Wollte eig. was positiveres schreiben, mein Kopf wollte es anders:
#IchLeideNicht weil ich blind bin. #IchLeide am Umgang der gesellschaft mit mir. Darunter, dass meine Bedürfnisse nicht ernstgenommen werden, ich kleingeredet und übergangen werde und mit Anderen Blinden verglichen, die die Dinge so viel besser können als ich und augenscheinlich viel entspannter durchs Leben gehen, weil sie das was ich als Stress empfinde locker wegstecken. Oft werden, wenn auch nicht böse gemeint, Erklärungen dafür gesucht, wieso Menschen sich rücksichtslos verhalten, sollen technische Lösungen her, damit die Menschen ihr Verhalten nicht ändern müssen. Es gab zeiten, in denen ich es gehasst habe, blind zu sein, weil kein Arbeitgeber mich deswegen haben wollte. Ich müsse verstehen, dass man sich das nicht zutraue. Für mich gibt es keine Pausen von barrieren. Es gibt Tage, an denen ich mich verstecken will, weil ich den Schmerz nicht ertrage, in einer Gesellschaft zu sein, die nicht für alle gemacht ist. #DisabilityPrideMonth
Menschen sagen mir offen, sie würden sich auf der Stelle umbringen, wenn sie blind werden würden. All meine Erklärungsversuche scheitern, sie bleiben dabei, dass das Leben nichts wert ist, wenn sie nicht sehen können. Gerade bei Menschen die ich davor sehr geschätzt habe tat das weh.
@svenja danke für Deine Worte. Als Sehende denke ich sicher auch oft vollkommen falsch über nicht Sehende. Ich war mal mit meiner Tochter bei einem Essen im Dunkeln. Ich gebe gerne zu, dass ich sehr beklemmende Gefühle hatte, als alles total dunkel um mich war. Ich hatte 1000 Gedanken was wäre, wenn ich erblinden würde. Suizidgedanken kamen mir allerdings nicht! Eher Gedanken, wie wenig Rücksicht genommen wird. Und... wie wenig wir doch wissen von Euch!
@maren Das Problem an solchen Simulationen ist, dass sie nicht ansatzweise die Realität abbilden, gerade bei Geburtsblinden wie mir, die noch nie sehen konnten und daher auch nicht wissen können, wie es sich mit funktionierenden augen anfühlen würde im Vergleich zu jetzt. Das lässt sich nicht simulieren. Ich war auch mal in so nem Dunkelrestaurant, weil Schatzi und ich da so einen Gruselabend mitgemacht haben, ich wollte wissen, ob mich davon auch irgendwas gruseln könnte. Sowohl ich, als auch er, fanden da gar nichts gruselig. Er sieht noch und hat sich wie sich die Anderen so gegruselt haben kaputtgelacht. Als wir dort reinkamen wurde ich auch sofort von den Mitarbeitenden angesprochen, ob ich da nicht auch arbeiten will. Meine Antwort war, dass ich schon einen Job habe, ich arbeite in der Softwareentwicklung. Meine Orientierung ist so schlecht und irgendwelche Tabletts halten bekomme ich auch nicht hin, die kann ich nicht gerade halten. 1/2
@maren Das ist mir so sehr in Erinnerung geblieben, weil ich es sehr bezeichnend fand, wie verzweifelt die Betreibenden sein mussten, dass sie sogar besucher ansprechen, ob sie dort arbeiten wollen. Mein bester Freund hat mal in so einem Laden gearbeitet und das trug auch nicht dazu bei, dass ich gesagt hätte, ja, da würd ich gern arbeiten. Bezahlung und Arbeitsbedingungen waren nichts, wofür ich einen Job in der IT aufgeben würde. Sorry, das war etwas oftopic. 2/2
@svenja das macht nichts. Und ja natürlich, so eine Simulation gibt natürlich nicht das tatsächliche Leben wieder ( bei uns war es nur ein Abendessen, nix mit gruseln), es hat zumindest mich aber zum Nachdenken gebracht. Ich bin ehrlich, davor hab ich mir wenig Gedanken gemacht um Blinde. Ich hatte keine Berührungspunkte. Heute ertappt ich mich dabei, dass ich denke, das oder das ist für Blinde auch blöd. Oder auch hier oder da wird heute mehr für Blinde getan.
@svenja dass Menschen mit Einschränkungen, egal nun welcher Art, oft gern im Beruf ausgenutzt werden, sprich schlechter bezahlt, hab ich auch schon gehört. Der Grund erschließt sich mir allerdings nicht.
Ich habe mich länger mit unserer Bedienung in dem Dunkelrestaurant unterhalten. Sie hat mir von einigen Problemen erzählt. Schlafproblemen zum Beispiel. Mich hat dieser Abend jedenfalls sensibilisiert.
@maren Für gewöhnlich sehen Menschys in einem horizontalen Blickwinkel von 180°. Darüber hinaus sind sie blind. Vermutlich ist es als blinde Person ähnlich nur hast du keine 180° die du sehen kannst. Es bedeutet, du siehst nicht schwarz, du siehst nichts. Ich habe eine spezielle Art von Migräne, die mich erblinden lässt für einen kurzen Zeitraum. Ich sehe dann auch nicht schwarz sondern ich sehe einfach nichts, so wie ich hinter mir nichts sehe
@svenja
@Rana @svenja interessante Aussage. So hab ich das noch gar nicht "gesehen". Aber es stimmt natürlich.
@maren @Rana Ja, das ist auch ein Punkt, wenn ich gefragt werde, wie viel ich noch sehe, sage ich nichts und alle denken dann müsse es ja schwarz sein. Ich weiß nicht, was das ist, ich habe nie einen Vergleich gehabt. sich das vorzustellen scheint unmöglich, es ist ja nicht greifbar.
@svenja @Rana klar. Ich dachte bisher auch, dass alles "schwarz" ist. Ein gutes Beispiel dafür, wie unbeholfen man sein kann.

