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Ich mag es wie ich hier von zu Hause aus, ganz allein und in Ruhe, von der Buchmesse in Leipzig profitieren kann. Den vollkommen unfähigen Kulturminister, der nur Porzellan zerbrechen und einen Eklat nach dem nächsten produzieren kann, blende ich aus. Ich lese lieber das Interview mit der klugen und reflektierten Judith Hermann in der Freitag, in dem sie sehr klug darüber spricht, wie lange es häufig dauert, bis wir als Kinder die richtigen, die wichtigen, Fragen an unsere Eltern stellen können. Unsere Eltern überhaupt als eigenständige Menschen mit einer ganz eigenen Geschichte begreifen können, statt sie „nur“ als Mutter und Vater zu sehen. In dieser ausschließlichen Rolle, der alles andere untergeordnet ist. Ich merke es selbst, dass die Fragen, und überhaupt das Interesse erst mit Ende 40, Anfang 50 aufkamen. Leider war es da in meinem Fall schon längst zu spät. Nie zu spät ist es aber für einen wichtigen Satz von Judith Hermann, der sowohl persönlich als auch politisch gilt: „Nichts ist abgeschlossen, alles verändert sich stetig und wirkt immer weiter fort.“ Ich glaube, das ist allgemein ein sehr großes menschliches Problem, dass wir Dinge viel zu schnell für abgeschlossen erklären. Jedenfalls bin ich dankbar für dieses Buch, das ich bereits auf dem Nachttisch liegen habe und freue mich auf die „Ghost Stories“ von Siri Hustvedt, die ich mir besorge, sobald die schlimme Erkältung noch weiter abgeklungen ist. Beide Autorinnen behandeln Themen, die mich gerade selbst sehr beschäftigen und ich bin dankbar für diese Bücher. Auf den Trubel auf der Buchmesse selbst kann ich verzichten. Ich war vor vielen Jahren einmal dort. Und selbst viele Jahre jünger war das Messegeschehen überfordernd für mich. Auch wenn es natürlich schön ist, manchen Buchleuten einmal wirklich zu begegnen. Am schönsten fand ich damals die Lesung im Rahmen der Lyrikbuchhandlung. Die würde ich gerne irgendwann einmal wieder besuchen.
#Buchmesse #JudithHermann #SiriHustvedt #Weimer