#Longthread Versuch mit https://splinter.hastily.cc/: Meine letzte Predigt zu 1. Mose 3,1-24 – gekürzte Fassung

Heute geht es um das Thema Versuchung. Was will mich von dem Weg abbringen, den Gott für mich vorgesehen hat? Wo werde ich manchmal schwach? Ich glaube jeder weiß da sofort etwas.
In der Fastenzeit, die am Mittwoch begonnen hat, kann man ja bewusst sieben Wochen ohne begehen. Wir tauschen uns erst einmal aus …
Bibeltext: 1. Mose 3,1-24

#FediKirche #Predigt (1/10)

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Liebe Gemeinde,
was für ein Text. Jeder hat diese Geschichte schon einmal gehört. Jeder hat diese Bilder schon einmal gesehen, wie die Schlange sich im Baum windet. Wie Adam und Eva nackt dastehen und sich schämen, nur bedeckt durch ein Feigenblatt.

(2/10)

1. Auf der Suche nach Erkenntnis
Es ist eine Ur-Geschichte der Bibel. Und was ist der Grund für die Vertreibung? Die Menschen sind auf der Suche nach Erkenntnis. Sie wollen wissen, was gut und böse ist. Ist das denn so falsch?
Adam und Eva haben sprechende Namen. Adam bedeutet Menschheit, Eva Leben. Eine Schlange die spricht? Diese Geschichte sagt etwas Grundlegendes über unsere Situation als Menschen vor Gott aus.
Es geht um das Sein-Wollen-wie-Gott, um den Ungehorsam gegenüber Gottes (3/10)
Geboten. Es geht auch um einen Erkenntnis-Fortschritt: Wir Menschen haben ein Gewissen, das uns sagt, was gut und böse ist.
Das Leben könnte so einfach sein ohne gut und böse. Eine Welt, in der alle Menschen liebevoll miteinander umgehen. Wo es kein Mobbing gibt, keinen Egoismus. Das klingt nach dem Reich Gottes.
Diese Geschichte sagt viel über uns Menschen heute aus: unter welchen Bedingungen wir leben, was die Versuchungen sind, denen wir uns stellen müssen. (4/10)
2. Wer ist schuld?
Wo kippt die Geschichte? Gott hat den Menschen ein tolles Leben ermöglicht und nur eine Grenze gesetzt. Dieser eine Baum ist tabu.
Die Schlange sät Zweifel. So viel Gutes ist möglich, aber das eine Verbotene lockt mehr als all das Erlaubte. Ist doch so. Die verbotene Frucht ist verlockend.
Und das Ergebnis: Adam und Eva merken, dass sie nackt sind und schämen sich voreinander. "Erkennen" ist im Hebräischen eine vornehme Umschreibung für den Geschlechtsverkehr. Deshalb (5/10)
hat unser Text durchaus auch etwas mit Sexualität zu tun und mit der Pubertät, in der man anfängt, einen eigenen moralischen Kompass zu entwickeln.
Das Leben wird kompliziert, wenn Eigenverantwortung ins Spiel kommt. Gott stellt seine Menschen zur Rede. Aber vor Gott kann man sich nicht verstecken. Wenn Gott ruft: „Wo bist du, Mensch", gibt es kein Entkommen.
Und dann wird die Schuldfrage unausweichlich. Der Klassiker: Immer der andere wars. Die Frau, die Schlange, die Verhältnisse. Wie (6/10)
wäre es, einfach mal zuzugeben: Ich habe das gemacht, es liegt in meiner Verantwortung. Aber das ist so unendlich schwer.
Der große Vertrauensbruch liegt im Misstrauen gegenüber Gott. Dass wir denken, selbst Bescheid zu wissen, unser Leben selbst in die Hand nehmen zu können. (7/10)
3. Ambivalenz des Lebens
Der Sündenfall hat Folgen. Die Schlange wird verflucht. Und die Menschen werden aus dem Paradies vertrieben.
Ja, das Leben ist nicht leicht. Die Mühe gehört zum Leben. Kinder kriegen und großziehen ist anstrengend. Erwerbsarbeit ist anstrengend. Wir leben in einer Welt, in der die einen die anderen ausbeuten und übervorteilen.
Spannenderweise bleibt eines erhalten: Die Sterblichkeit. Der Tod gehört zu Gottes guter Schöpfung. Es ist von Gott so vorgesehen, dass (8/10)
unser Leben endlich ist, bevor wir die Ewigkeit bei ihm verbringen. Wir sind aus Erdboden gemacht und kehren zur Erde zurück - "Erde zur Erde, Asche zur Asche, Staub zum Staube."
Was können wir mitnehmen in die Passionszeit?
Ich sehe vor allem Gott, der auf der Suche ist nach jedem von uns. Gott, der fragt: Wo bist du? Wo finde ich dein Herz? Welchen Versuchungen hast du nachgegeben?
Ich sehe mich auf der Flucht vor Verantwortung. Dabei wäre es schon mal ein Anfang zu sagen: Ich war es, (9/10)
es war meine Entscheidung. Und ich bin bereit, die Folgen meiner Schuld zu tragen und wieder gut zu machen.
Und ich sehe die Ambivalenz des Lebens, die normal ist. Die Mühe, die Erschöpfung. Aber auch die große Hoffnung, dass es nicht so sein muss. Dass es ein Paradies gibt, ein Reich Gottes, der Himmel, der uns bevorsteht. Ein Reich des Friedens, in dem Gott regiert und Menschen gut zueinander sind.
Was für eine Hoffnung, was für ein Gott! (10/10)

@ebinger

Die Schlange kennt die Wahrheit und schweigt nicht. Obwohl der Mensch und die Frau schuldunfähig sind, da sie zur Zeit der Tat nicht Gut und Böse erkennen konnten, werden sie bestraft.

