Als ich den #Postillon-Artikel gesehen habe, dachte ich schon, dass er böse Diskussionen im #fediverse auslösen wird.

Trotzdem sind mehrere Dinge wahr.

Es gibt Menschen mit #Behinderung, für die abgepacktes, geschnittenes Obst und Gemüse die einzige Möglichkeit ist, frische Rohkost zu bekommen. (Ich bin dankbar & demütig, das Privileg zu haben, nicht darauf angewiesen zu sein.)

Die Supermärkte verkaufen es aber für Leute, die für ihre persönliche #Bequemlichkeit auf #Nachhaltigkeit pfeifen.

@alexanderondu
Gibt's einen Begriff für diesen umgedrehten Curb-Effekt?

@alexanderondu Ich wäre vorsichtig damit, 'gefühlte' Nachhaltigkeit mit tatsächlicher Nachhaltigkeit gleichzusetzen.

In der Theorie ist unverarbeitetes, unverpacktes Gemüse natürlich optimal. Aber die Lebenspraxis vieler Leute sieht anders aus (optimistisch einen Blumenkohl gekauft und dann nicht dazu gekommen, ihn zuzubereiten, bis er den Punkt 'Sieht nicht mehr gut aus' erreicht hat).

Es gibt Studien, die zeigen, dass solche semi-prepared foods Lebensmittelverschwendung extrem reduzieren* und damit kurioserweise in der Praxis womöglich nachhaltiger sind als unverarbeitete Lebensmittel (weil ein geschnittener, gewaschener und am Ende gegessener Blumenkohl nachhaltiger ist als ein unverarbeiteter, aber am Ende weggeschmissener Blumenkohl).

Und dann kommt noch der Punkt dazu, dass solche semi-prepared foods dazu führen können, dass Leute tatsächlich Gemüse essen (statt was anderes, das einen viel größeren Klima-Fußabdruck hat und die Leute auf lange Sicht eventuell krank macht, was auch wieder Kosten nach sich zieht).

Wenn man nicht von einer idealen Welt ausgeht, in der alle ihren Blumenkohl selbst verarbeiten und essen, bevor er vergammelt, sondern von der realen Welt mit hektischen Jobs und wenig Zeit und viel ungesünderen Optionen, dann ist die Rechnung, was nachhaltiger ist, nicht so schnell gemacht. Und da Bequemlichkeit keine moralische Verfehlung ist, werde ich niemanden dafür kritisieren, geschnittenes Gemüse zu kaufen und dann auch tatsächlich zu essen.

* https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022435925000934

@SaySimonSay

Guter Punkt, danke!

Einerseits hab ich im wesentlichen das kalte Grausen wegen der Unmengen an unnötigem Plastikmüll.

Andererseits bin ich ansonsten eigentlich ein großer Fan von Skaleneffekten durch Arbeitsteilung: Eine Fabrik, die 10.000 Blumenkohlköpfe verarbeitet ist normalerweise ressourcenschonender als 10.000 Haushalte, die je einen Blumenkohl verarbeiten. Also eigentlich widerspreche ich mir selbst und sollte das Thema eventuell ruhen lassen.

Danke für deinen Input!