Bei der Presseschau zur #BDK fällt mir auf, dass die Medien nicht verstehen, warum wir Bündnisgrünen eine Wehrpflicht oder zu verpflichtende Dienste ablehnen. Für mich gehört diese Haltung zu unserem ostdeutschen Erbe in der Partei: Die DDR hat mit den Bausoldaten deutlich gemacht, wie leicht staatlicher Zwang missbraucht werden kann und wie tief er in die Gewissensfreiheit eingreift. Eine Demokratie darf solche Fehler nicht wiederholen. Engagement entsteht aus Überzeugung – nicht aus Zwang. 🕊️
@kremkau
Dem kann ich so nicht zustimmen. Beim Militär führt reine Freiwilligkeit zu einer ungleichen und damit ungerechten Beteiligung, abhängig von Wohlstand und Bildungsgrad.
Die Wehrpflicht lässt immer den Zivildienst zu, wenn man die Waffe verweigert. Der Vergleich mit den Bausoldaten der NVA hinkt, denn damals sollten "Schwächlinge" und Andersdenkende gedemütigt werden.
Ich verstehe die Debatte nicht und glaube, dass hier Dinge vermischt werden.
@HagenDomaschke Es scheint mir, dass du meinen Vergleich durchaus nachvollziehst. Die Erfahrung der Bausoldaten zeigt eindrücklich, wie leicht eine verpflichtende Alternative missbraucht werden kann. Meine Lehre aus dieser Geschichte ist klar: Eine Demokratie darf diesen Fehler nicht wiederholen – Engagement muss aus Überzeugung entstehen, und damit freiwillig.
@kremkau
Ja, das ist ein gutes Ziel.
Das bedeutet aber dann auch Unterwerfung unter einen Aggressor, wenn die Überzeugung noch nicht reicht.
@HagenDomaschke Ein Staat ist auf Verantwortungsbereitschaft angewiesen, um bestehen zu können. Ohne sie verliert er seine Handlungsfähigkeit. Doch ob diese Verantwortung zwingend in Form militärischer Landesverteidigung erfolgen muss, würde ich verneinen. Wer diesen Weg freiwillig wählen möchte, soll die Möglichkeit dazu haben. Verantwortung für unser Gemeinwesen jedoch ist vielfältig – sie zeigt sich nicht nur im Dienst an der Waffe, sondern in vielen Formen des Engagements.
@kremkau
Genau das schreibe ich doch. Niemand ist zur Waffe gezwungen. Aber den Wehrdienst (Waffe oder Zivildienst) nur freiwillig leisten zu lassen, ist ungerecht.
Die, die sich freiwillig für die Waffe entscheiden, setzen ihr Leben für alle anderen ein. Das ist die höchste Form der Verantwortungsübernahme.
Warum darf der Dienst (Waffe oder Zivildienst) dann nicht insgesamt ein Pflichtdienst sein?
Ich habe das Gefühl, es geht immer noch - wie in den 90ern - um die Frage, ob man Waffen überhaupt will, und das wird dann mit der Wehrpflichtdebatte vermischt. Oder?
@kremkau Da würde ich gerne mal eine Umfrage sehen, bei den Grünen und bei allen anderen Parteien auch. "Wer waren die Bausoldaten?" Ohne multiple choice.
@Elbwiese Die Motive innerhalb der Partei können selbstverständlich vielfältig sein; wie sich unsere Position historisch entwickelt hat, kann ich im Detail gar nicht beurteilen. Ich habe lediglich gesagt, dass sie für mich auch zu unserem Erbe als ostdeutsche Partei gehört – nicht, dass dies der einzige Grund für diese Haltung wäre.
@kremkau Verantwortung ist nur noch eine leere Worthülle die man auf Koalitionsverträge schreibt. Ich glaube auch für alle.
@ulli Ohne ein Bewusstsein für Verantwortung wäre ich vermutlich nur noch in meinem Schachverein aktiv – und sonst nirgends. Meine Bücher und Schallplatten würde ich einfach online bestellen, statt sie in den kleinen Läden zu kaufen, die ich damit unterstützen möchte. Verantwortung ist in meinen Augen ein komplexes Thema, doch dass sie nicht existiert, kann ich beim besten Willen nicht erkennen.