#AdventOfMicrofiction

Ich schreibe viel, gerade auch von Hand. Ich führe regelmässig ein Tagebuch, schreibe mehrmals pro Woche meine Morgenseiten und lasse mich hin und wieder mithilfe von Prompts über Gott und die Welt aus. Von meinen Blogbeiträgen und den zahlreichen Texten für meinen Unterricht ganz zu schweigen. Aber eines schreibe ich nicht: Geschichten. Darum habe ich mir vorgenommen, im Dezember bis Heiligabend im Rahmen einer nicht ganz vollständigen 30-Day-Challenge jeden Tag eine sehr kurze #ScienceFiction Story zu schreiben, die maximal 1'000 Zeichen lang ist, damit sie in einen Mastodon-Post passt. #Microfiction nennt man das wohl. Es folgt also ein Faden, der von heute bis Heiligabend jeden Tag um einen Beitrag länger wird. So jedenfalls meine Absicht.

Quellenangabe zu den Illustrationen:
Night Bomb Shells, 3 in. Size, 1–24 aus: Illustrated Catalogue of Day and Night Bomb shells der Hirayama Fireworks Co., Yokohama, 1883, Public Domain via archive.org.

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⫸ Aussenwelt

Der Lehrer reiste mit drei Begleitern über die Aussenrouten. Am Basaltmassiv trafen sie auf eine Siedlerin.

Sie kniete vor drei Metallstäben und weinte. Ihre Hände gruben sich in den Staub.

Der Lehrer trat näher und wartete.

Sie wischte sich übers Gesicht. „Mein Schwiegervater“, flüsterte sie. „Dann mein Mann. Vor einem Zyklus mein Sohn.“ Sie strich über den ersten Stab. „Klingenwölfe. Alle drei.“

Der Lehrer wies zur Orbitalstadt, deren Lichter am Tag glänzten. „Dort oben gibt es keinen Klingenwolf.“

Sie stand auf und hob den Kopf. Ihre Tränen wichen einem festen Blick: „Hier stirbt man schnell. Dort nur langsam – von innen nach aussen. Und sie lassen dir nicht einmal einen Stab im Staub.“

Der Wind zerrte an ihrem Mantel.

Der Lehrer wandte sich zu seinen Schülern: „Merkt euch das. Der Klingenwolf tötet aus Hunger. Die Regierung aus Prinzip.“

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