Im Kolloquium wurden heute 8 spannende Praxis-Forschungsprojekte vorgestellt. Die Studierenden haben zugestimmt, dass ich ein paar Blitzlichter poste. Dabei fällt die Auswahl auf 3 Projekte, deren Ergebnisse sich hier gut zusammenfassen lassen: #Praxisforschung #MakeScienceFunAgain #SozialeArbeit
Blitzlicht 1: #CareLeaver in der +Jugendhilfe: Es wurden junge Menschen interviewt, die früher in der Jugendhilfe gelebt haben. Dabei ging es nicht nur um die Erfahrung des Übergangs, sondern darum, was sie sich gewünscht hätten. Was mich als Ergebnisse beeindruckt hat: Erstens, die Interviewten…
…waren insgesamt sehr zufrieden mit der Vorbereitung und Begleitung. Als Themen benannten die jungen Menschen aber das Gefühl der Einsamkeit – dies sei von den Fachkräften nicht hinreichend gesehen worden UND darauf seien sie auch nicht vorbereitet gewesen. UND: Schwere Kritik gab es dafür, dass…
…die Zuständigkeit der Jugendhilfe mit einer festen Altersgrenze endete & dann die Hilfe plötzlich vorbei sei. Blitzlicht 2: Der Einsatz von Nicht-Fachkräften in Handlungsfeldern der #Intensivpädagogik: Nicht erst seit der #Fachkräftemangel die Jugendhilfe eiskalt erwischt hat, spielt der Einsatz…
…von Nicht-Fachkräften in der Intensivpädagogik eine Rolle. Interviewt wurden Mitarbeitende, die seit längerem als Nicht-Fachkräfte eingesetzt werden. Dabei ging es um die Frage, worin die Interviewpartner*innen die Chancen und Herausforderungen sehen. Ergebnisse:
Die Interviewten betonten, Persönlichkeit sei wichtiger für die Arbeit als Formalqualifikation. Als ihre persönlichen Stärken benannten Sie: - eigene Krisenhafte Erfahrungen, die zu höherem Einfühlungsvermögen führen - Humor, da sie nicht immer alles gleich deuten würden
- Engagement, Belastbarkeit & Flexibilität, weil sie sich bewusster dem Arbeitsfeld zugewandt hätten - unkonventionelle Sichtweisen und Zugangsweisen - Berufserfahrung in anderen Bereichen - Praktische Fähigkeiten, Sport & Outdoor-Kompetenzen Aber die Interviewten benannten auch Herausforderungen:
- auf Grund fehlenden Wissens können besondere Bedürfnisse der Kinder nicht gut verstanden werden - Berichte schreiben - Jugendliche können eigene Emotionen hervorrufen - das Finden der eigenen beruflichen Rolle - Probleme in der Elternarbeit
Insgesamt waren sich die Nichtfachkräfte alle einig, dass es einer fortlaufenden Qualifizierung bedarf, da perspektivisch doch Fachwissen als wichtig erachtet wird. Darüber hinaus sehen die Interviewten die Notwendigkeit der Weiterbildung, um sich berufliche Perspektiven zu erarbeiten.
Blitzlicht 3: Was nehmen Eltern als #Gewalt durch Kinder wahr? Es wurden zwei Fokus-Gruppendiskussionen in jeweils zwei Delfi-Runden durchgeführt, in denen Eltern untereinander diskutieren sollten, wie sie Gewaltverhalten von Kindern definieren würden & wo die Grenze zu erwartbarem Verhalten liegt.
Während in der einen Diskussionsrunde lediglich körperliche Gewalt als Gewalt betrachtet wurde, differenzierte die zweite Gruppe auch psychische Gewalt. Handlungen, die eher aus Versehen oder im Affekt passierten, wurden von „absichtlichem“ Verhalten in beiden Gruppen abgegrenzt.
Die Eltern diskutierten das Spannungsfeld zwischen Fremdbewertung – wie sehen Bekannte, Nachbarn, Verwandte oder Fachleute das - und Leidensdruck der betroffenen Familien als relevanten Bezugsrahmen, zwischen dem sich eine individuelle Bewertung eines Verhaltens abspiele.
Als wichtige Kriterien wurden darüber hinaus diskutiert, ob Lernprozesse das Verhalten des Kindes mittelfristig verändern und ob die Eltern selbst noch Handlungsmöglichkeiten für sich sehen können. Als Randfaktoren für die Wahrnehmung wurden darüber hinaus noch benannt:
Die gesellschaftlichen Erwartungen an Familie, erlebter Stress der Eltern zum Zeitpunkt des Verhaltens des Kindes sowie die eigenen Erziehungsansprüche. Die Frage, was kindliches Gewaltverhalten ist, scheint also qualitativ nicht klar definierbar zu sein, sondern von vielen Dimensionen abzuhängen.
Das waren nur drei beispielhaft ausgewählte von insgesamt acht heute im Kolloquium vorgestellten tollen Projekten – ich glaube, ich habe gute Gründe, mich auf den nächsten Schwung Abschluss-Arbeiten unseres berufsbegleitenden Masterstudienganges zu freuen!