Obendrauf steht Jugendschutz, aber real geht es darum Ausweispflicht für alle Webseiten einzuführen.

Einmal weil das bequem für eine kommende faschistische Regierung ist, und andererseits weil Einwilligungen zur Datenverarbeitung im Plattformkapitalismus so rechtlich bindende Verträge sind und das Geschäftsmodell von Facebook so Bestand haben kann. Das ist ihnen ja neulich in der EU weg geklagt worden.

Aber denkt vor allen Dingen an die Kinder.

Wir kommen seit dreißig Jahren ohne Ausweis und großartigen Jugendschutz im Internet hin. Wir werden das auch weiter tun, wenn wir Plattformen ihre algorithmischen Dark Patterns weg regulieren. Niemand außer Facebook braucht EUID Wallet dringend, und bei denen geht's nicht um Jugendschutz, sondern um Eure Erlaubnis zum Ausspionieren.

https://www.heise.de/news/SPD-will-Social-Media-Verbot-fuer-Kinder-unter-14-11177275.html

SPD will Social-Media-Verbot für Kinder unter 14

Die SPD fordert ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren. Eine Altersverifikation mittels „EUDI-Wallet“ soll dies ermöglichen.

heise online
@isotopp
Schöner Nebeneffekt (schön für Big Tech): Wenn Ausweispflicht (aka "Jugendschutz") kleine aufmüpfige Konkurrenz (z.B. dem Fediverse) auch Pflicht wird, schmeißt das denen hervorragend ein paar Steine in den Weg.

@unixwitch
Ich muss jedoch zugeben, dass ich mir dennoch einige Gedanken mache: sind wir hier (im Fedi) auch auf einen etwaigen Zustrom jüngerer Menschen (z.B. SchülerInnen/Schulklassen) vorbereitet?
Eher klein & noch nischig zu sein, entbindet ja nicht von Verantwortung...
Und wieviele Eltern würden einfach stellvertretend ihren Ausweis zücken, um ein "Weiter"-Spielen ihrer Kinder zu ermöglichen (bspw. in Roblox, da sonst anteilig keine Chatfunktion mehr)?

@isotopp

@Regez @unixwitch

Du mußt Kinder nicht verhätscheln oder anders behandeln als Du jeden anderen Menschen behandeln würdest.

Insbesondere mußt Du sie nicht identifizieren oder Content vor ihnen verstecken.

Wenn Kinder etwas sehen, daß sie nicht verstehen, dann fragen sie Dich oder sie ignorieren es. Wenn Kinder etwas sehen, was sie verstört, dann fragen sie Dich.

Was sie dann brauchen ist Erklärung und Tooling. Also: "Es gibt in der großen weiten Welt Dinge, die Du noch nicht verstehst und auch Dinge, die Du nicht sehen willst oder nie sehen willst. Hier ist wie Du wählen kannst." und "Es gibt da draußen Leute, die dies oder das machen. Das ist (okay, nicht okay), weil ..., aber auf jeden Fall kannst Du ... und dann siehst Du es nicht." Oder "Das ist illegal, und so zeigen wir das an."

Das funktioniert (*1).

*1: n=1, jetzt 15, mehrere angezeigte Scammer und die niederländischen Polizeireports um das zu beweisen.

@isotopp
Preisfrage: wieviel hast Du mit Deinen Eltern tatsächlich im Bedarfsfall "angesprochen"? Und auch im Kontext einer sonst vertrauensvollen Bindung, Beziehung? (Ich selbst hab damals auch mehr innerhalb der Peergroup erzählt)
Es geht mir auch nicht um "verhätscheln" - ich blicke als Mutter eines 11-Jährigen auf das Thema - und bin genauso wenig von den aktuellen Vorschlägen begeistert...

@unixwitch

@Regez @unixwitch

Mein Kind ist jetzt 15, fast 16, und wir haben nie irgendwelchen Kram zurück gehalten oder Filter installiert.

Wir haben ihm außerdem beigebracht zu lügen, was sein Alter angeht (also 1990 oder 2000 statt 2010 anzugeben), seinen Youtube Account von seinem normal GMail Account zu trennen und sich auch sonst nach Bedarf Sockenpuppen zu machen (das war so circa als er 8 war).

Ich habe das vor 6 Jahren mal aufgeschrieben.

https://blog.koehntopp.info/2020/01/28/mein-sohn-sitzt-vor-dem-computer/

https://blog.koehntopp.info/2022/12/30/was-mein-kind-in-der-schule-so-macht/

Das Kind ist jetzt 15, fast 16.

Er hat ein Handy ohne SIM seit er 4 ist. Er hat ein Handy mit SIM seit er 7 ist und unter Aufsicht (ab 8: Ohne Aufsicht) vom Dorf nach Amsterdam zum Chor und zurück fährt (Bus -> Bahn -> Tram und zurück). Er hat einen Minecraft-Youtube-Channel seit er 10 ist (Ja, wir haben die Videos angesehen bevor er sie posten durfte).

Inzwischen führt er einen Discord mit 1200+ Menschen, die dort und in seinem Minecraft-Server spielen, streiten, einander bekriegen und voneinander lernen. Er spricht Deutsch, Niederländisch und English und lernt Französich und Russisch (das letzter aus Langeweile selbst angefangen).

Er hat einige Java Entwickler ausgebildet und leitet das Entwicklungsteam für den gemeinsamen Server. Ich habe ihm einen 12 Core/128 GB/SSD Dedi bei Hetzner gemietet, der die Minecraft-Instanzen hosted. Er wartet den selbst.

Er hat sich durch Minecraft diverse Programmiersprachen (Python, Java, Go, Javascript und Typescript) angeeignet, lineare Algebra und 3D-Projektion gelernt, Teamführung, Streit schlichten und Projektorganisation gelernt, und einen Haufen über Linux, Browser, Frontend und Backend gelernt.

Selbstständig.

Der Schlüssel ist bedingungsloses Vertrauen in das Kind und dastehen und helfen, wenn er sich irgendwo den Hammer auf die Hand ballert, was er unweigerlich tun wird.

Mein Sohn sitzt vor dem Computer | Die wunderbare Welt von Isotopp

Kris Köhntopp's blog (Fedi: @isotoppinfosec.exchange)

Die wunderbare Welt von Isotopp
@isotopp ich hab den Post damals gelesen und glaube ich nix dazu geschrieben. Heute mach ich's. Toll! Ich versuche das ähnlich hinzubekommen (mit n=2 und mittlerweile in Summe 32 Jahren Erfahrung). Klingt bei mir nur halb so gut. Falls du mal irgendwann Zweifel haben solltest, lass dir von dem Typen aus dem Internetz sagen, du machst das toll. Das war alles.