Buchlieferung! Dann kann mein Grundstudium Polit-Thriller ja weitergehen.
Buchlieferung! Dann kann mein Grundstudium Polit-Thriller ja weitergehen.
Aber dass John Buchan den frühen Planet-der-Affen-Franchise nicht mag, ist traurig:
"Gegen sechs Uhr ging ich nach Hause, zog mich um, speiste im Café Royal und ging dann in ein Kabarett. Es war eine blöde Vorstellung, nichts als alberne Frauen und Männer mit Affengesichtern, und ich blieb nicht lange."
(Seite 9)
"Vermeide es, wirklich gute Schriftsteller zu lesen, wenn du selbst guten Schund schreiben willst. Das führt nur zu Depressionen."
Eine im Buchgeschäft kundige Freundin am Beginn seiner schriftstellerischen Karriere zu Eric Ambler
(Schwarz 2006, Seite 71)
Im Fantastikgenre wird ja immer gern kritisiert, dass die "großen Romane", die "Klassiker" oder was auch immer nicht mehr lieferbar sind und wie schlimm diese Ignoranz der Genreverlage ist.
Im Krimibereich ist das ganz ähnlich. Für mein kleines privates Polit-Thriller-Studium kaufe ich praktisch alles antiquarisch.
Im Lauf des Lebens fallen alte Sachen, die du als junger Mensch selbst noch gut fandest, halt weiter zurück in die Vergangenheit. Das ist alles. 🤠
Und weiter geht's mit dem kleinen privaten Polit-Thriller-Studium: Eric Ambler, 1938.
"Das Buch ist der heiterste Thriller, den Ambler je verfaßte, und dies vielleicht deshalb, weil hier eigene Erinnerungen an ein gemütliches kleines Hotel an der französischen Riviera eingeflossen sind, das Ambler damals entdeckt hat."
Hans-Peter Schwarz
Das hat mich natürlich angesprochen. Beachtet das Veröffentlichungsdatum: unmittelbare Vorkriegszeit!
Ja, Eric Ambler ist der erste Autor aus meiner kleinen Selbsteinführung in den Polit-Thriller des 20. Jahrhunderts, von dem ich mir vorstellen kann, dass ich noch einen weiteren seiner Romane werde lesen wollen. DIE STUNDE DES SPIONS ist sehr ausgebufft erzählt, eindrücklich, lebendig, lustig, spannend und bedrückend, und ich glaube, dieses Buch von 1938 ist auch historisch spannend als Zeitzeugnis des faschistischer werdenden Europas vor dem Zweiten Weltkrieg. Feine Sache.
Mit #GrahamGreene (1904-1991) kommt der erste Klassiker in meiner Erkundung des Polit-Thrillers, von dem ich schon einige Bücher mit Vergnügen gelesen habe.
Greene ist auch ein besonderer Fall, weil er aus einer Familie von (teils sogar Doppel-)Spionen stammt und als "Linker Großschriftsteller" (Schwarz) selbst für die Krone Geheimdiensttätigkeiten ausgeübt hat - gegen ein hübsches Zubrot, versteht sich.
Ich bin mal gespannt, welchen Roman ich aus Schwarz' Portrait als grundlegend herausziehe.
"Man stelle sich vor, irgendwann würde bekannt, daß beispielsweise Heinrich Böll oder Günter Grass dem Bundesnachrichtendienst jahrzehntelang über vertrauliche Gespräche mit Ausländern berichtet oder Agenten rekrutiert hätten und als Kontaktleute zu Auslandsagenten tätig gewesen wären - das alles, wohlgemerkt, gegen eine recht anständige Honorierung aus dem Spesenkonto des Geheimdienstes!"
Hans-Peter Schwarz
mit einem hübschen Vergleich zur Würdigung von Graham Greenes zweiter Karriere 🕵️
(94)
Ah, im Greene-Portrait klärt sich auch der Titel von Schwarz' Historie des Polit-Thrillers:
"Die Wirklichkeit ist nicht nur viel phantastischer, als wir denken, sie ist auch viel phantastischer, als wir sie uns vorstellen können."
Gerhard Wessel, langjähriger Präsident des BND zum Fall des Doppelagenten Kim Philby (mit dem Greene befreundet gewesen ist)
Ein hübsches Zitat, das vielleicht auch unserem Großraum-Phantasten @molosovsky gefällt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kim_Philby
(Seite 104)
Ansonsten habe ich beschlossen, Graham Greene zu überspringen. Schließlich kenne ich einschlägige Titel wie UNSER MANN IN HAVANNA und DER STILLE AMERIKANER schon gut, und Schwarz hebt auf genau die ab.
