Das klappt bei uns nicht so, wie es soll. Die Wohnung sieht keineswegs so aus wie bei Instagram; bevor Besuch kommt, wird es immer hektisch – es ist nicht nur unordentlich, es ist auch staubig.

Und es müsste jemand die Weihnachtssachen aus dem Keller holen und die Wohnung schmücken.
Und sich um den Adventskranz kümmern!

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Dabei sollte den Kindern auch das traditionelle Liedgut nahegebracht werden und gemeinsam Plätzchen gebacken.

Sommergarderobe muss verräumt werden und Winterkleidung in passenden Größen besorgt. Idealerweise gebraucht, wegen Nachhaltigkeit.

Einige Sachen kann man sicher flicken.

Die Korrespondenz bleibt liegen: Weihnachtspost müsste gemacht werden, aber auch normale Rechnungen und Kram sind noch unerledigt. Plus Mahnungen von der Bücherei, da muss mal jemand Bücher zurückbringen.

Apropos Bücher: es sind noch Schulmaterialien zu besorgen.
Und Wichtelgeschenke.

Achso, und die Adventskalender, da pressiert es jetzt! Weihnachten kommt... Die Schwiegereltern auch.

Womit wir wieder bei der Wohnung wären. Bitte gründlich durchputzen. Und Essenspläne machen, die haben spezielle Anforderungen.

Grundsätzlich sollten wir uns wirklich besser ernähren!, mehr Salat, weniger TK Lasagne. Also jeden Tag frisch kochen, und täglich vier Brotdosen, aber bitte abwechslungsreich, günstig, regional und Bio.

Und man muss Sport machen. Für die Gesundheit. Und Wellness. Für die Achtsamkeit.

Das ist auch gut für die Figur, man soll auf sich achten. Deswegen bei der skin Routine unbedingt verschiedene Cremes und Seren auftragen und dann ein leichtes Make-up. Nicht zu viel! Aber man darf auch nicht müde aussehen. Immer fresh und sexy bleiben.

Oh! Ist das eine Sommersprosse oder ein Altersfleck? Oder müsste man mal zur Hautkrebsvorsorge...?

So ein paar Arzttermine sind ja schnell koordiniert. Die Hobbies sind schon schwieriger. Jedes der drei Kinder sollte ein musisches und ein sportliches Hobby haben. Aber ohne Druck! Es muss auch noch Zeit bleiben, mit den anderen Kindern zu spielen.

Bloß hinbringen und abholen müsste irgendjemand. Und die Sachen waschen. Trocknen. Sortieren, wegräumen, einpacken und so.

Das muss dann abends passieren, aber Achtung, dass noch genug Paar-Zeit übrig bleibt. Reden ist wichtig. Kultur auch. Geht doch mal essen oder ins Theater. Und trefft euch mit Freunden, pflegt eure sozialen Beziehungen, ruft eure alten Eltern regelmäßig an.

Da fällt mir ein: Patientenverfügung, schon besprochen und erledigt?
Organspenderegister eingetragen?

Es kann ja nicht sein, dass solche wichtigen Dinge hinten runterfallen. Da muss man Prioritäten setzen. Man muss an die Zukunft denken, Bausparvertrag, Riester Rente, sich informieren.

Für das Klima demonstrieren und gegen Rechts, aber zweimal im Jahr Demo ist bloß Gratismut und ein bürgerliches Feigenblatt. Man muss sich schon lokalpolitisch engagieren, auch, wenn es frustrierend ist. Aktiv werden! Bei der Tafel oder als Vorlesepatin. Mindestens Elternsprecher in ein bis zwei Klassen.

