Ich finde es interessant, wie selten ernsthaft darüber gesprochen wird, wie wir den neuen Autoritarismus aktiv bekämpfen können. Ja, „Sozialstaat stärken“, 9-Euro-Ticket, etc. – fair enough. Aber als konkreter Plan für die kommenden 10 Jahre? Statt Strategien höre ich meist nur Analysen über den Doom-Zustand.
Dabei gibt es so viele Ansatzpunkte: machtpolitisch, bewegungstheoretisch, juristisch, geopolitisch. Und diese internationale, neomaskuline, ultrarassistische CEO-Bewegung ist gleichzeitig aggressiv und erstaunlich fragil.
Eine Erklärung für das Strategiedefizit vielleicht: Der jahrzehntelange Konsens der „sozialen Marktwirtschaft“ wurde Schritt für Schritt in Richtung ultraneoliberale Normalität verschoben. So weit, dass die FDP sich selbst überflüssig gemacht hat und die Fundamente progressiver Politik in Grünen und SPD erodiert sind.
In meinem Recherche-Feld sehe ich zB: Wir sollten Ressourcen investieren, um konservative Kräfte davon zu überzeugen, dass ein IB-Verbot und ein AfD-Verbot in ihrem eigenen langfristigen Interesse liegen. Und weiterdenken: Was passiert danach? Wie sichern wir den öffentlichen Dienst, also Polizei / Justiz / Lehrerschaft, wenn sie als AfD Mitglieder (nach Einzelfallprüfungen) evtl. ihre Jobs verlieren? Wir brauchen Pläne, um auch diese Menschen in Deutschland zu reintegrieren, ihnen lebenswerte Perspektiven zu bieten!
Und wie stellen wir sicher, dass die verbleibenden Parteien wieder Vertrauen, Realitätssinn und demokratische Glaubwürdigkeit aufbauen, statt weiter in Wachstumsfetisch & Krisenrhetorik zu rutschen (Klimakrise, Kriegswirtschaft etc.)? Wie können die anderen Parteien eine Kommunikation aufbauen, die glaubwürdig ist und sich nicht in PR-Rhethorik verliert?
