cem özdemir war der kandidat, der den leuten glaubhafter die illusion von zukunft als verlängerter gegenwart verkaufen konnte (der alte merkeltrick)

sowas ist kein grund zu feiern und vor allem kein modell für irgendwas, sondern ein letztes aufbäumen der verdrängungsgesellschaft vor dem kollaps.

@mspro Ich verstehe auch nicht, warum offenbar eine Zukunft so grausam klingt, in der immer mehr Dinge elektrisch betrieben werden - aus Solar und Wind. Weniger Autos und trotzdem kommt man überall hin. Gesünderes Essen - und vor allem: überhaupt eine Zukunft mit möglichst wenig Klimakatastrophe... Ich stell mir eine klimaneutrale Gesellschaft eigentlich ganz cool vor.
Vermutlich wird Trump mit seinem Iran-Krieg und den steigenden Öl- und Gaspreisen mehr für die Klimawende im Kopf tun als der grüne Ministerpräsident.

@kaffeeringe @mspro

Schöne These: "Die nichtintentionalen Folgen intentionalen Handelns", ein Klassiker, zudem eine schöne Dialektik-Übung. Das Problem ist nur, dass sich die Wendung ins Gute lange hinziehen kann, weil die politische Reaktion, man denke an die Drecksarbeit erledigende Frau Reiche, zu stark ist und insofern mit viel weiterer Zerstörung zu rechnen ist. Sowohl die Philosophin vRedecker als auch der Soziologe Nassehi setzen auf kleine Schritte, nicht "große Geste"

@MartinRost @mspro Man muss die Pläne in der Schublade haben, damit man sie herausholen kann, wenn die Zeit reif ist. Bisher schaffen es nur die Reaktionäre ihre neoliberalen Kleinrevolutionen durchzusetzen, wenn sich historische Fenster öffnen. ("Schock-Doktrin", Naomi Klein)

@kaffeeringe @mspro

Kairos, die Kunst den richtigen Zeitpunkt gefunden zu haben, des ermöglichenden Augenblicks.

Man kann sich an die wichtigen Datingsituationen im bisherigen Leben erinnern, in denen man es vermasselt oder aber hinbekommen hat, man vor allem sich selber nicht im Wege steht. In den gelungenen Situationen ist nachher das gesamte Leben ein vollkommen anderes, auch ohne gutes Vorausplanen. Es wird mit einem Mal alles leicht, selbst Planung.

@MartinRost @kaffeeringe auf „den richtigen zeitpunkt“ kann man nur hoffen, nicht darauf warten. wenn man darauf spekuliert betreibt man ponzi finance. aber ja, es hilft pläne in den schubladen zu haben für den fall.

@mspro @kaffeeringe

Ich würde neben Hoffnung noch etwas anderes stark machen. Kairos ist zu einem großen Anteil mit "Spontaneität" verbunden, im Doing: Improvisation, jede Musikerin weiss darum, wann die Wahrnehmung von Wohlgeformtheit in Glück umschlägt.

Es ist so frappierend, wie sich die Themen wiederholen: Für Rosa Luxemburg waren Spontaneität und Organisation unterschiedliche Kairos-Momente derselben Handlungsstrategie, sie waren jedenfalls nicht getrennte Sphären.

@MartinRost @kaffeeringe ich stimme zu, aber jede „intuition“ und jedes „improvisieren“ basiert auf der übung mit dem, was man vorsich hat, einen pfad zu bauen.

aber in einer kollapssitutionen sind viele unserer eingeübten „moves“ nicht mehr funktionabel, teils kontraproduktiv. d.h. du musst wissen, welcher move „hält“ und welcher verlernt werden muss. in solches situationen überschätzt man das eigene wissen und können ständig.

@mspro @MartinRost Ja. Weil so unsicher ist, was bei Revolutionen herauskommt, waren sie in der Arbeiterbewegung immer umstritten. Es gab immer die Revolutionäre und die Reformer. Pläne hatten beide.

Ich glaube, "Hoffnung" oder "Optimismus" sind die falschen Kategorien. "Es rettet uns kein höhres Wesen. Kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun..."

Und noch so ein Zitat: "Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, damit es besser wird."

@kaffeeringe @mspro @MartinRost Die Reformer haben gerade noch ganz knapp die 5% Hürde geschafft...
@Giliell @mspro @MartinRost Die Revolutionäre sind an der 5 %-Hürde gescheitert.
ich würde die Grünen aber auch zu den Reformern in der Gesellschaft zählen. Ich glaube, bei denen gab es in den 1980ern auch stärkere Auseinandersetzungen darüber, ob man die Umwelt im Kapitalismus retten kann, oder ob man die Umwelt vor dem Kapitalismus retten muss.
@kaffeeringe @mspro @MartinRost Die "Revolutionäre" stellten nicht den letzten Bundeskanzler. Das ist ziemliches Äpfel mit Birnen vergleichen. Abgesehen davon, dass es Blödsinn ist, die Linke als "Revolutionäre" zu bezeichnen. Aber so ist das halt: wehe es hat jemand einen Reformvorschlag, der ewtas ändern könnte, schon ist er ein Revoluzzer.
@Giliell @mspro @MartinRost Ich habe nicht die Linkspartei gemeint. Das ist ja auch weitestgehend eine Reform-Partei. Ich hab gerade erst gesehen, dass bspw. die DKP offenbar gar nicht angetreten ist.