RE: https://social.heise.de/@heiseonline/116154952609576743

"Technische Schlupflöcher gefährden das Projekt"

Schau, das ist genau der Punkt. Es geht nicht im Jugendschutz, ging es nie. Es geht darum, alle Menschen im Internet jederzeit überall persönlich zu identifizieren.

Der "Jugendschutz" ist nur das Marketing dafür.

Technisch ist es so, daß wir unterscheiden zwischen

  • Identität: Dein behaupteter Name, genauer gesagt, Dein eindeutiger behaupteter Name. Also nicht Kristian Köhntopp, denn es könnte mehr als eine Person dieses Namens gehen, sondern Dein Principal, also der Identifier, der Dich im Kontext des Projektes (des "Namespace") eindeutig identifiziert, hier im Fediverse also @isotopp, im Kontext der EU also Deine Nationalität und die Personalausweisnummer.

  • Authentification: Der Beweis, daß die behauptete Identität real ist. Also etwa das Paßwort, mit dem sich Isotopp auf infosec.exchange anmeldet, oder der Schlüsselaustausch zwischen einer EUDI Wallet auf Deinem Telefon und der Gegenstelle.

  • Authorisation: Der Satz an Privilegien, der der bewiesenen Identität zugeordnet wird. Also die Tatsache, daß die reale Person Kristian Köhntopp, Träger der Kennung isotopp@... über 18 ist und daher dies und das darf, oder im Discord Moderator ist und daher was anderes darf und so weiter.

Wir diskutieren hier über Authorisation, "ist über 14, 16, 18 und darf daher Social Media", aber den Leuten, die diese Diskussion angezettelt haben, geht es um die identitäten.

@isotopp Ich dachte, die "Identität" sei in .de immer noch "(Geburts-)Name, Geburtsdatum, Geburtsort". Die müssen m.W. in der Kombination auch einzigartig sein. Der Personalausweis ist nur ein Pointer darauf.

@kamerakata da wäre ich mir nicht so sicher! Laut einer früheren Erhebung gibt es deutschlandweit etwa 50.000(!) "Thomas Müller". Mal davon abgesehen, dass es sicher auch nochmal jahreweise, tageweise und regionale Häufungen gibt, wären das umgerechnet auf Berlin etwa 2.400 Menschen, die auf den Namen "Thomas Müller" hören, das Jahr hat aber nur 365 Tage.

Es dürfte in Deutschland also Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen geben, die sich so nicht eindeutig identifizieren lassen.

@isotopp

@hannes99 Zum Einen enthält das Geburtsdatum ja noch ein Jahr. Zum Anderen gibt es die Möglichkeit weiterer Vornamen.

Ich habe versucht das zu Gugeln, finde aber nur eine private Seite, die behauptet: "Eine Person wird weltweit eindeutig durch die Angabe der Attribute Vorname, Nachname, Geburtsort und Geburtstag identifiziert. In Deutschland wird die Eindeutigkeit der Identifikation durch die Regularien der Standesämter garantiert."

https://norbert-pohlmann.com/glossar-cyber-sicherheit/identifikation/

@isotopp

Identifikation / Identitätsfeststellung - Glossar - Prof. Pohlmann

Identifikation / Identitätsfeststellung ist die Überprüfung eines kennzeichnenden Merkmals, z. B. des Nutzernamens oder der Identität.

Prof. Dr. Norbert Pohlmann
@kamerakata @isotopp stimmt, das Jahr hatte ich aus Versehen nicht berücksichtigt. Nimmt man die durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 80 Jahren an, ist das Faktor 80 zu deinen Gunsten. Und dennoch dürfte aufgrund der anderen genannten Faktoren, plus Wahrscheinlichkeitsverteilung meine Aussage richtig sein, dass sich vermutlich mehrere hunderte bis tausende Menschen in Deutschland nicht eindeutig allein über den Namen, das Geburtsdatum und den Ort identifizieren lassen.

@kamerakata @isotopp ChatGPT meint dazu:

Unter Berücksichtigung sehr häufiger Namenskombinationen wie „Thomas Müller“ oder „Michael Müller“ liegt die realistische Größenordnung wahrscheinlich im Bereich von:

etwa 1.000 bis 2.500 Personen in Deutschland

mit mindestens einem vollständigen Identitäts-Triplett (Name + exaktes Geburtsdatum + Geburtsort).

1/3

@kamerakata @isotopp

| Namensgruppe | Erwartete Personen mit Doppelung |
| --------------- | -------------------------------- |
| Top 10 Namen | 300–600 |
| Weitere häufige | 400–800 |
| Mittelhäufige | 200–500 |

2/3

@kamerakata @isotopp

Für Berlin (angenommen 25 in einem Jahrgang):

→ 25 / 365 ≈ 0,068 pro Tag

Poisson-Verteilung mit λ = 0,068 pro Tag, Wahrscheinlichkeit für mindestens 2 am gleichen Tag:

P(≥2) ≈ λ²/2 ≈ (0,068²)/2 ≈ 0,0023 pro Tag

Über 365 Tage:

365 × 0,0023 ≈ 0,84 erwartete Doppel-Tage

Das heißt:

👉 Allein in Berlin entsteht für einen einzelnen starken Jahrgang schon fast 1 Kollision.

Über 100 Jahrgänge:

≈ 84 Kollisionen

Nur für:

Einen häufigen Namen

Eine Großstadt

3/3

@kamerakata @isotopp

Das kann jetzt natürlich völlig falsch und nicht durch reale (unbekannte, da so nicht öffentlich zugängliche) Daten gedeckt sein, ist aber in etwa die Größenordnung an Dopplungen, die ich auch erwartet hätte (confirmation bias und so!)...

@hannes99 Das gilt aber ja nur bei Zufälligkeit. Wenn es tatsächlich so wäre, dass die Standesämter Eindeutigkeit erzwingen, wäre die Rechnung hinfällig.
ChatGPT sagt, dass das nicht so sei, einige wenige Webseiten behaupten, das es doch so sei.

@kamerakata

"dass die Standesämter Eindeutigkeit erzwingen, wäre die Rechnung hinfällig."

Okay, das wäre ein neuer Aspekt, von dem ich so aber auch noch nie gehört habe. Nur von generell nicht erlaubten Namenskombinationen.

Was wäre dann aber im Falle von (ja nach wie vor stattfindenden) Eingemeindungen?

@hannes99 Da kann ja als Geburtsort weiterhin die Gemeindegliederung zum Zeitpunkt der Geburt angegeben werden. Das macht die WP ja auch teilweise so. Das kam mir neulich z.B. bei diesem Herrn unter, der im heutigen Bielefeld geboren wurde: https://de.wikipedia.org/wiki/Hannes_Wader
Hannes Wader – Wikipedia

@kamerakata okay, dann dürften die Ausnahmen und damit noch verbleibenden Doppelungen wahrscheinlich an wenigen Händen abzählbar bleiben.
Die Schwester im Kreißsaal muss ja wohl nur den Wunschnamen in die Kreißsaal-API des Meldeamtes eintippen.
Dann sieht sie doch "Thomas Müller is aleeady in use for today in your city. Maybe consider a slighty less PEAK BORING name?"