wegen eines projektes lese ich gerade hannah arendts eichmann-buch und es ist so gespenstisch, wie viele dinge man wiedererkennt.
der "idealismus" eichmanns.
"Verständigung mit Eichmann war unmöglich, nicht weil er log, sondern weilihn der denkbar zuverlässigste Schutzwall gegen die Worte und gegen die Gegenwart anderer, und daher gegen die Wirklichkeit selbst umgab: absoluter Mangel an Vorstellungskraft."
faschismus als kollektiver kampf gegen die realität und die normalisierung einer imaginierten wirklichkeit, in der die eigenen taten "sinn" ergeben.
these: das "gewissen" ist nicht privat, es ist immer eine ansammlung von gemeinsam mit anderen bewohnten erlaubnisstrukturen. "agency" haben wir nur darüber, welchen verfügbaren erzählungen wir folgen und welchen nicht, an wem wir uns orientieren, usw. es gibt keine absolute moralische instanz, wir halten uns alle gegenseitig "in check", bzw. überreden uns gegenseitig zum unsinn.
erlaubnisstrukturen sind (relational) materiell und das zeigt sich u.a. daran, dass sie sich durch die zeit entlang von pfaden weiterentwickeln. man kann z.b. einen pfad zeichnen, von der frühen erlaubnisstruktur des "gnadentods unwerten lebens" der euthanasiemorde bis zu auschwitz, oder von der amerikanischen erzählung der "frontier", die hitler als vorlage seiner "lebensraum" ideologie diente, oder die geschichte des konzentrationslagers, die im britischen kolonialismus beginnt, etc.

deswegen bin ich so beunruhigt, denn die politischen entscheidungen "für eine härtere gangart" in dem einen wie dem anderen politikfeld ist nicht nur eine änderung des modus der politik, sondern ein schaffen von infra- und erlaubnisstrukturen, die weitere strukturen erlauben, usw. wir sind auf einem extrem schnell eskalierenden pfad.

und ich mein: in weiten teilen der bevölkerung scheint man bereits bereit, einen mit eigenen steuergeldern finanzierten und livegestreamten genozid abzunicken.

arendt:

"Trotz der Bemühungen des Staatsanwalts konnte jeder sehen, daß dieser Mann kein »Ungeheuer« war, aber es war in der Tat sehr schwierig, sich des Verdachts zu erwehren, daß man es mit einem Hanswurst zu tun hatte."

was auch krass ist: eichmann bezeichnete sich selbst als "zionist", hatte herzl und böhm begeistert gelesen und der zionismus war auch teil seiner erlaubnisstruktur, den holocaust zu organisieren.
puh.

@mspro

Das läuft in unseren verfassungswidrig mit saudummen Nazis verseuchten Behörden heute noch genau so!

@mspro

Wer sich gerade wie ich gefragt hat: welche Quelle?

Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen

https://www.einjahrzitate.de/

Berühmte Menschen, immer noch aktuell! – Orelies Interviews