Jetzt möchte ich mal kurz einen Teil meiner Forschung vorstellen. In meiner Promotion haben ich mir die sogenannte "Neue Rechte" angeschaut und wichtige Szenezeitschriften und Publikationen diskursanalytisch ausgewertet. Was ist so ein "Diskurs" eigentlich?

RE: https://bsky.app/profile/did:plc:eu6urrd67yaoywvt6nzcl6ou/post/3lz3xxpfjj22t
Mit "Diskurs" ist eine gesellschaftlich institutionalisierte Kommunikation gemeint. D.h. wir verständigen uns über die Welt und tun das in einer gewissen Regelhaftigkeit. Dadurch entstehen Semantiken und Wissensordnungen. Eine Diskursanalyse möchte diese Ordnungen und ihre Genese nachvollziehen.
Es gibt dabei eine klassische Unterscheidung zwischen #Äußerungen und #Aussagen. Alles, was wir hören und lesen, sind im Grunde #Äußerungen. Viele Äußerungen haben einen typisierbaren Gehalt und verweisen auf ähnliche Argumente oder Ideen. Das ist dann die Aussage hinter der Äußerung.
Eine Diskursanalyse macht nun Folgendes: Sie nimmt sich verschiedene Textfragmente (Äußerungen) und sucht dort nach Mustern (Aussagen). Dabei geht es nicht um inhaltliche oder thematische Ähnlichkeiten, sondern eher um die Struktur der Argumentation.
Damit dieser Prozess nicht völlig beliebig abläuft, gibt es verschiedene methodische Ansätze. Eine davon sind minimale und maximale Kontraste. Indem ich sehr ähnliche oder maximal unterschiedliche Textfragmente miteinander vergleiche, sehe ich nach und nach besser die dahinterliegende Struktur.
So ähnlich bin ich ich in meiner Promotion mit Textfragmenten aus dem Umfeld der Neuen Rechten umgegangen. Die diskursanalytische Unterscheidung von #Äußerung und #Aussage habe ich erzähltheoretisch erweitert, indem ich noch zwischen #Narrationen und #Narrativen unterscheide.
Außerdem gibt es verschiedene #Analysekategorien, die mir bei der Erschließung des Diskurses geholfen haben. Die folgende Tabelle ist an die Wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA) von Reiner Keller angelehnt und wurde von mir etwas varriiert.
Diese Art der Forschung steht häufig vor dem Problem, dass sie sich sehr schwer grafisch darstellen lässt. Ich habe trotzdem versucht, das Ergebnis in eine Abbildung zu übersetzen. Die Grundidee ist, dass sich (fast) alle neurechten Texte auf drei #Krisennarrative zurückführen lassen.
Rechte Texte oder Argumentationen sind nämlich oft sehr redundant und wiederholen immer wieder die gleiche Erzählung - völlig unabhängig, um welche Themen es geht. Ein Beispiel: alles, was wir heute über "woke" hören, wurde in den 1990ern unter dem Begriff der "political correctness" diskutiert.
Die meisten rechten Äußerungen verweisen auf das Motiv der #Dekadenz. Dieses kann ich an jeder beliebigen gesellschaftlichen Entwicklung neu durchdiskutieren. Genau das macht die Neue Rechte.
Wenn euch das interessiert, dann findet ihr das in dem oben verlinkten Text noch einmal besser erklärt. Ausführlicher könnt ihr es auch hier nachlesen 👇 www.transcript-verlag.de/978-3-8376-7...

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