Die politische Debatte um Social-Media-Verbote für Jugendlichen ist mir allzu flach. Ich habe mal aufgezählt, welche Probleme man lösen sollte, bevor man ein Gesetz verabschiedet. Punkt 1: Magische Techniken gibt es nicht, auch nicht mit KI.

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https://www.spiegel.de/netzwelt/tiktok-instagram-youtube-fuenf-unangenehme-wahrheiten-zu-social-media-verboten-a-19ee1afc-c0f9-41f0-8393-3950347ae06c?sara_ref=re-so-app-sh

Zwar werden KI-Dienste wie Yoti von staatlichen Jugendschützern hochgelobt, doch sie haben einen Haken: Man muss wie 23 aussehen, dass man als volljährig akzeptiert wird. Die KJM hat diesen Puffer von 5 Jahren zur Pflicht gemacht.
Doch die neuen Social-Media-Banns sollen nicht unter 18 Jahren einsetzen, sondern ein paar Jahre früher. Doch wer von euch könnte einen berechtigten 15-Jährigen ganz sicher von einem gesetzlich zu unreifen 14-Jährigen unterscheiden? Und das kann die KI natürlich auch nicht. Und dann? Wie sollen sich Jugendliche ausweisen? Dazu herrscht großes Schweigen.
Was auch gern vergessen wird: Jugendschutz betrifft Erwachsene. Die politische Stimmung dürfte sich deutlich drehen, wenn klar wird, dass sich jeder Erwachsene auf Facebook mit Ausweis oder Selfiekamera identifizieren müsste. Und das auf x verschiedenen Seiten. Vielleicht sogar bei Messengern? Denn da findet heute vieles statt, vor dem man ausgeblich Kinder schützen will.
Punkt 4: Es ist keine Frage, ob Daten leaken werden, sondern wann. Es geht hier nicht nur um die klassischen Leaks, wo Kundendatenbanken geknackt werden. Eine Altersüberprüfung klappt nur realistisch mit Accounts. Und Accounts kann man verknüpfen. Sowohl die Werbeindustrie tut das als auch staatliche Überwachung per Palantir.
Punkt 5: Wer Kinder von sozialen Medien ausschließt, senkt auch das Schutzniveau auf diesen Plattformen. Schon vor Jahren hat Google dem deutschen Gesetzgeber eine Nase gedreht und YouTube als ›ab 18‹ ausgewiesen. Damit blieb es an den Eltern hängen, entweder alle Videos freizugeben oder keins. https://www.youtube.com/age-de.xml?gl=DE

Dass man all diese Punkte als Realität akzeptiert, erachte ich als Miminum für eine informierte Debatte.

Die Bundesregierung will nun eine Expertenkommission einberufen. Ich bin gespannt, ob die Teilnehmer das auch so sehen.

Immerhin: Meine Kollegen hören mir zu.

Aber mal im Ernst: Wenn Politiker dutzendweise fundamentale Eingriffe in die Meinungsfreiheit von Millionen junger Menschen planen, sollten Journalisten sofort nachfragen, was nun eigentlich gemeint ist.

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/news-des-tages-cem-oezdemir-brigitte-macron-wladimir-putin-und-nordkorea-a-3e2882dc-be9f-44ad-9806-d11ff0f2b662?sara_ref=re-so-app-sh

Gute Übersicht über die vielen unterschiedlichen und teilweise widerstreitenden Gesetze und Gesetzesvorstöße innerhalb und außerhalb der EU.

https://www.heise.de/hintergrund/Jugendschutz-Der-globale-Konflikt-um-digitale-Altersgrenzen-10391815.html

Jugendschutz: Der globale Konflikt um digitale Altersgrenzen

Der Ruf nach Altersverifikation wird in Deutschland lauter, doch die Lösungen werfen neue Probleme auf: Die EU kämpft mit juristischen Grauzonen.

c't Magazin

Die Analyse des wissenschaftlichen Dienstes lese ich nicht ganz so ablehnend wie Netzpolitik. Ja, es gibt Hürden, aber die EU-Kommission ist doch sehr offen dafür, den Mitgliedsstaaten darüber zu helfen.

https://netzpolitik.org/2025/viele-huerden-duestere-aussichten-fuer-deutsches-social-media-verbot/

Viele Hürden: Düstere Aussichten für deutsches Social-Media-Verbot

Einige deutsche Spitzenpolitiker*innen fordern ein Social-Media-Verbot für Minderjährige. Realistisch ist das aber nicht. Das zeigt eine nüchterne Analyse der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags.

netzpolitik.org
@publictorsten den Giftmüll-Vergleich werde ich mal einrahmen