#AdventOfMicrofiction

Ich schreibe viel, gerade auch von Hand. Ich führe regelmässig ein Tagebuch, schreibe mehrmals pro Woche meine Morgenseiten und lasse mich hin und wieder mithilfe von Prompts über Gott und die Welt aus. Von meinen Blogbeiträgen und den zahlreichen Texten für meinen Unterricht ganz zu schweigen. Aber eines schreibe ich nicht: Geschichten. Darum habe ich mir vorgenommen, im Dezember bis Heiligabend im Rahmen einer nicht ganz vollständigen 30-Day-Challenge jeden Tag eine sehr kurze #ScienceFiction Story zu schreiben, die maximal 1'000 Zeichen lang ist, damit sie in einen Mastodon-Post passt. #Microfiction nennt man das wohl. Es folgt also ein Faden, der von heute bis Heiligabend jeden Tag um einen Beitrag länger wird. So jedenfalls meine Absicht.

Quellenangabe zu den Illustrationen:
Night Bomb Shells, 3 in. Size, 1–24 aus: Illustrated Catalogue of Day and Night Bomb shells der Hirayama Fireworks Co., Yokohama, 1883, Public Domain via archive.org.

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⫸ Kepler-442b

Der Staubsturm kam zu früh. Funken tanzten über den Salzplatten, der Rover kippte. Ich zerrte Yara am Arm – sie klammerte sich noch immer an ihre Probenbox, als wäre die Mission wichtiger als ihr Leben. Vor uns: ein Korridor aus schwarzem Gestein, so dicht, dass die Strahlung draussen blieb.

„Rein“, befahl ich. Die KI schickte ihre Drohne voraus. Licht glitt über Zeichen, in den Stein geschnitten. Die Übersetzung flackerte auf:

„Fürchte weder Macht noch Ende. Lust ist Ruhe, nicht Überfluss. Wer Angst sät, will bezahlt werden.“

Die KI übersetzte weiter: Ratschläge zu Freundschaft, zu natürlichen Bedürfnissen. Yara liess die Box fallen. „Als hätten sie auf uns gewartet.“

Sie mass die Temperatur. „Der Stein hält die Kälte ab. Wenn wir die Anzugheizung drosseln …“ Wir sassen schweigend und teilten meine Thermoschicht. Der Sturm tobte drei Stunden.

Als der Himmel aufriss, lag der Rover auf der Seite. Die Inschrift hinter uns glänzte im Sonnenlicht.

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