Es hat mich überrascht, wie viele Menschen in meinem näheren Umfeld (enge Freunde und Bekannte) nicht erkennen konnten, wie rassistisch und tief verletzend (auch für mich) die Aussage von Friedrich Merz zur Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft war bzw. ist. Das liegt u.a. daran, dass die Aussage einer perfiden Strategie folgt/e.🧵
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Nach der CORRECTIV-Recherche im Januar 2024 zu den Deportationspläne der A*D wurde im Netz oft das "gut gemeinte" Argument geteilt, man bräuchte Menschen mit Einwanderungsgeschichte, weil sonst Krankenhäuser, Supermärkte usw. nicht mehr funktionieren würden. Die notwendige Kritik daran, Menschen mit dieser Argumentation auf ihre Funktion für relevante Systeme bzw. auf ihren ökonomischen Wert zu reduzieren, kam leider bis heute nicht bei allen an.
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Auf dieser populären Idee und kapitalistischen Logik, Menschen nach ihrem Nutzen zu bewerten, baut der Vorschlag von Friedrich Merz (Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft die deutsche bei Straffälligkeit abzuerkennen) auf, mit dem (medial-politisch rassistisch aufgeladenen) Bild krimineller Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Diese Erzählung wirkt deshalb stark und funktioniert so gut, weil die Botschaft bei allen schnell und einfach ankommt: die haben keinen Nutzen (für Deutschland).
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Straffällige Menschen mit Einwanderungsgeschichte haben nicht nur keinen Nutzen (wie die oft genannten Arbeiter*innen in den Krankenhäusern, im Supermarkt usw.) (für Deutschland), sondern schaden sogar dem Land. Diese Erzählung klingt logisch. Außerdem findet niemand Kriminelle gut. Bei dieser Projektionsfläche flutscht Rassismus besser (durch und wird weniger erkannt).
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Der Gedanke, der Vorschlag von Friedrich Merz würde nur die "schlechten Ausländer*innen" betreffen, entstand bei nicht wenigen automatisch im Kopf. Die Generation der Gastarbeiter*innen und ihre Kinder kennen ihn noch aus den 90ern, als Neonazis „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ auf den Straßen grölten und Mitmenschen einem erklärten, man sei da nicht mitgemeint, weil man schließlich "der*die gute Ausländer*in" sei.
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Das Perfide am Rassismus ist, dass er sicher nicht nur bei mir dazu geführt hat, mich tatsächlich über Jahrzehnte bemüht zu haben, der "gute Ausländer" zu sein, bis ich verstand bzw. verstehen konnte, als Mensch ausreichend zu sein. Der Kanzlerkandidat der aktuell stimmenstärksten Partei hat mich und Millionen andere vor Tagen erinnert, nie richtig Deutsche*r und immer nur geduldet zu sein. Das ist nicht neu. Schmerzt deshalb aber nicht weniger.
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Wer weniger für rassistische Erzählungen empfänglich und solidarisch mit Betroffenen sein möchte, kann sich jederzeit vertieft und dauerhaft mit Rassismus auseinandersetzen. PS: Es ist nicht die Verantwortung und Aufgabe von Betroffenen für Privilegierte diese Bildungsarbeit zu leisten. Danke.
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@dejan klare Worte, danke! Besonders verbindend empfinde ich "Auf dieser populären Idee und kapitalistischen Logik, Menschen nach ihrem Nutzen zu bewerten, ...".
@streetbump @dejan und mit dem Gedankengang ist Merz grad net allein, praktisch alle Politiker*in denken so, zu mindestens jene die im Bundestag sitzen was das ganze nur noch schlimmer macht :|
@stehgeiger @streetbump @dejan Die stecken dafür richtig tief in Putins Hinterteil :|

@unnon89
Die sind doch alle mit Sarah zum BSW

@streetbump @dejan

NRW.social

@unnon89
Das geringste Übel wählen, sag ich immer.

@streetbump @dejan

@stehgeiger @streetbump @dejan und ich sag: gar kein übel wählen. (und nein, das ist kein Aufruf zum nichtwählen)

@unnon89
Dafür steht mir leider die 5% Hürde im Weg.
Und 15 % "Sonstige" (oder so) ist ein Luxus den wir uns angesichts der Mobilisierung im rechten Lager leider nicht mehr leisten, fürchte ich.

@streetbump @dejan

@stehgeiger @streetbump @dejan Warum immer nur die 5% Hürde? Es gibt auch noch sowas wie Direktmandate. Ich jedenfalls bins Leid mich immer zwischen Dünnschiss oder Verstopfung zu entscheiden und die Linken fallen da mit rein 🤷‍♀️
@unnon89
Und was haben die mit der Zweitstimme zu tun?
@streetbump @dejan
@unnon89
Ja, ich wünschte auch es gäbe mehr und bessere Optionen, ist aber leider nicht so und die Bedrohung der Demokratie durch die AfD einfach zu groß.
@stehgeiger Es gibt durchaus andere Optionen, Volt z.B. haben gute Chancen in den Bundestag zu kommen, auch die Tierschutzpartei hat Möglichkeiten und derzeit ist alles besser als weiterhin den Rechtsruck zu unterstützen.
@unnon89
Wie gesagt, die sehe ich beide nicht im BT und mit Volt hab ich so meine Probleme
https://taz.de/Volt-bei-der-Europawahl/!6015110/
„Volt“ bei der Europawahl: Wenn Expatschnösel politisch werden

Es ist seltsam, dass plötzlich alle „Volt“ für eine wählbare Partei halten. Nichts könnte falscher sein, als diese Populisten zu unterstützen.

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH

@stehgeiger Wenn wir den Parteien keine Chance geben werden sie nie eine Möglichkeit haben die 5% zu schaffen. Es liegt an uns 🤷‍♀️

Wie gesacht: ich jedenfalls hab kein bock mehr mit meinem Kreuz Faschismus zu supporten, genau so wenig will ich Putin die Hand geben.