Ach ja stimmt, die Weihnachtsfeier in der Schule ist ja auch, da sollen alle was mitbringen. Gemeinsam basteln und Lieder singen und schon wieder Plätzchen backen. Und möglichst gut gelaunt sein beim Smalltalk mit den anderen Eltern. Wieso wirken die eigentlich immer so entspannt?
Ach, die waren im Skiurlaub. Schön, wenn man sich das leisten kann. Aber auch richtig schlecht fürs Klima. Das aber bitte nicht laut aussprechen. Darüber redet man nicht. Über Corona auch nicht. Es ist nicht stickig in diesem Klassenraum. Warum krieg ich trotzdem so schlecht Luft?
Hat die Klassenlehrerin mich gerade schief angeguckt? Bestimmt denkt sie, ich mache zu wenig für die Schule mit den Kindern. Dabei machen wir täglich Hausaufgaben und üben die Schwachstellen und für Klassenarbeiten. Das macht keinem von uns Spaß, aber was muss, das muss. Die Kinder sollen später mal erfolgreich sein.
Also nicht zu lange vors Tablet setzen. Auch kein Handy bitte. Sobald die Kinder dann ins Internet dürfen (am besten erst mit 16), müssen sie aber damit umgehen können. Also gründlich informieren über Trends und Gefahren, das ändert sich so schnell!, und dann Medienerziehung. Sollten alle Erwachsenen hinbekommen, man muss sich halt bemühen.
Das gilt übrigens auch für die Arbeit. Pünktlich, gepflegt, sorgfältig sind die Mindestanforderungen – man sollte aber auch motiviert sein, konstruktiv Konflikte lösen, mitdenken. Zehn Tage kindkrank ausreizen ist schon frech. Wir haben Deadlines. Da muss man auch mal über den Feierabend hinaus, das muss drin sein. Wir arbeiten alle zu wenig in Deutschland.

Es ist einfach total nervig, wenn Eltern immer sagen 'ein Meeting um 17.00 ist aber nicht sehr familienfreundlich, mimimi'. Dann muss man halt mal einen Babysitter nehmen. Oder kann nicht jede Tanzaufführung der Ballettmäuse sehen. Da müssen sich die Kinder auch dran gewöhnen, das Leben ist kein Ponyhof!

Übrigens könnten die auch mehr im Haushalt helfen. Wenn man das gut erklärt, machen die das gerne. Man kann das auch ans Taschengeld koppeln, als Leistungsanreiz.

Aber bitte nicht zu streng werden. Man muss auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Auf die der Schwiegermutter übrigens auch. Und an die eigenen Bedürfnisse denken! Aber auch nicht vergessen, Butter zu kaufen, die ist alle. Alles andere irgendwie auch schon wieder?!?
Am besten direkt einkaufen gehen, nachdem du das Altglas zum Container und die alten Klamotten zur Kleiderkammer gebracht hast. Dann kannst du auch direkt im Baumarkt eine neue Schelle für den Duschschlauch holen, der tropft. Insgesamt müsste das Bad mal renoviert werden. Das Kinderzimmer übrigens auch.

Wie es überhaupt hier aussieht. Gar nicht wie bei Instagram. Und einen Adventskranz haben wir auch immer noch nicht...

Ich hab mir nochmal angeguckt, wie viele Stunden ein Tag so hat. Und was alles getan werden muss.
Und da bin zu dem Schluss gekommen:

Wir brauchen eine Stay-at-home-Mom.

Ich kann das nicht machen, ich bin berufstätig und das Ehegespons ebenso.
Wenn ich die Aufgaben outsource und Menschen dafür bezahle, wird das ja viel zu teuer!

Es muss also jemand kostenlos tun.
Und freiwillig, denn Sklaverei darf man ja nicht mehr.

Wir haben daher beschlossen, unsere Ehe zu öffnen und suchen eine nette SAHM für unser neues Polykül!

Möglichst mit Interesse an Natur und Tieren, denn der Garten muss ja auch gemacht werden und irgendwann hätten wir gerne wieder einen Hund.

Im Idealfall wäre sie ruhig und introvertiert, denn wir sind zu erschöpft, um uns noch großartig zu unterhalten.

(Männlich gelesene Personen dürfen sich natürlich auch bewerben. Wir sind da ganz offen und hängen nicht am klassischen Modell. Wobei man ja schon sagen muss, dass Frauen von Natur aus eher für diese Rolle geeignet sind. Es macht ihnen einfach Freude, sich um alles zu kümmern.)

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@megaphon Selten so eine gut eingedampfte Beschreibung von Mental Load gelesen. Sehr gut.
@muellermanfred vielen Dank. Es schoss so aus mir raus.
@megaphon Es ist wie dieses Fädchen, das unten aus dem Pullover heraushängt. Bloß nicht dran ziehen!

@muellermanfred Wie dieses Stückchen tote Haut neben dem Fingernagel.

Soll man auch nicht dran ziehen, aber es stört halt die ganze Zeit und man kann nicht aufhören, dran rumzufummeln, und wenn man ganz vielleicht vorsichtig, nur ein bisschen, so seitlich – dann ist alles voller Blut.

#Feminismus