Häufig heißt es, dass viele nichtbetroffene Menschen bei Israel/Palästina vor allem laut werden weil es naheliegend sei, sich an der Verursachung von Leid zu stören. So plausibel diese Erklärung immer klingen mag, ist es doch eine immens verkürzte und fundamental falsche.
Sudan, Kongo, Westsahara, Kurdistan, China, Taiwan, Armenien, Afghanistan, Myanmar, Jemen, sind nur einige Regionen, wo unfassbares Leid angerichtet wird. Kaum was davon ist geheim oder unbekannt. Mit der obigen Argumentation müsste man doch da auch laut werden.
Es passiert aber (vor allem in deutschsprachigen oder westlichen Kreisen) offenkundig nicht einmal ansatzweise in dem Ausmaß wie bei Israel/Palästina. Das soll nicht heißen, dass das Wissen um Leid nicht empört oder zu geäußerter Empörung führt oder führen dürfe.
Eher soll damit deutlich werden, dass es wesentlich ehrlicher wäre, wenn man von dieser vulgärhumanistischen Erklärung absieht und (zumindest) die eigene selektive Wahrnehmung und Empörung sowie Beschäftigung eingesteht.
Umso perfider wird es vor allem dann, wenn diese Erklärung rhetorisch als Waffe umfunktioniert wird: wer zu Israel/Palästina "schweigt", könnte nicht anders als sich nicht an Leid zu stören. Während man selbst zu hoher Wahrscheinlichkeit zu obigen anderen Konflikten schweigt.
Stört euch an Leid, empört euch an Leid, und macht was dagegen, wenn ihr könnt. Aber seid dabei wenigstens ehrlich zu euch selbst und auch nach außen hin.
@justanotherguy wir haben alle begrenzte Aufmerksamkeit und was uns dazu bringt uns über Konflikte zu sorgen, hängt von so vielen Faktoren ab. Ich halte es für keinen praktikablen Anspruch, dass sich jeder von uns gleichermaßen über alles Leid auf der Welt sorgen sollte.
@mxk Wollte ich damit nicht ausdrücken, ich stimme dir da zu.
@justanotherguy @mxk stimme dir zu, dass auf einen Konflikt unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit drauf geht. Wie handhabst du das persönlich? Überall gleich viel Aufmerksamkeit und Energie aufbringen oder grundsätzliches Schweigen zu allem menschlichen Leid?
@balterwenjamin @mxk Ich versuche bei Israel/Palästina ja bspw. gar nicht wirklich was zum Konflikt bzw. den Geschehnissen dort so zu fokussieren sondern eher die Auswirkungen davon auf Deutschland (+weltweit) in Form von Antisemitismus und Rassismus. Und ansonsten versuche ich ein "Gegengewicht" und poste unter anderem deshalb auch zu bspw. Ukraine, russland, Kurdistan, usw., die meinem Eindruck nach mehr Aufmerksamkeit gebrauchen können.