Als er 2022 im Alter von 76 Jahren nach langer Krebserkrankung in seiner Heimatstadt Los Angeles starb, würdigten ihn die aus aller Welt eintrudelnden Nachrufe als Revolutionär in nicht-, ja konterrevolutionären Zeiten.
In einem seiner letzten Interviews in der Los Angeles Times sagte Davis: „Wenn ich irgendetwas bedauere, dann ist es, dass ich nicht im Kampf sterbe oder auf einer Barrikade, wie ich es mir immer romantisch erträumte. Kämpfend, wissen Sie?“
Zu den posthumen Ehrungen, mit denen der Tote, der zu Lebzeiten Einladungen durch den Papst und argentinischen Präsidenten ausgeschlagen haben soll, in weniger als 24 Stunden nach Bekanntwerden seines Ablebens überhäuft wurde, gehört:
Er habe quasi im Alleingang die kritische Stadtforschung begründet. Er habe als Sohn seiner Klasse strategisch Entscheidendes für die organisierte Arbeiter*innenbewegung und für einen US-amerikanischen Weg zum Sozialismus geschrieben.
Er habe unbequeme, verschüttete Geschichten des Imperialismus damals („Die Geburt der Dritten Welt: Hungerkatastrophen und Massen“, 2004) und heute („Planet der Slums“, 2007) aufgedeckt.
Er habe mit seinem Durchbruchswerk „City of Quartz“ (1990) die Los Angeles-Riots von 1992 und mit seinem Buch „Vogelgrippe: Zur gesellschaftlichen Produktion von Epidemien“ (2005) Wesentliches über die Epidemien und Pandemien von heute vorhergesagt.
Und bei alledem: Er, der seine Promotion abbrach, habe vor allem als brillanter Stilist die Grenzen zwischen Sozialwissenschaft und Literatur eingerissen.
Mit Mike Davis verlor die Welt einen ihrer größten und klügsten Kämpfer – für den internationalen Sozialismus, gegen den Imperialismus und gegen die Klimakatastrophe.
Vor einiger Zeit war Mike Davis Keynote Speaker auf der Marx-Herbstschule, eine Aufzeichnung sei-nes Vortrags mit dem Titel „Capitalism’s Nature“ gibt es auf unserem YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/watch?v=QQbv-kciFb4
Mike Davis: Capitalism’s Nature (13. Marx-Herbstschule)