#Behindertenwerkstatt: Fluch oder Segen
Es ist sicher was von beidem. Mein Sohn hat Trisomie 21. Er hätte ohne so eine Werkstatt keine Arbeit. Er würde den ganzen Tag zu Hause bleiben oder irgendwo betreut werden.

Wenn ich in die Werkstatt komme, dann sitzen da aber auch Leute, die ganz normale Büroaufgaben übernehmen können. 1/5

Aber eben nicht alle Aufgaben, die ein regulärer Arbeitsplatz erfordert. Oder nicht schnell genug. Oder sie haben unschöne Ticks und körperliche Gebrechen, von denen sich andere genervt fühlen. Oder sie haben mehr Fehlzeiten. Oder…

Ich treffe dort viele, die ihre Arbeit gerne machen, die ihre Arbeit sinnvoll und schön finden. In meinem Büro treffe ich solche Leute eigentlich eher selten. 2/5

Und ich treffe viele Leute, wo ich mir vorstelle, dass es einer Kanzlei, einem Büro, einem Amt gut täte, so einen Menschen als Ruhepol, als Kummerkasten, als 'gute Seele in der Teeküche' dabei zu haben.

Und ich denke dann, jedes Amt sollte solche Leute haben. Der Staat kann das doch finanzieren und es würde ihn vermutlich nichtmals mehr kosten. Selbst wenn er jeweils eine Integrations-Hilfe daneben stellte. 3/5

Oder lieber nicht: Dann muss ich an den jungen Mann denken, der jahrelang von seinen Kollegen gemobbt wurde und bis aufs Blut gepeinigt. An vielen Stellen würden diese Menschen schlicht als Fußabtreter und Prügelknaben
missbraucht. Und etliche sind dagegen wehrlos. 4/5

Natürlich gibt es Gewalt und Missbrauch auch in Werkstätten, die Wahrscheinlichkeit, dass das dort auffällt und unterbunden wird ist jedoch erheblich größer, als wenn jeder für sich irgendwo unterkommt.

Gelegentlich hört man von Leuten, die sich an solchen Werkstätten bereichert haben. Aber nicht über die Arbeit der Behinderten, eher durch ihre Vernachlässigung. Durch Betrug, indem sie Geld für Leistungen kassieren, die nie erbracht werden. 5/5