Die Forderung nach Wiedereinführung des Karenztages (ua von Allianz-Chef Bäte) ist vor allem das opportunistische Ausnutzen der politischen Stimmung. Der schamlose Versuch, mit allen Mitteln eine weitere Umverteilung von unten nach oben zu erreichen. Und dabei wird auch vor Unehrlichkeit nicht zurückgeschreckt — dem Chef einer Krankenkasse sollten die technischen Gründe hinter dem angeblichen "gestiegenen" Krankenständen ja durchaus bekannt sein.[1]

#karenztag #krank #krankessystem

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Allen, denen die Fantasie fehlt, sich die Konsequenzen vorzustellen, empfehle ich den Blick ins Nachbarland Schweden, wo der Karenztag immernoch traurige Realität ist. Meine Beobachtungen:
· Menschen gehen so lange zur Arbeit, bis sie so krank sind, dass sie nicht mehr können. Und wahrscheinlich einige Kolleg*innen, evtl. Patient*innen, Schüler*innen, Student*innen oder Kund*innen angesteckt haben. Nicht umsonst wurde zu Pandemiezeiten der Karenztag ausgesetzt.

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· Wenn jemand krank ist, dann gleich richtig. Wäre ja dumm, nur den Karenztag zuhause zu bleiben, dann doch gleich drei, oder wieso nicht fünf Tage. Zumindest wenn man der neoliberalen Logik von massenhaften Missbrauch und einzig nach ökonomischen Anreizen handelnden Menschen folgt. Tatsächlich ist man häufig einfach schwerer krank, wenn man sich noch halbkrank zum Job geschleppt hat, und braucht länger wieder fit zu werden.

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· Der Karenztag trifft in stärkerem Ausmaß Menschen mit chronischen Krankheiten und wiederkehrenden kurzen Beschwerden (Migräne, Menstruationsschmerzen) sowie Menschen in Sozialberufen (Kranken- und Altenpflege, Kindergärtner*innen, usw.), die höherem Infektionsrisiko ausgesetzt sind als Tech-Bros im Homeoffice. Dadurch verschärft er bestehende sozio-ökonomische Unterschiede.

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Zusammenfassend: Mehr und schwerere Krankheit, höhere Kosten für Arbeiter*innen, überdurchschnittliche Belastung von bereits Belasteten, mehr Profit fürs Kapital, die Idee, dass wir nur mehr geknechtet werden müssen, wenn unsere Arbeit uns krank macht — klingt nach einem gelungenen neoliberalen Projekt.

[1]: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/krankheitstage-dak-krankenkasse-100.html

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Hoher Krankenstand ist laut Studie nicht auf "Blaumachen" zurückzuführen

Sind die Deutschen "Weltmeister der Krankmacher"? Laut einer Studie der DAK ist dieser Vorwurf nicht gerechtfertigt. Der Anstieg der Krankentage habe vor allem technische Gründe. Die Krankenkasse warnt vor einer Misstrauenskultur.

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