering, da böse Fakten.

https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/atomkraft-bayern-soeder-csu-wirbt-fuer-mini-akw-100.html

CSU-Chef Söder fordert Rückkehr zur Atomkraft mit Mini-AKW in Bayern

Die EU will wieder verstärkt in Atomkraft investieren. CSU-Chef Markus Söder unterstützt das auch für Deutschland - und schlägt ein Pilotprojekt in Bayern vor. In der Regierung ist das Thema jedoch umstritten.

tagesschau.de
@db_geek @Commander_KEEN @Newstrujew
Die haben kompetente Berater. Schließlich gibt es eine ganze Abteilung "Wissenschaftliche Dienste des Bundestages"
Die wissen das alles. Nur werden die Ergebnisse gerne ignoriert wenn sie nicht in den Kram passen.
@logorok @Commander_KEEN @db_geek @Newstrujew Trotzdem verstehe ich immer noch nicht, wie man mit „Wenn wir für ganz viel Geld jahrelang Sachen in die Luft schmeißen, bleibt garantiert irgendwas oben, und dann schaffen wir die Schwerkraft ab“ millionenfach zurechnungsfähigen Bürgern diese Technologie einreden kann, obwohl jedem Physik-Erstsemester dabei die Augen in Nordposition einrasten. Und wie man Techniker findet, die diese Märchen für bare Münze nehmen und mit verkaufen
@zynaesthesie @logorok @Commander_KEEN @Newstrujew Ich verstehe es auch nicht, denke aber, da wird mit "der Nutzung von Atommüll" dem Wahlvolk eine plakativ sehr einfache Möglichkeit vorgegaukelt, das Problem "Atommüllendlager" zu lösen.
Das Wahlvolk möchte leider sehr oft einfache Lösungen möglichst ohne persönliche Konsequenzen.
Und alles andere ist, wie es der Ausgangspost schon zeigt, so komplex, dass niemand ausser Fachmenschen Lust hat, sich damit tiefer zu beschäftigen.
@Newstrujew @Commander_KEEN … und leider auch manche Physiker.
@mirabilos @Newstrujew @Commander_KEEN Ich habe auch einen promovierten Physiker (im Ruhestand) kennen gelernt, der der Meinung war, dass Kernkraft toll ist und Transmutation alle Probleme löst und nur aus politischen Gründen nicht weiter erforscht wird.
Ich habe im gleichen Institution auch einen emeritierten Physik Professor kennen gelernt, der Fan der frühen AfD (Anti-Euro-Partei) war.
Also ja, auch Physiker*innen können falsch liegen.

@thewhite969 @Newstrujew @Commander_KEEN mir hat einer erzählen wollen, daß „KI“ ja gar nicht so schlimm wäre und nicht die Umwelt killen würde, sondern daß die deutsche Energiewende das tun würde.

Und der ist sicher noch ca. 20 Jahre vor dem Ruhestand.

@Commander_KEEN

Naturgesetze sind ja auch undemokratisch und ohne Konsultation mit Interessensverbänden zustande gekommen. Auch total unflexibel, da nicht an die Wunschlage anpassbar.

@Newstrujew