Diese berühmten LA traffic Bilder mit den Endlosen Lichterketten auf den zugestauten 7- oder 8-spurigen Freeways, das müssen ja unfassbar viele Menschen sein die da unterwegs sind, oder?

Lasst uns eine Schätzung machen, wie viele Menschen das sind:

Auf dem Foto sind 65 Reihen von Autos zu sehen, 2 × 7 Spuren × 65 Reihen, also ca. 910 Autos auf dem Freeway. (1/3)

Lasst uns sagen, dass da noch mal 100 Autos drum rum sind, also 1010 Autos, lasst uns das großzügig Aufrunden auf 1100 Autos. Im Berufsverkehr sitzen in in einem Auto im Durchschnitt 1,2 Personen, also 1100 × 1,2 sind ganz ca. so 1320 Pendler. In dem ganzen Foto!

Wie viele Menschen sind das? Eine Berliner S-Bahn hat so etwa 360 Sitzplätze pro Zug. 1320/360 ≈ 3,66 Also würden all diese Menschen in gerade mal 4 S-Bahnen passen. (2/3)

Aber halt! So eine S-Bahn hat ja auch Stehplätze! Nämlich noch mal so ca. 800 pro Zug. Also etwa 1160 Fahrgäste pro S-Bahn. Die 1320 Pendler auf dem LA traffic Bild würden also alle locker in zwei Berliner S-Bahn Züge passen.

Oder anders gesagt: auf diesem Bild von zwei S-Bahn Zügen an einem Bahnhof könnten sich viel mehr Pendler verstecken als in einer dieser berühmten LA Traffic Luftaufnahmen.

(3/3)

@343max und alle wären weit schneller am Ziel. Das zudem viel näher wäre, weil man weniger Parkplätze hat, die man umfahren muss.
@Ulan_KA Dummerweise: Ich halt nicht. Selbst mit Baustelle und dadurch induziertem Stau auf meiner "Stammstrecke" bin ich mit dem Auto im Grunde immer etwa mindestens ein Faktor 2 schneller.

@dystopic meine Anmerkung bezog sich auf einen generellen Systemwechsel mit unbedingtem Vorrang für die Entwicklung von ÖPNV und Fernverkehr. Daher auch meine Anmerkungen zu den dann unnötigen Parkplätzen und anderen Platzverschwendungen, was die Entfernungen in Orten reduziert.

Natürlich wird es immer Einzelsituationen geben, bei denen MIV schneller wäre. Allerdings wären die dann wegen der gegenläufigen Skaleneffekte erheblich teurer als das Nutzen von öffentlichem Verkehr und Muskelverkehr.

@Ulan_KA Insbesondere glaube ich die Vorstellung von "alle wären schneller am Ziel" nicht. Oft wird nicht umsonst eine Reduktion der "nötigen" Wege als ein Ziel einer Verkehrswende formuliert. Eine Verkehrswende braucht also auch einen Umbau der Gesellschaft, als Reaktion auf die dann tatsächlich abnehmende Beweglichkeit.
Ich finde es tatsächlich etwas unaufrichtig, wenn man das nicht auch klar sagt: Es sind nur dann alle schneller am Ziel, wenn wir die Ziele auch sehr viel näher heranholen.

@dystopic korrekt. Diese Aussagen von mir waren ja an die Bedingungen geknüpft, dass der motorisierte Individualverkehr nur entsprechend reduziert und die Siedlungslandschaft entsprechend gestaltet sei. Also mehr eine alternative bestehende Welt als eine Zukunftsvision.

So wie es die entsprechende düstere Version in den USA gibt, wo die Autos doppelt so groß sind und jede Versorgungs- und Unterhaltungseinrichtung von der 3- bis 4-fachen Fläche an Parkplätzen eingerahmt ist.