Schwer auszuhalten, was in der #Gartenbubble gerade abgeht. Da werden die Nistkästen dekorativ aufgehängt, so romantisch - und gleichzeitig wird das Restaurant abgeräumt: Laub weg, Stauden runter, Rasen gemäht. Während Käfer, Wurm & Co. noch weitestgehend pennen und flott mit Laub und Grünschnitt entsorgt werden. Am besten noch in Plastiksäcke und ab zur Deponie. Womit sollen die Vögel ihren Nachwuchs eigentlich füttern? Und das ist nur der naheliegendste ökologische Zusammenhang ...

#garten

@sinnundverstand Abgesehen vom Aufräumen und Ordnungswahn steckt da auch ganz viel Entfremdung drin. Alles, was kreucht und fleucht, ist grausig und unheimlich.

Leute wollen zwar Singvögel, Igel, Libellen, Marienkäfer und Heuhüpfer, aber die sollen sich ihr Futter anscheinend im Supermarkt kaufen, weil Würmer, Larven, Maden, große und kleine Käfer, Spinnen, und ganz besonderskleine Fluginsekten sind wäh und iiih und dürfen nicht sein.

Und weil das nicht geht, dann lieber Dekofiguren.

@dasgrueneblatt Mich befremdet diese Entfremdung. Schmetterlinge, ja, aber keine Raupen. Es soll auch nichts angefressen werden. Gäbe es einen Gartenstaubsauger, würde er eingesetzt (naja, gut, Laubbläser, ne). Iiih, Käfer! Iiiiiiih, Wespen! Fliegen, Spinnen, Würmer, Hundertfüßler, Asseln, pfui Teufel! Und bloß überall "Straßen" im Garten, weil man sonst schmutzig wird. Ich weiß es ja auch nicht.

@sinnundverstand Ja, stimmt, der Boden und der Dreck an den Füßen! Sich für den Garten anderes Schuhwerk als für's Büro anzuziehen, ist zu viel verlangt. Deshalb muss gepflastert und beplattet und betoniert werden, und das natürlich dann regelmäßig gekehrt und gelegentlich gekärchert.

Da schließt sich der Kreis zum Laub. Weil wenn der Wind Blätter, Zweige und Samen, womöglich noch mit kleinen Tieren oder Spinnweben dran, auf die Wege und Terrassen trägt, dann ist das ja eklig, unaufgeräumt und schmutzig gleichzeitig.

Oder stell dir vor, es bildet sich Moos! Moos geht nur tot im Bilderrahmen an der Innenwand, sonst muss es weggeschrubbt und -gekärchert werden.

Dekomoos, Dekovögel, Dekoschmetterlinge, Dekoeichhörnchen hab ich auch schon gesehen.

@dasgrueneblatt Ja, es ist wirklich absurd. Ich starre immer diese Dekoplastiktiere, Solarblinkiblinkilichterketten, „Outdoorteppiche" aus Plastik und immer größeren Plastikgartenmöbel an, die in diesen Wochen massenhaft wieder beim Kaffeeröster und im Gartencenter rumstehen und denke: Wir sind nicht mehr zu retten. Dazu passen die pestizidverpesteten „bienenfreundlichen“ Pflanzen, Kirschlorbeer und Sommerflieder. 🤪
@sinnundverstand @dasgrueneblatt Ich habe Kirschlorbeer übernommen. Da summt es im Sommer durchaus drin. Unsere beiden Wespenvölker hatten da eine Direktverbindung eingerichtet.
Ist euch das was bekannt?
@InfNITSH Ja, Du könntest Dich informieren. Das halbe Internet ist voll mit Informationen darüber, warum Kirschlorbeer eine ökologische Katastrophe ist. Du findest das raus, ich bin sicher. @dasgrueneblatt

@sinnundverstand @InfNITSH

Es stimmt aber, dass das halbe Internet voll ist mit der anscheinend immer wieder kopierten Info ist, dass heimische Tiere nichts vom Kirschlorbeer haben, was sich aber bei jedem Spaziergang durch Augenschein widerlegen lässt. Heimische Vögel brüten darin und fressen die Früchte und heimische Insekten lieben die Blüten (im Gegensatz zu Forsythienblüten zB).

Das ist ein Problem, weil dann auch die anderen, weniger leicht sichtbaren Auswirkungen nicht geglaubt werden.

Unter Kirschlorbeer wächst tatsächlich überhaupt ganz und gar nichts. Das wäre ja auch noch sichtbar. Bei Gartenhecken ist das aber schwer zu erkennen, könnte auch Absicht, Rindenmulch oder der beliebte Schotter sein.

Kirschlorbeer ist eindrucksvoll wüchsig und kräftig, winterhart und immergrün, hält stärksten Rückschnitt aus und wirft sehr dichten Schatten. Ideal, um sich schnell und gründlich in der Landschaft zu verbreiten. Was das eigentliche Problem ist. Ich möchte eine größere Sammlung Kirschlorbeer nicht roden müssen! Das Zeug muss auch verbrannt (oder sehr, sehr gründlich kompostiert) werden.