@svenja Danke fürs Teilen. Es ist so wichtig, im Kontakt mit anderen Menschen die Perspektive wechseln zu können. Es scheint einigen Menschen nicht so gut zu gelingen, deshalb umso wertvoller, so etwas zu teilen.

Mir fällt übrigens immer wieder auf, wie sehr unsere Sprache das Sehen inkludiert. Z.B auch das eben verwendete Wort "Perspektive". Das wird Dir wahrscheinlich noch viel mehr auffallen.

@moeria Sprachlich find ich das nicht so schlimm, ich sage sowas ja auch, weil das Teil der Sprache ist.
@svenja Das ist gut. Mir fällt es nur einfach auf.
@moeria Einmal hat mich in einem forum jemand gefragt, warum ich das Wort sehen denn verwende, wenn ich doch nichts sehen kann. Fand die Frage damals so merkwürdig und hat mich in meiner damals sehr aufbrausenden Art auch sauer gemacht, was er sich anmaßt, an meiner Sprache herumzukritisieren.
@svenja Zu Recht, finde ich! Tatsächlich hat mich gestern oder vorgestern jemand als lächerlich hingestellt, weil ich das englische Wort "obviously" ihm gegenüber verwendet habe, wo er blind ist. Solchen Leuten geht es wahrscheinlich einfach nur um irgendeine Art Duell und um Spitzfindigkeiten. Mit Sprache, Inklusion, Behinderungen oder überhaupt irgendeinem Thema hat das garantiert gar nichts zu tun.
@moeria Ja, denen geht es nicht um Inklusion, die wollen Krawall machen. So war das jedenfalls bei dem Typen damals. Meine Güte, das ist über 15 Jahre her, bin grad bisschen schockiert, wie viel Zeit seit meinen ersten Internetgehversuchen vergangen ist.