Nett gemeint, aber nicht gut durchdacht? Frau Stoff-Ahnis hat ja durchaus Recht damit, dass als gesetzlich versicherte Person einen Arzttermin zu finden eine ziemliche Katastrophe ist. Ob ihr Vorschlag das löst? Ich denke nicht. Ich denke sogar, dass der gleich in mehrfacher Hinsicht problematisch ist.

(2) Fangen wir mal mit dem Terminproblem an. Warum gibt es zu wenig Termine? Weil Praxen sich nur in Mischkalkulation tragen und dass dazu führt das Privatpatientebn bevorzugt werden. Das ist sicherlich ein strukturelles, kein Digitalisierungsproblem.

Löst Zentralisierung das? Wohl kaum. Ärtzeportale im Internet gibt’s schon. Kann man da bei allen Ärzten digital buchen? Nein, weil wir noch ziemlich viele Praxen haben, die das Thema nicht anfassen.

(3) Grund dafür ist nicht selten die schlechte Erfahrung mit den (bei eingehender Betrachtung vielleicht nicht immer optimalen) mitunter recht kostspieligen Zwangsdigitalisierungsmassnahmen im Gesundheitsbereich. Wird eine weitere Zwangsmaßnahme das beheben? Wohl nicht.

Richtig lustig wird die Geschichte jetzt mit der digitalen Erstvorstellung. Mal abseits davon, dass wir damit aus einem eigentlich administrativen Prozess (ich will einen Termin) einen medizinische Prozess machen…

(4) … verschieben damit mit einer bei den GKV zentralisierten Erfassung plötzlich Daten zur GKV, die dort erstmal nicht hingehören: Symptome zum Beispiel. Und auch ärztliche Einschätzungen. Vielleicht sogar Diagnosedetails. Klar, die können in die ePa. Die ihre eigenen Probleme hat. Und der Patient:innen vielleicht auch wiedersprochen haben.
(5) Und ja, die Intention ist gut. Wir haben zu viele unnötige Besuche bei Ärtzten und unnötig überlastete Notaufnahmen. Erstenschätzungen sind da aber vielleicht nicht das Mittel der Wahl. Denn die muss auch jemand machen. Ärzte zum Beispiel. Die keine Zeit haben. Tja. Bessere gesundheitliche Bildung wäre hier nachhaltiger. Das wäre aber ein gesundheitspolitisches Thema.

(6) Und ja, ich bin da parteiisch. Ich hab nen anderen Blick auf Sicherheit und Datenschutz. Gerade hier. Ich weiß mehr über die Art und Weise, wie in Deutschland im Gesundheitssystem damit umgegangen wird, als mir lieb ist. Und ja, ich baue mit @openreception selbst eine Lösung für das Terminvergabeproblem.

Aber Digitalisierung kann nur dann Strukturprobleme lösen, wenn man diese systematisch und grundlegend angeht. Das hier riecht dagegen nach Aktionismus.