Wir haben eine neue Kollegin.
Das ist in der Tat etwas Besonderes. Nachdem bereits zwei Kolleginnen dieses Jahr in Rente sind und die Dritte in zwei Monaten geht, kommt nun Nachwuchs.

Sie hat ihre Ausbildung im Nachbarort im Pflegeheim gemacht und nach der Ausbildung 1 Jahr als Pflegefachkraft gearbeitet.
Wir haben uns in ihrem Außeneinsatz kennengelernt und sind viel zusammen gefahren. Ich darf sie einarbeiten. Sie will der Pflege noch eine Chance geben.
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Sie war in den letzten Monaten sehr frustriert. Sie konnte ihrem Anspruch an Gute Pflege und den Menschen im Heimalltag nicht mehr gerecht werden. Beinahe täglich ging sie unzufrieden nach Hause.
Mehrere Gespräche hat sie mit der Heimleitung und der Pflegedienstleitung ihrer diakonisch getragenen Einrichtung geführt.
An den Bedingungen hat sich nichts geändert. Durch das neue Personalbemessungsgesetz hat sich die Pflegequalität weiter verschlechtert.
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Sie gibt der Pflege nochmal eine Chance. Gespannt und etwas aufgeregt kam sie zum ersten Dienst. Ich habe mir im Vorfeld Gedanken gemacht, wie ich die Einarbeitung gestalte. Da ich davon ausging, dass sie Pflege kann, aber das Finden der Häuser die größte Herausforderung ist, bekam sie den Autoschlüssel. Die Pflege bei den Patient*innen übernahm ich. Ich erzählte viel über die (Krankheits-) Biographie und den Lebensumständen unserer Patient*innen die wir besuchten.
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Zur Pause fuhren wir auf Station. Kochten uns einen Kaffee und plauderten. Es sei das erste Mal seit langem dass sie so eine Pause hatte. Im Heim haben sie nebenher am Smartphone dokumentiert oder sind auf die Klingel gegangen. Eine ganz neue Erfahrung.

Unsere Unterhaltungen bestärken mich in meiner Annahme, dass die Zeit der Pflegeheime wie wir sie heute kennen zu Ende geht. Ein paar wenige werden bestehen.
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Die Pflegefachkräfte werden weniger. Durch den Mangel werden Einrichtungen nicht voll belegen können und gehen durch die Unwirtschaftlichkeit pleite. Durch die schlechten und schlechter werdenden Arbeitsbedingen in der Pflege gibt es bereits den #pflexit. Ob in andere Arbeitsbereiche oder ganz aus der Pflege.
Immer weniger Menschen können sich den Eigenanteil leisten. Bis das Solzialamt einspringt, können Monate vergehen.

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@Der_Pfleger

Eigentlich müsste doch Pflegeheim billiger sein. Also nach meiner Logik. Alle an einem Ort etc.

Das ist ja nicht gerade wenig Geld, was man da zahlen muss plus Krankenkasse auch noch kommt. Wo geht das Geld eigentlich hin? In die Pflegekräfte ja anscheinend nicht... Das ist ja so viel Geld, da könnte man ja mindestens eine persönliche Pflegekraft bezahlen... Im Pflegeheim teilen sich ja viele eine.
Medikamente etc ist ja da auch nicht dabei, dass ist auch alles extra.

@mrxlix
Das sind im Grunde Investitionskosten.

Was das alles im Einzelnen umfasst, kann ich nicht sagen.

@mrxlix @Der_Pfleger

Ist es auch.

Wir haben es gerade hinter uns - 24 h Pflegekraft vs Pflegeheim.

Wenn man eine Pflegekraft braucht, die gut Deutsch spricht, ist man da auch in der Größenordnung von 4.000 € im Monat und deckt aber gerade mal ca. 160 h / Monat ab.

Das mag gut funktionieren, wenn der zu Pflegende noch halbwegs orientiert ist und Familie vor Ort ist.

Bei fortgeschrittener Demenz funktioniert das nur unter massiver Selbstausbeutung der Angehörigen.

@FanCityKnits
Pflegeheim ist da teurer... Und da teilen sich halt viele eine.

Deswegen weiß ich halt nicht wo das Geld versickert, weil die Angestellten sind es ja anscheinend nicht, die dafür gescheit bezahlt werden, bzw so viel Personal haben, dass selbst auch besser haben...
@Der_Pfleger

@mrxlix @Der_Pfleger

Nein, das Pflegeheim ist der Eigenanteil günstiger - wie gesagt, wir haben es gerade hinter uns.

Die 4.000 € sind der Betrag, den die Pflegekraft bekommt. Beim Eigenanteil im Heim ist ja auch Miete für das Zimmer, Verpflegung, ... etc. dabei. D.h. alles Geld, dass man davor daheim zusätzlich noch ausgeben muss. Wir waren in Summe am Ende bei fast 6.000 € für die häusliche Pflege im Monat bezahlt - plus noch 1 x Familienangehöriger in permanenter Rufbereitschaft.

@mrxlix Wo es hin geht? Vermutlich in Kapitalrendite?
Pflegeheime müsste man ja eigentlich wie Wohngeld + Pflege betrachten.
IMHO wäre das m.M.n. auch angebracht, dass staatliche Wohnungsbaugenossenschaften Träger der Wohnheime werden und die Pflegedienste (austauschbar) als Dienstleistung (über die Nebenkosten) laufen.
Dann könnte man Steuerrechtlich ganz anders Hebeln
@Der_Pfleger Ich finde deine Einschätzung interessant. Gleichzeitig frage ich mich, wo ich gepflegt werden werde, wenn es mal so weit ist. Und ob es dann ausreichend Angebot und Geld geben wird, um Pflege überhaupt zu bezahlen. Ich gebe zu, ich habe da Angst. Ich sehe einfach nicht, dass meine Familie das übernehmen wird.
@tipap
Ich kann mir vorstellen und sehe das auch in unserer Stadt, dass sich Mehrgenerationenhäuser und AltenWGs bilden und durchsetzen werden. Die Behandlungspflege und und evtl auch Unterstützung den Körperpflege wird dabei vom ambulanten Pflegefachkräften geleistet. Die soziale Betreuung wird nachbarschaftlich organisiert werden.