@amayer @afelia Ich bin halt von meiner gesellschaftsphilosophischen Grundposition her Anarchist und sehe alle menschengemachten Machtstrukturen als etwas an, das man zurückdrängen, unterminieren, demolieren und demontieren sollte, angefangen mit sowas wie Privateigentum, Markt und Geld. Und es ist echt nicht nötig, daß die Wirtschaft wächst, das ist nur so ein blödes Artefakt der privatwirtschaftlichen Eigentumsordnung.
Wenn es um Ökonomie geht, hat niemand das Scheißspiel so gut durchschaut wie Marx und die schlaueren und weniger ideologisch festgefahrenen marxistischen Ökonomen, nur versagen Marxisten bei der nachhaltigen Überwindung des Kapitalismus, weil sie erst einmal versuchen, eine staatsmonopolistische Kapitalismussimulation zu betreiben, bis die dann pleitegeht, und dann lassen sie entweder den Kapitalismus wieder rein wie in China, oder sie kollabieren wie der Ostblock.
Warum hört man nicht zur Abwechslung mal auf die Anarcho-Syndikalisten? Einfach mal die Werktätigen selbst die Wirtschaft organisieren lassen, ohne Chefs, ohne Manager, ohne oben und unten, ohne Privateigentum, stattdessen als gemeinsames Projekt aller mit allen, als kooperatives Netzwerk unter allgemeiner Vermeidung von Konkurrenz?
Es besteht überhaupt keine Notwendigkeit, daß irgendetwas irgendwelche Profite abwirft. So etwas entsteht erst daraus, daß das Kapital auf den Plan tritt und alles als Investitionsmöglichkeiten betrachtet. Wenn man hingegen das Anhäufen von Reichtümern in den Händen weniger vermeiden will, wären eigentlich geschenk- statt marktbasierte Wirtschaftsstrukturen sinnvoller. Viele uralte Kulturen arbeiteten sehr lange größtenteils als Geschenkwirtschaft; in einer solchen gilt nicht als reich, wer viel hat, sondern wer viel verschenkt, und besonders wertvolle, nützliche oder hübsche Geschenke werden sehr schnell weiterverschenkt. Es brauchte jahrhundertelange brutale Unterdrückung durch Kolonialherren, um diese Kulturen zu brechen und sie dem Markt zu unterwerfen. Völker, die so etwas wie Eigentum gar nicht kannten, wurden meist einfach abgeschlachtet wie beispielsweise die Tasmanier; man nannte sie "Diebe", weil sie sich nahmen, was ihnen gefiel, dabei verstanden sie nicht einmal, was ein Dieb ist, weil sie kein Konzept davon hatten, daß einem Menschen irgendetwas gehören kann, das dieser nicht bei sich trägt.
Es gibt überhaupt keine Notwendigkeit, Wirtschaft so zu organisieren, wie wir es tun, es ist nur so, daß dieser bösartige Wirtschaftskrebs namens Kapitalismus alles überwuchert und umgebracht hat, was es an funktionierenden anderen Arten von Wirtschaft gab, und alle Alternativen mittels der Staatsgewalt und des organisierten Verbrechens im Keim erstickt oder, wenn einfacher und billiger, korrumpiert und aufkauft.
Geld ist so oder so nur eine Illusion, die funktioniert, solange die Menschen daran glauben. Gold kann man nicht essen, Papier auch nicht wirklich, und Festplatten, auf denen Guthaben gespeichert sind, noch weniger. Wenn die Zivilisation langsam wegbröselt unter einem beständigen Trommelfeuer kleiner und großer Katastrophen, dann werden auch Dinge wie Geld und Markt verschwinden, dann schmeißt man zusammen, was man hat, um gemeinsam zu überleben, oder man tut es nicht und stirbt halt. Und dieses Trommelfeuer hat schon angefangen. Wenn wir jetzt ganz hart die Kurve in Richtung Nachhaltigkeit nehmen und gnadenlos alle nicht überlebensnotwendigen Teile der Wirtschaft einfach amputieren, wenn wir diese nicht in kürzester Zeit komplett ökologisch nachhaltig hinbekommen, dann haben wir eine gute Chance, daß der Niedergang der Zivilisation sich noch lange hinzieht und das Risiko eines Aussterbens der Menschheit innerhalb der nächsten paar Jahrtausende recht gering bleibt. Vermutlich wird das nicht passieren, und wir bekommen dann einen sehr viel härteren Absturz, bei dem sehr viele Menschen sterben, und welcher die Chancen, daß es in 1000 Jahren überhaupt noch Menschen gibt, unangenehm verringert.
Mit einer anarcho-syndikalistischen Wirtschaft wäre ein radikaler Umbau der Industrie mit dem Kappen ganzer Industriezweige und der Schaffung komplett andersartiger nicht mehr mit so unschönen sozialen Verwerfungen verbunden, weil es keinen Arbeitsmarkt und keine Arbeitslosen mehr geben muß. Wenn alles allen gehört, ist niemand arm und niemand reich, da ist es leichter hinzukriegen, daß es für alle reicht. Und was man tut, das bestimmt nicht der Chef, sondern das diskutiert man mit dem ganzen Betrieb im Plenum.