Hier ein paar Gedanken nach meiner USA-Reise.

Vorab: Mit vielen Akteuren wurde Vertraulichkeit vereinbart. Außerdem haben mein Mann und ich hier jeweils Familie. Es bleibt also einiges vage, und ich werde evtl. Nachfragen nicht beantworten. #longthread #thread
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Europa und die USA sind Teil desselben Kulturraums; sie teilen eine gemeinsame Ideengeschichte. Sie sind ethnisch eng verbunden und kulturell verwoben. Die gegenseitige Integration geht tief. Europa und die USA verbindet eine liaison exceptionnelle. In vielem sehen wir im jeweiligen Gegenüber das bessere Selbst. Die USA lieben Kultur und savoir vivre Europas, und Europa liebt die trailblazing USA unserer Frontier-Erzählungen.
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@AwetTesfaiesus

Ich weiß noch, wie ich in jüngeren Jahren davon ausging, daß Deutschland und die USA eine sehr ähnliche Kultur haben.

Da war dann der Kulturschock im Jahr 2008 während eine zweimonatigen USA-Aufenthalts um so größer.

@juergen_hubert haben sie

@AwetTesfaiesus

Desto mehr ich über die USA lerne, desto mehr zweifele ich daran. Klar, die USA sind von Nachfahren europäischer Einwanerer dominiert - aber die Kulturen haben sich in den letzten Jahrhunderten sehr stark auseinanderentwickelt.

Ich war damals für zwei Monate in Columbus, Ohio. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich schon verschiedenste europäische Länder kennengelernt. Aber ich war noch nie in einer Stadt, wo es Grundvoraussetzung für die Teilnahme am öffentlichen Leben war, daß man ein Auto hat.

Ich selber hatte nie ein Auto, und bin bis dahin immer gut mit Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln, und zu Fuß zurecht gekommen. Aber diese Alternativen waren dort entweder stiefmütterlich behandelt (öffentliche Verkehrsmittel), oder schlicht nicht vorgesehen (Fahrrad und zu Fuß). Innerhalb meines Wohnviertels gab es zwar noch Bürgersteige, aber dieses Wohnviertel war vollkommen von Verkehrsstraßen umgeben, welche keine Möglichkeit für die Teilnahme von Fußgängern oder Radfahrern vorsahen.

Diese vollkommen andere Konzeption von öffentlichen Raum - und was nötig ist, um daran teilzunehmen - war für mich sehr, sehr fremdartig.

@juergen_hubert @AwetTesfaiesus

In meinen Augen sind die USA die missglückte Synthese aus den Grundgedanken der französischen Revolution und einer regellosen Form des Kapitalismus, plus der zwanghaften imperialistischen Landnahme (Frontier) sowie religiösem Sektierertum. Die Konsequenzen dieser kruden Mischung werden immer deutlicher. Ich sehe da keine großen kulturellen Gemeinsamkeiten mit Europa mehr und denke, wir werden möglicherweise noch den Zerfall der USA erleben.

@qwertzalotl @juergen_hubert @AwetTesfaiesus
Gerade aus Deutschland mit anklagendem Finger auf die USA zu zeigen hat für mich ein Geschmäckle. Viele freiheitliche Impulse mit denen man es tun könnte, hat man ja erst von dort reimportieren und neu erlernen müssen, nachdem man sie aus Deutschland u.a. dorthin ins Exil vertrieben hatte.

Viele der uns abstoßenden religiösen und politischen Strömungen dort lassen sich auf deutsche Wurzeln zurück führen.

@qwertzalotl @juergen_hubert @AwetTesfaiesus

Ich meine, natürlich muss man kritisieren und anklagen, wo die Anlässe es gebieten.
Aber dabei eine prinzipielle Kulturschine zu fahren ist in meinen Augen zu pauschal und lenkt von den Anlässen ab.

@Nowhereman @qwertzalotl @AwetTesfaiesus

"Viele der uns abstoßenden religiösen und politischen Strömungen dort lassen sich auf deutsche Wurzeln zurück führen."

Zum Beispiel?

@juergen_hubert @Nowhereman @qwertzalotl

Ich finde, ihr führt Her hier einen absolut fruchtlosen Diskurs.

@AwetTesfaiesus @juergen_hubert @qwertzalotl
Ja tatsächlich wollte ich darauf hinaus, und habe das Gegenteil mit leichtfertigen Gegenthesen bewirkt.
🫣
@qwertzalotl @juergen_hubert aber American Revolution ist aber schon 20 Jahre älter als die Französische. Also: eher andersherum?

@AwetTesfaiesus @juergen_hubert

Ich ändere das um in Ideen der Aufklärung, einverstanden? Ausgegangen ist das mM von Europa, nicht von Amerika.