Aus dem Paradies werden sie vertrieben, weil Gott fürchtet, dass sie vom Baum des Lebens essen – was nicht verboten war – und wie Götter werden.

Heute würde Gott wegen Fahrlässigkeit verurteilt, weil er den Baum schlecht gesichert hat. Zum Glück sind sie nicht, wie vorhergesagt, gestorben.

@byggvir da ist was dran. Man muss die Geschichte vom Ergebnis her verstehen, dann entgeht man solchen Aporien.

@ebinger

Man muss die Geschichte mit dem Wissen des Autors in seiner Zeit lesen. Was nicht ganz einfach ist. Bei Luther ist die Schlange »listiger« in der GNB »klüger« als andere Tiere. Wahrscheinlich ist »klüger« die bessere Übersetzung.

Ich habe Sympathie mit der Schlange. Sie weiß, dass Gott gelogen hat. Sie ist in einer ähnlichen Situation, wie eine gute Freundin, die weiß, dass der eigene Mann einen betrügt. Reden oder schweigen? Redet sie, zerstört sie eine Ehe.

@byggvir @ebinger Hat Gott gelogen? Der Mensch überschreitet die ihm gesetzten Grenzen und lernt dadurch nicht nur das Leben, sondern auch den Tod kennen. Gen 2,17 ist die Warnung davor, dass der Tod in die Welt kommt, und das ist auch passiert. Die Konsequenzen werden 3,19 betont.
»Spannenderweise bleibt eines erhalten: Die Sterblichkeit« Ist es nicht so gedacht, dass Sterblichkeit erst durch die Übertretung ins Spiel kommt, um dann am Ende - in Offb 21 - auch wieder genommen zu werden?

@luederkracke @ebinger

Der Mensch wurde sterblich geschaffen. Von Staub wird er wieder zu Staub.

Genesis 2, 17 ist nicht eine Warnung davor, dass der Tod in die Welt kommt. Der Tod ist schon da. Der Mensch muss an dem Tage sterben, an dem er davon isst. Was ganz offensichtlich nicht geschieht.

Wäre der Mensch unsterblich, bräuchte Gott in Genesis 3, 22 keine Angst zu haben, dass der Mensch vom Baum des Lebens isst und unsterblich wird.

Offenbarung 21 wurde Jahrhunderte später geschrieben.

@byggvir sehr schön erklärt, ich gehe voll mit. @luederkracke
@ebinger @byggvir Ich verstehe, dass man das so sehen kann und die Gedanken von Herrn Härle sind sicherlich anregend, aber ich kann leider nicht mitgehen:
Gen 3,14-15 sind eine Verfluchung und keine philosopische Betrachtung über die Seinsweise des Menschen. In diesem Kontext steht auch das Staubwort. Der Mensch hat seine Grenzen überschritten und den Tod gewählt. Erst d a n a c h wird 3,22 formuliert, als der Mensch das Leben bereits verspielt hatte. (1/n)
@ebinger @byggvir Daher lese ich 2,17 als Warnung, dieses Leben, was im Garten in Fülle da war, nicht zu verspielen.
Ferner: Natürlich ist Offb 21 Jahrhunderte später geschrieben und der Kanon noch später zusammengestellt. Aber auch in dieser Zusammenstellung (dem »Jetzttext«) mit dem Garten am Anfang und am Ende sehe ich einen tieferen Sinn. (2/x)

@luederkracke @ebinger

Insgesamt geht es doch am Ende darum, dass Gott nicht will, dass der Mensch nicht wie die Götter wird.

Dann sagte Gott: „Nun ist der Mensch wie einer von uns geworden und weiß, was gut und was schlecht ist. Es darf nicht sein, dass er auch noch vom Baum des Lebens isst. Sonst wird er ewig leben!“

Die Menschen sind beschränkt, weil Gott die Konkurrenz fürchtet. Die Ebenbildhaftigkeit in allen Punkten ist nicht gewollt.

@byggvir @luederkracke
Diese Interpretation ist ganz in meinem Sinne, allerdings denke ich nicht dass Gott Angst vor Konkurrenz durch Menschen hat, dass es sehr modern gedacht. Er schadet sich der Mensch wenn er sein will wie Gott

@ebinger @luederkracke

Diese Furcht gibt es auch beim Turmbau zu Babel. Gott fürchtet, dass die Menschen alles schaffen, wenn es ihnen gelingt, den Turm zu bauen. Um die Zusammenarbeit zu erschweren verwirrt er die Sprachen.

1. Mose 11, 6

Als er alles gesehen hatte, sagte er: »Wohin wird das noch führen? Sie sind ein einziges Volk und sprechen alle dieselbe Sprache. Wenn sie diesen Bau vollenden, wird ihnen nichts mehr unmöglich sein. Sie werden alles ausführen, was ihnen in den Sinn kommt.«