Habe mir also lieber gleich einen Roman von Helen MacInnes (1907-1985) bestellt, der Margaret Thatcher unter den Polit-Thriller-Autor*innen. 😬
Der liberalkonservative Literaturhistoriker schreibt, Helen MacInnes wäre die Margaret Thatcher unter den Polit-Thriller-Autor*innen, also besorge ich mir eine Ausgabe ausgerechnet von der Büchergilde Gutenberg, das ist so meine Art von Humor, seine vermutlich auch. 😏
Stand Seite 34
Leicht: sehr konkret und nah am Erleben der Figuren erzählt, guter Flow
Schwierig: die Erzählperspektive Altnazi. So nahe möchte ich da nicht ran. Und du kannst eigentlich nur scheitern; entweder wird es abstoßend, oder deine Faszination scheint auf, dann wird es halt ungewollt abstoßend.
Abt. Da lacht der Frank
"Er legte die Beine auf sein mit schwarzem Leder bezogenes Sofa und schlug das Buch auf, in dem er gerade las - ein neuer Roman über die Arbeit des britischen Geheimdienstes in Berlin, in dem der Held sich selbst der gefährlichste Gegner war; alle waren so müde und alt und zynisch, das ganze ergab nicht viel Sinn, eine Messe ohne Amen [...]"
Helen MacInnes
Kleine Randnotiz über einen jüngeren, 1968 schwer angesagten Kollegen 😏
(Seite 176)
Erster Abbruch in Sachen Geschichte des Polit-Thrillers. Keine siebzig Seiten vorm Ende interessiert mich nichts bei MacInnes mehr.
Vielleicht liegt es an ihren, wie Schwarz schreibt, "nicht ganz erstklassigen Thriller[n]". Ich glaube aber, dass sie für mich falsche Entscheidungen fällt. Sie lässt uns an den Gedanken der meisten Figuren der Handlung teilnehmen, gern auch während ganzer Dialoge zwischen drei Figuren. Ja, sorry, aber ich merke mir jetzt nicht, wer was gesagt und was gedacht hat--
--Der Roman verschwimmt in weiten Passagen zu einem befremdlichen Fasel-Chor; das Stimmengewirr hat etwas dysfunktional Objektives, Technisches, eine Breitband-Froschperspektive, die zur Draufsicht verarmt.
Das ist schade, weil MacInnes' Beitrag zur Geschichte des Polit-Thriller doch eigentlich "von dem typisch deutschen Irrtum [heilt], das Jahr 1945 sei weltweit die große Zäsur gewesen" (Schwarz).
Aber was willste machen. Ich lese ja hier zum Spaß. 🤠
@frankboehmert »eine Breitband-Froschperspektive, die zur Draufsicht verarmt.«
Lass Dich knutschen, Du Wortkünstkler, Du!
@molosovsky Danke, lol.
Es war gar nicht so einfach, mir darüber klar zu werden, was annähernd mich stört.
Das ist auch der Grund, wieso ich so lange durchgehalten habe mit der Lektüre - ich wollte das begreifen.
@frankboehmert Mitbekommen, dass der Sohn von Le Carré, Nick Harkaway sich traut im Namen seines Vaters Fortsetzubgen zu bieten.

@raskolnik Ja, klar. Hier ist es halt hübsch, weil von einem "Praktiker" auf die "politsche Wirklichkeit" oder die "gesellschaftlichen Realitäten" bezogen oder wie immer wir das nennen wollen. Jedenfalls geht es da immer um das "realistisch sein" gegen die "naiven Idealisten", und da finde ich ein solches Phantastik-Eingeständnis in einem Moment der Schwäche doch sehr schön und erfreulich.
@frankboehmert @raskolnik Jupp, genau. Die Sensibilität für GroßraumPhantastik ist weit verbreitet … aber offenes Reden darüber gilt bei ›uns‹ als unsittlich.
Ein Klassiker bei mir. Diese Denkfigur ist eigentlich gute alte Gnostik: selbst WENN hie und da bei Einzelnen die Phantasie und Ekstase (oder wie sich datt alles nennt) hinreicht, einen ›wahren‹ (genauen) Blick auf die Natur des Kosmos zu erhaschen, spätestens unsere Fähigkeiten, das in (klare) Sprache zu fassen sind dann für die Füße.
@frankboehmert Kann mich noch an den Skandal erinnern, als rauskam, dass Eric Blair/George Orwell als Informant dem Britischen Geheimdienst was über andere Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten ect verzapft hat.
Halte ja diesbezügliche Empörungen für a bissi naiv, aber auch verständlich/sympathisch.
Siehe derzeitige Argumente unseres Verfassungsschutzes, dass AffEffTee-Verbot doof wäre für die harte Arbeit der dort eingeschleusten V-Leuz. *Bitterer Seufzer*