@dasgrueneblatt wir haben hier ein gründerzeitliches Pfarrhaus, davor ein Kirschlorbeer und zwei Magnolien, wahrscheinlich alle drei so alt wie das Pfarrhaus. Der Kirschlorbeer ist riesig, wunderbar knorrig gewachsen, da turnen die Kinder drin rum und zur Blüte die Bienen. Die Magnolien sind ökologisch natürlich wertlos, aber das ganze Ensemble ergibt ein wunderbares Bild, wäre schade, wenn die aus Umweltschutzgründen gefällt werden würden. @sinnundverstand @InfNITSH
@Frau_Ilka Kirschlorbeer ist stark blausäurehaltig. Vielleicht nicht so super für Kinder. Ich halte mich ansonsten zurück. Wer es wissen möchte, findet ausreichend Informationen auf Naturschutzseiten und beim Bundesamt für Naturschutz. Dass Kirschlorbeer wie auch Sommerflieder in der Schweiz als invasive Neophyten bereits verboten wurden, spricht womöglich für sich. @dasgrueneblatt @InfNITSH

@sinnundverstand
Naja, Blausäure haben sehr viele Pflanzen. Auch solche, die wir essen, und viele auch mehr und leichter zugänglich als im Kirschlorbeer. Es hat sich wohl noch kein Kind tragisch an einem Kirschlorbeer vergiftet. Da gibt's in jedem Blumenbeet effizientere Möglichkeiten. Wenn's als Argument hilft, von mir aus, aber das befördert ja eher wieder nur diese diffuse Naturangst, die uns die Plastikplanen an den Zäunen gebracht hat.

Ich find den Zugang der Schweiz gut. Es sind die Einfuhr, der Verkauf und die Weitergabe verboten. Gerodet werden muss aber nicht (das wäre wohl politisch nicht durchsetzbar). Sehr viele Kirschlorbeerpflanzen existieren ja nur, weil sie in Gartencentern verkauft werden, als Hecke gut geeignet sind, und niemand großartig recherchiert. Sommerflieder war eine Zeit lang überhaupt richtig empfohlen, für die Schmetterlinge nämlich! Wenn stattdessen was anderes angeboten wird, kaufen die Leute halt das, und es tut niemandem weh.

@Frau_Ilka @InfNITSH

@dasgrueneblatt Ja, ich denke auch, dass sich noch keine Kind an einem Kirschlorbeer vergiftet hat. Und schöner, als ein TÜV geprüftes Klettergerüst, ist der allemal.
Aber ja, als Hecken sind die absolut abscheulich und verkaufen sollte man die auch nicht weiter dürfen.
Und ja, Magnolien sind ökologisch unnütz, aber nicht invasiv, einfach nur schön und passen optisch gut in einen städtischen Pfarrgarten.

@sinnundverstand @InfNITSH

@Frau_Ilka @dasgrueneblatt @InfNITSH Man kann Kirschlorbeer verharmlosen oder sich über neue wissenschaftliche Erkenntnisse von Sommerflieder wundern - letztlich muss man selbst für sich entscheiden, wie man damit umgehen möchte. Das Artensterben ist real und beide Pflanzen spielen hierzulande eine unrühmliche Rolle darin. Eine gesetzliche Regelung wie in der Schweiz wird bei dieser Regierung nicht kommen. In unserer Gartenordnung iat immerhin der Anbau beider Pflanzen verboten.

@Frau_Ilka
🤔 Eine Möglichkeit wäre, alle Fruchtansätze vom Kirschlorbeer zu entfernen, bevor sie reif werden. Dann können sie keine Samen verbreiten. Das hab ich einen Sommer lang gemacht, bevor wir hier soweit waren. Blüte ja, Frucht nein. Ist aber sicher je nach Größe der Pflanze dann eher unmöglich. (Und hier bin ich mir schwer absurd vorgekommen, weil ja rundherum jede Menge Hecken voller Früchte gestanden sind.)

Ich hab noch nie einen kleinen, wilden Kirschlorbeer gesehen. Bei uns im Garten gehen zB kleine Eiben und Birken auf. Aber wie gesagt, rein von den Eigenschaften ist das ein stark verbreitungsfähiges Wesen!

Magnolien sind aber nicht invasiv, oder?

@sinnundverstand @InfNITSH

@dasgrueneblatt ach ja, falls das missverständlich rüberkam: das ist natürlich nicht mein Pfarrhaus, sondern das der hiesigen Kirchengemeinde. Ich persönlich habe keinen Kirschlorbeer im Garten. @sinnundverstand @InfNITSH
@dasgrueneblatt @sinnundverstand Moin, das war hilfreich. Danke für die Aufklärung. Unser Schnitt wird zwar nicht kompostiert, aber lange gelagert, bis er in die Biotonne fliegt. Ich probiere mal, oder der da noch wurzelt. Übersteigt meine Vorstellungskraft.
Früchte trägt unsere Sorte kaum.
Ich glaube, dass ist unsere einzige Sünde im Garten.