In Deutschland gilt das Wasserhaushaltsgesetz und die Oberflächengewässerverordnung.

Ein Kraftwerk, das Kühlwasser in einen Fluß ausschüttet, ist auf 28ºC Flußwassertemperatur begrenzt (teilweise 25ºC), und auf eine maximale Erhöhung der Temperatur von 3º, kurzzeitig maximal und nur unter bestimmten Bedingungen 5º.

In Frankreich ist man ein wenig großzügiger beim Maximum, teilweise geht das bis 30ºC, aber die maximale Erwärmung ist stärker reglementiert, 1-3º, je nach Wassermenge. Das wiederum wird aufgeweicht bei Dürre, ausgerechnet, um die Stromversorgung des Landes sicherzustellen.

Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff, Fische sterben, Laichzyklen werden unterbrochen und es kommt zu Algenblüten, die beim Absterben dem Wasser noch mehr Sauerstoff entziehen. Ein warmer Fluß ist ein toter Fluß.

Ein AKW hat, wie jede Dampfmaschine, einen Wirkungsgrad von etwa 1/3, neue Designs marginal mehr – bis 38%. Wenn wir also einen Kraftwerksblock mit einer elektrischen Leistung von 1 GW hinstellen, dann müssen wir 2 GW weg kühlen.

Wenn ich das Abwasser also um 3º anwärmen darf, und ich 2 GW Wärmeleistung weg kühlen darf, dann brauche ich einen Wasserstrom von 159 m3 pro Sekunde. (2 Gigajoule/s und 4.18 kJ pro kg und Grad). Bei einem Limit von 1º sind es 478 m3/s.

Man kann sich als Faustregel merken, daß man ca. 500 m3/s Kühlwasser braucht pro 1 GW elektisch = 2 GW Abwärme, und das Wasser wird dann um ein Grad wärmer.

Der Rhein hat bei Karlsruhe ca. 1000-1200 m3/s bei normalem Wasserstand, bei Dürre sehr viel weniger. Die Loire im Sommer 200-400 m3/s. Der Neckar normal ca. 150 m3/s, die Isar 170 m3/s.

Also, falls jemand einen noch nicht existierenden Gigawatt-Fusionsreaktor irgendwo hin fantasieren möchte in der Klimakrise mit Sommerdürre: Geht mal Kühlwasser suchen.

Windkraftanlagen und Solarpanels machen Strom ohne Kühlung oder Kühlen sogar (den Boden unter Agri-PV), und sie machen die kWh zu weniger Kosten.

Ich weiß nicht, wo deutsche Politiker Physikunterricht gehabt haben. Die Grundlagen für so eine Rechnung kommen in Deutschland sehr früh an die Reihe, in der Sekundarstufe I (Klasse 7/8), also etwa Alter 12-14 Jahre: Temperatur und Wärme, spezifische Wärme, Erwärmen und Abkühlen von Wasser.

Kreisprozesse, Dampfmaschinen und Carnot-Wirkungsgrad kommen später, zum Teil erst in der Oberstufe, aber da dann auch in Grundkursen. Wer Physik abgibt, kriegt den Stoff trotzdem – in Chemie.

Die Mathemathik daran ist Multiplikation und Division, keine Differential- und Integralrechnung. Das kann man schaffen. Sogar trotz Jurastudium.

@isotopp
Fusionskraftwerk
a) Kühlkonzept offen
• Durchlaufkühlung im Fluss → eher unwahrscheinlich
• Meerwasserkühlung → wahrscheinlich
• Hochtemperaturprozesse (Brayton-Zyklen) → geplant
b) Potenziell höherer Wirkungsgrad
• Fusion → sehr hohe Primärtemperaturen
• Realistisch langfristig:
• 40–45 %, evtl. mehr
• → weniger Abwärme pro kWh
c) Standortwahl
• Kein Mensch plant einen Gigawatt-Fusionsreaktor am Neckar
• Erwartet:
• Küste
• Meer
• industrielle Wärmesenken

@bluesky66

Das Problem ist nur:

a) und b) sind halt Wolkenkuckucksheime solange wir überhaupt keinen funktionierenden Fusionsreaktor haben

c) an welcher Küste steht dann der bayrische Fusionsreaktor?

@isotopp

@echopapa

Meerwasser enthält Salz. Eine ziemlich doofe Sache für Kühlsysteme. Zudem bewegt sich Meerwasser nicht wie Flusswasser. Du hast dann eine lokale Erwärmung, die Umwälzung ist faktisch nicht zu realisieren.

Für Deutschland eignet sich weder die Ostsee noch die Nordsee. Die Ostsee ist sowieso schon sehr warm. Aus der Nordsee musst du von weit her das Wasser holen und an anderer Stelle rauspumpen. Das Problem ist die Menge an Wasser die du umwälzen musst. 🤷

@bluesky66 @isotopp

@beandev @bluesky66 @isotopp

man kriegt es schon hin - gibt ja ne ganze Reihe KKW direkt am Meer - aber ja, macht alles extra Aufwand, der auch in die Rentabilitätsrechnung reingeht.

Und nachdem manche KKW-Fans von 60 bis 80 Jahren Laufzeit träumen: Anstieg vom Meeresspiegel schon mit reingerechnet, wenn wir weitermachen wie gehabt?

@echopapa Als Kind hatte ich ein Buch über kommenden Technologien. U.a. waren da "im Meer schwimmende Atomkraftwerke" drinnen, was deren Kühlungsproblem lösen würde. Das hat sich so nicht durchgesetzt 🙂.

Ich habe https://blog.literarily-starved.com/2026/01/technology-framework-for-evaluating-new-technologies/ nicht ohne Grund geschrieben ...

@beandev @bluesky66 @isotopp

Technology: Framework for Evaluating 'New' Technologies

I notice in a lot of discussions that I need to write down how I proceed when something new or revolutionary is announced in the press or the internet. So here it comes….

Literarily Starved

@masek @beandev @bluesky66 @isotopp

bis auf Flugzeugträger, manche U-Boote und russische Eisbrecher und aktuell ein russisches Kraftwerk:

https://de.wikipedia.org/wiki/Russisches_schwimmendes_Kernkraftwerk

https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Akademik_Lomonossow

Aber mit 70MW elektrischer Leistung nicht gerade die Lösung für ganze Länder und Kontinente.

Und wie üblich bei neueren Entwicklungen::

"Die Baukosten wurden anfänglich auf umgerechnet etwa 270 Millionen Euro (9,1 Mrd. Rubel) geschätzt, gegen Ende zeigten sich Gesamtkosten von 37 Mrd. Rubel – genannt wurden auch 480 Mio. USD. Zwischenzeitlich war die Petersburger Werft von einem Bankrott bedroht, der aber folgenlos blieb und die Arbeiten konnten weitergehen"

Russisches schwimmendes Kernkraftwerk – Wikipedia

@echopapa Mundgeklöppelte Einzelstücke ...

@masek Die Reaktoren in den U-Booten sind eigentlich schon SMRs:

small modular reactors

Insofern sind die ganzen Debatten und Bohei um SMRs eigentlich Quatsch, weil die Antworten schon lang auf demTisch liegen. Aber so kann man halt ordentlich VC abziehen.

Wirtschaftlich "rentabel" sind die Dinger halt nur unter ganz bestimmten Aspekten, und die sehe ich in der kommerziellen Stromerzeugung wirklich nicht gegeben was den Großteil der Welt betrifft.