ich bin btw noch auf instagram und sehe dort immer wieder coole reels und was ich mache, ist, dass ich alle guten linken reels in die timelines meiner normie friends pushe.

damit versuche ich nicht nur meine normie friends zu polititisieren, sondern vor allem ihren „for you“-algo, was passiert, wenn sie drauf klicken und sich interessieren.

all i do there is propaganda. stellt euch vor, das würdet ihr alle machen? koordiniert. millionen schieben eine stunde propaganda dienst pro tag.

hintergrund: short form video ist derzeit aus gutem grund die heiße front im politischen vorfelddiskurs. sie sind schnell, reichweitenstark, leicht konsumierbar, memetisch, emotionalisierend und mitterweile echt gut darin, konplexe narrative runterzubrechen.

die algos gehören den oligarchen, aber man kann sie gamen. klar, das ist vllt temporär und wenn das erfolgreich wäre, würde zuckerberg den hahn zudrehen, aber so ist das ja immer: katz und maus und so.

worauf ich hinaus will: wir sind nur deswegen so unterlegen, weil wir uns in einen toxischen individualismus reinmanövriert haben.

die meisten von euch wären „zu cool“ um an einer koordinierten trommelaktion mitzumachen.

die rechten scheißen drauf. so halten sie den bitcoin preis oben. durch stumpides und kollektives trommeln ihrer dummen narrative.

die linke hat die besseren narrative, aber ist zu cool zum trommeln.

was stattdessen unter linken als cool gilt und belohnt wird:

„hey schaut, ich habe eine neue art gefunden, mich von anderen linken abzugrenzen und sie alle doof zu finden, obwohl ich 90 % die gleichen dinge will.“

worauf ich auch hinaus will: instagram ist zumindest bei mir gerade der einzig sinnvolle mediale pfad, den ich bespielen kann, der ein bisschen aus meiner bubble und vor allem der bubble der bereits bekehrten rausführt und neue leute erreicht.

man sitzt immer in seiner eigenen perspektive und glaubt, dass alle wissen, was man selbst weiß (oft bereits 5 minuten, nachdem man sich das angelesen hat) aber das ist nicht so.

mediale öffentlichkeiten sind fragmentiert. du sitzt auf wichtigem wissen.

social media – auch mastodon – macht es leicht, zu glauben, alle wüssten dasselbe, weil wir uns hier entlang unserer interessen vernetzen und so kommt es dir so vor, als hinkst du ständig dem wissen hinterher, was aber nur in den spezialisierten kreisen gilt, in denen du liest. aber du lebst in einer bubble. wie alle anderen auch.

wenn die linke ihre kommunikation stratgischer aufstellen will, muss sie lernen, pfade — am besten 8 spurige autobahnen – zwischen den bubbles zu bauen.

viele leute haben einfach deswegen keine "linke interpretation" der welt, weil ihnen der zugang zu linken deutungsangeboten fehlt, oder weil ihnen das semantische rüstzeug fehlt, bestimmten linken diskursen, die für sie relevant sind, zu folgen.

wenn man also leute an board holen will, muss man "onramps" schaffen. und dafür muss man sich hineinversetzen in andere bubbles und sich fragen: wie kann ich von dort zu meiner position einen pfad finden? technisch medial – aber auch semantisch.

*räusper* [opa erzählt vom krieg]

damals, als das anfing mit dem "internetaktivismus" war die allgemeine erfahrung, dass man durch das netz koordiniert überproportionalen impact auf politsche diskurse haben kann. bis ca. 2013 oder so punchten ein paar tausend clicktivisten weit oberhalb ihrer gewichtsklasse.

aber wie das so ist: die strategien wurden überleveraged und als sie nicht mehr gut funktionieren als "clicktivism" eingemottet.

ironischer weise genau dann, als das internet zum massenphänomen wurde. aber die – wie wir sie damals nannten – "internet gemeinde" wurde von der auf plattformen entstehenden "internet culture" in reichweite und relevanz schnell überholt.

und das zepter für internet savy kommunikation ging von den linken zu den rechten über, die weniger berührungsängste mit populismus hatten, (außerdem oligarchengeld und infrastruktur) und das feld der netzkommunikationstrategien immer tiefer auslotete.

wie ich neulich im newsletter schrieb: man kann die ganze geschichte des 21. jahrhunderts als die entdeckung und gezielte kapitalistische und politisch-strategische urbarmachtung von netzwerkeffekten erzählen.

das kann man direkt in der geschichte der plattformen nachvollziehen, wie ich es getan habe. man kann es aber auch in den epstein files nachlesen. woran epstein, sean parker, zuckerberg, hoffman und peter thiel arbeiteten und teils auch reflektivtieren, ist strategisches netzwerkdenken.

teils sehr explizit mathematisch, aber oft auch einfach im umgang mit vernetzten communities.

epstein optimierte seine soziale katzzentralität, genau wie google ihre suchergebnisse. steve bannon, bevor er breitbarchefredakteur wurde, leitete eine firma für spielerforen communities. sean parker brachte seine napstererfahrungen nach facebook. zuckerberg imaginierte sich als römischer feldherr über den social graph. von peter thiels "zero to one" leite ich mein verständnis von "graphnahme" ab.

was ich sagen will: netzwerkeffekte sind real, sie haben – wie ich sage – eine bestimmte art von "materialität" – relationale materialität – und wer in dem sich ständig wandelnden, aber doch vernetzten technologiezoo in dem wir heute nun mal leben, noch irgendwas erreichen will, muss sie bei allem mitdenken, entlang ihrer wirkungsweisen planen und sie nach möglichkeit für die eigenen ziele leveragen.

die rechten haben viel vorgearbeitet. es wird zeit, ihnen ein paar tricks abzuschauen

leider ist das wissen bei linken nicht gewollt.

jedenfalls werden meine vorträge ständig abgelehnt.

aber vermutlich wissen die bereits alles nötige?

@mspro "dass man durch das netz koordiniert überproportionalen impact auf politsche diskurse haben kann"

Meine Überlegung: Das ist doch schon noch immer so. Nur machen das halt andere Strömungen auch, v.a. Russland/AFD haben das ja aufgenommen und können es - dank mangelnden Gewissens - ja mittlerweile auch industriell und besser - und dadurch ergibt sich ein anderes Gleichgewicht, das in Summe den Diskurs nach Rechts verschiebt.