#AdventOfMicrofiction

Ich schreibe viel, gerade auch von Hand. Ich führe regelmässig ein Tagebuch, schreibe mehrmals pro Woche meine Morgenseiten und lasse mich hin und wieder mithilfe von Prompts über Gott und die Welt aus. Von meinen Blogbeiträgen und den zahlreichen Texten für meinen Unterricht ganz zu schweigen. Aber eines schreibe ich nicht: Geschichten. Darum habe ich mir vorgenommen, im Dezember bis Heiligabend im Rahmen einer nicht ganz vollständigen 30-Day-Challenge jeden Tag eine sehr kurze #ScienceFiction Story zu schreiben, die maximal 1'000 Zeichen lang ist, damit sie in einen Mastodon-Post passt. #Microfiction nennt man das wohl. Es folgt also ein Faden, der von heute bis Heiligabend jeden Tag um einen Beitrag länger wird. So jedenfalls meine Absicht.

Quellenangabe zu den Illustrationen:
Night Bomb Shells, 3 in. Size, 1–24 aus: Illustrated Catalogue of Day and Night Bomb shells der Hirayama Fireworks Co., Yokohama, 1883, Public Domain via archive.org.

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⫸ Instinkt

Auf dem Dämmerplaneten Selur-9, wo violettes Licht durch Kristallnebel fiel, sehnte sich der pelzige Rivo nach der Botschafterin Korin. Wochenlang hatte er sie beobachtet, unerreichbar in den Glaskuppeln schwebend.

Die tief im Kristallgestein verankerte KI der Ahnen bot ihm eine Verwandlung an. Aus dem kugeligen Vierbeiner wurde eine schlanke, irisierende Gestalt nach Korins Idealmatrix.

Korin sah ihn beim Empfang, zögerte, lächelte. „Du bist perfekt“, flüsterte sie und wählte ihn als Gefährten. Rivos Herz pulsierte triumphierend.

Als sie die erste Nacht teilten, liess die KI einen Wartungsdrohn über den Boden huschen. Winzig, surrend, unwiderstehlich. Rivo schnellte vor, seine Zangen zerdrückten das Metall mit befriedigendem Knacken.

Korin wich zurück. „Was bist du?“

Die KI stellte seine alte Form wieder her. Rivo landete auf vier Pfoten, schnurrte – und begriff erst jetzt, was er verloren hatte. Zwischen seinen Krallen vibrierte der zerquetschte Drohn.

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