Mal wieder ein bisschen #Kommunalpolitik-Content aus dem Dorf:

Neulich sichteten wir mit einem Gemeinderats-Ausschuss Bewerbungsunterlagen für einen festangestellten Gemeindearbeiter. Ich bin da vor allem rein, damit die nicht ganz unter sich sind und völlig ohne Gegenrede ihren Schwippschwager auskungeln.

Das Gesprächsklima, das sich dort entwickelte, war wirklich unangenhm. Und was bin ich froh, nicht konservativ bis reaktionär zu sein:

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4-Tage-Woche ist Teufelszeug! So fangen wir gar nicht erst an! Die Leute sind noch jung, die können buckeln!

Danach saßen sie da, mit Bier in der Hand, und beklagten sich über die verweichlichte Jugend von heute ohne Arbeitseifer und Disziplin. Aber wo soll es herkommen bei der heutigen Elterngeneration? Da können die Kinder einfach essen wann sie wollen statt zu festen Uhrzeiten!

Und natürlich redeten sie wieder vom Saufen. Vergangenes und geplantes Saufen. Sie reden immer vom Saufen.
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Einer von denen war sogar mal Betriebsrat.
In den 90ern und sicherlich auch heute noch muss es in der Ausbildung im Handwerk übergriffig zugegangen sein. Wenn der Ausbildungsleiter Sätze sagt wie „Du gehörst mir“. Da bin ich dankbar für das Privileg, studiert haben zu dürfen.

Im Nachhinein frage ich mich: Hätte ich den Aufstand proben sollen? Den dumpfen Parolen Paroli bieten sollen? Oder doch meine Nerven schonen? #hochsensibel
Das Thema kommt sowieso nochmal auf die Tagesordnung
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@unterholz
Gute Frage. Hätte es was gebracht? Bin nicht sicher, den Leuten änderst Du die Grundhaltung sicher nicht, und es lohnt wahrscheinlich nicht, sich da aufzureiben.

Wenn ich mich in die Situation reindenke, würde ich am Ehesten was sagen, wenn es um konkrete Entscheidungen geht, wen man warum einstellen oder nicht einstellen will.

@gnaddrig Das denke ich auch. Es wird nochmal ein Treffen geben, nachdem die Bewerbungsgespräche gelaufen sind.

Obwohl ich die Leute ja kenne, hauen mich die Selbstgefälligkeit und die negativen Vibes jedes Mal um.

Trotzdem weiß ich jetzt besser, was mich bei dem Thema erwartet und ich bin eher gewappnet.

@unterholz
Es macht keinen Spaß, oder? Wenn ich solche Leute erlebe, kommt mir auch immer die Galle hoch. Ich versuche nach Kräften, selbst anders aufzutreten und ein Betriebsklima zu fördern, das gerade nicht so tickt. Aber es ist unbefriedigend.

@gnaddrig
Nervig finde ich vor allem, dass die meiste Zeit und Kraft für Psychologie und Strategie drauf geht und wenig für Politik.

Will sagen: Ich muss mir genau überlegen, wann und wie ich etwas formuliere, um einem sinnvollen Ziel näher zu kommen.
Und das in einem Ehrenamt ...

Und ja, es ist leider an sehr vielen Orten so. Bei dir im Betrieb, in der Bundespolitik, ... ein ständiger Kampf. 😞