Finds auch komisch wie heute manchmal Alkohol wieder als harmloses Mittel zu mehr Lockerheit gegen "verspannte Abstinenz" gepriesen wird und sich über zu viel Binnenschau beklagt wird, wenn erfolgreiche Prominente über schwere Depressionen berichtet.

Ja, es gibt einen Hang zur Überpsychologisierung der auch ungesund sein kann ABER mein Opa z.B. war vom Krieg traumatisiert schwerer Alkoholiker, hat nie Therapie gemacht und dieses Paket ist bei mir angekommen. Anders wäre schöner gewesen.

Es ist halt so, dass sich sowas, wenn es nicht behandelt wird, noch über Generationen auswirkt und so gut und gerne über 100 Jahre Menschen das Leben schwer machen kann. Der Witz ist ja, man muss seinen Großvater nicht mal gekannt haben, es reicht ja völlig wenn die Eltern darunter gelitten haben.

Und es ist halt immer wieder gut zu wissen, dass anscheinend so krass erfolgreiche Menschen auch ihre harten Kämpfe haben mit dem Sinn des Daseins und ihren Dämonen.

Und ich muss es sagen, weil das nunmal meine Art ist zu denken: Wir könnten uns gesellschaftlich so viel Leid ersparen durch so etwas wie ein Grundeinkommen, durch eine gute soziale Absicherung. Und wozu all die KI-Sachen, all die Automatisierung und die Digitalisierung wenn wir nicht EXAKT das nutzen, um unsere Leben besser und entspannter zu machen? Was soll denn der ganze Krempel wenn er nicht UNS dient, sondern wir IHM dienen? Wie bescheuert ist das denn bitte?

Denn, da ichs leider immer wieder erfahre: All dieser Druck und diese Existenzangst, diese Ellenbogenmentalität im Angesicht der drohenden Ersetzung und des eigenen Abstieges, die sich durch die Mittelschicht immer weiter nach oben arbeitet, zerfrisst die Gesellschaft, den Staat, den Zusammenhalt.

Und unter genug Druck hauts irgendwann jede und jeden um. Jeder hat seinen Schwachpunkt und es ist gut diesen Schwachpunkt zu haben, weil er eigentlich ein Schutz ist.

Es ist aber halt absolute kacke, wenn dann das System sagt: "Ach oh, dein Schutzmechanismus ist angegangen? Na dann schalte ihn ab!"

Wie viel klüger wäre es, wenn das System so angelegt ist, dass es Druck VERRINGERT und nicht noch UNNÖTIG ERHÖHT. Ich bin auch zudem absolut überzeugt, dass freie, autonome Menschen, die sich abgesichert fühlen, im Ergebnis viel bessere und kreativere Leistungen für alle bringen!

Nur bedeutet so eine Absicherung für alle halt, dass einige wenige nicht absurd stinkreich werden können.

Und das ist halt der Punkt.

Der Sozialstaat wurde über die letzten Jahrzehnte zunehmend bürokratisiert und entkernt und der Mittelschicht zur Finanzierung überlassen, die dadurch abrutscht - während oben einige Milliardäre alle Effizienzgewinne einstecken und keine Sicherheit zurückgeben.

Denn das wäre EIGENTLICH der Deal: "Ihr organisiert und verdient extrem gut? Gut, das ist ok. ABER dafür sichert ihr dann bitte ab!"

Aber das passiert eben nicht mehr, weil irgendwann die Verantwortung aus der Rendite gestrichen wurde. Heute ist jeder von uns im Grunde seine eigene Ich-AG an der Slotmachine, die versucht schnell reich zu werden, bevor man kaputt ist - aber richtig reicht wird immer nur die Bank. Und die Hersteller der Slotmachines.

und deshalb sag ichs immer wieder, wieder und wieder: Wir haben ALLES, wirklich alles, damit die Meisten von uns ein schönes, stressarmes, leistungsFREUDIGES Leben führen könnten. Aber das geht eben nur wenn Tools, wenn so enorm mächtige Werkzeuge wie KI, Automatisierung und Digitalisierung FÜR UNS und nicht GEGEN UNS genutzt werden.

Und wie dumm ist das bitte wenn wir Menschen uns selbst eine Welt schaffen, in der wir die Sklaven der Maschinen sind, die ein paar Leute besitzen?

so, das war glaube ich der wildeste Argumentebogen, den ich jemals gespannt haben, aber was ich sagen wollte: Wir brauchen mehr Verständnis für Schwäche um stark zu sein und gute Systeme zu schaffen, die Menschen stärken und aufbauen.
Und zum Abschluss möchte ich noch sagen: Ich wünsche jeder und jedem, der/die/them das hier liest, dass ihr eine Form von Frieden in euch findet. Mir fällt das leider immer wieder sehr schwer und wenn euch das auch so geht, fühlt ihr euch jetzt vielleicht wenigstens kurz nicht allein und vor allem fest umarmt. (oder vorsichtig aus der Ferne angelächelt, wenn euch das lieber ist 😉 )
@captainfutura Friede sei mit dir und deinen Gedanken! ✌🏼
@[email protected] auf arte lief kürzlich eine Sendung zu Alkohol. Dort wurde behauptet ohne (wenig) Alkohol keine menschliche Zivilisation, weil Alkohol macht locker, erst dadurch sind Menschen bereit soziale Bindungen einzugehen. Finds falsch, aber Arte...
@Life_is wer kennt sie nicht, die ständig gründlich betrunkenen Naturvölker. Aber im ernst: Ab- und an etwas Alkohol ist kein Problem bei gesunden sozialen Bindungen und Umfeld!
@captainfutura das Verharmlosen der Droge Alkohol kostet die Gesellschaft unglaubliche Menge an Geld, während über Cannabis (gerade in unserem "Bier ist ein Grundnahrungsmittel" Frei-sauf-Staat Bayern) Schwachmaten Diskussion geführt werden. Nikotin ist ein ähnliches Thema und, was das finster-subtilste ist: Zucker. Die Zucker-Lobby macht systematisch süchtig und krank und fängt dabei mit denen an, die am schützenswürdigsten sind: unseren Kindern.
Ich schweife ab.