Mich stört gerade an der Diskussion um die Studienergebnisse zu digitalen Kompetenzen sehr, dass sich alle ein wenig an dem von der Pressemitteilung vorgegebenen Klicken-und-Wischen-Narrativ abarbeiten. Das wesentliche Ergebnis der Studie ist eigentlich ein ganz anderes, das auch in anderen Bildungsstudien immer wieder nachgewiesen wird: Unser Bildungssystem ist extrem ungerecht.
Unsere Gymnasien sind Hui, der Rest ist Pfui. Und wir selektieren extrem nach sozialem Hintergrund.

Was ich auf die Schnelle in der #ICILS2023 Studie nicht gefunden habe ist eine Aussage zu dem Anteil an Flüchtlingen aus Syrien und der Ukraine, die das Bildungssystem ja auch eher schlecht denn recht bewältigen musste.



@𝓒𝓱𝓻𝓲𝓼
𝓒𝓱𝓻𝓲𝓼 wrote the following post Tue, 12 Nov 2024 17:56:15 +0100

"Klicken und wischen" statt digitaler Kompetenz



"Klicken und wischen" statt digitaler Kompetenz


Die durchschnittlichen computer- und informationsbezogenen Kompetenzen von Achtklässlern in Deutschland sind im Vergleich zu den Vorgängeruntersuchungen von 2013 und 2018 deutlich rückläufig. Rund 40 Prozent der Achtklässler verfügen demnach nur über sehr "rudimentäre (...) Fähigkeiten im kompetenten Umgang" mit Computern. Dies ist nach Ansicht der Autoren ein besorgniserregend hoher Anteil.

"Diese 40 Prozent der Jugendlichen, von denen wir denken, dass sie Digital Natives sind, können im Grunde genommen nur klicken und wischen", sagte die Studienleiterin Birgit Eickelmann während einer Pressekonferenz in der Kultusministerkonferenz in Berlin. Der Begriff Digital Natives bezeichnet Menschen, die mit digitalen Medien und Geräten aufgewachsen sind und von klein auf damit zu tun hatten.

(...)

Nur ein verschwindend geringer Anteil der Jugendlichen kann richtig gut mit Computern umgehen und ist etwa in der Lage, Informationen selbstständig zu ermitteln, sicher zu bewerten und anspruchsvolle Informationsprodukte zu erzeugen. Diese höchste Kompetenzstufe erreichten nur 1,1 Prozent der Achtklässler. Vor fünf Jahren waren es 1,9 Prozent.


https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/digitale-kompetenzen-jugendliche-100.html
The Hubzilla @ tschlotfeldt.de

Unser Bildungssystem ist extrem ungerecht.

(..)

Und wir selektieren extrem sozialem Hintergrund.

Ja - die ist das Ergebnis aller Studien über unser Bildungssystem.

In Bezug auf die spezielle Frage nach der digitalen Kompetenzen kann nichts anderes herauskommen. Vielmehr: Dinge werden hier wie in einem Brennglas noch deutlicher.

Obwohl der Umstand seit Jahrzehnten bekannt ist und sich Einige um Abhilfe bemühen wird der Unterschied nicht geringer- wohl im Gegenteil.

Warum ist das wohl so?
Obwohl der Umstand seit Jahrzehnten bekannt ist und sich Einige um Abhilfe bemühen wird der Unterschied nicht geringer- wohl im Gegenteil.

Warum ist das wohl so?
@𝓒𝓱𝓻𝓲𝓼 @Tim Schlotfeldt ⚓🏳️‍🌈 Es ist in Österreich auch ähnlich, und ich finde das total bedenklich... da reden wir von Privilegien, aber es verändert sich nur sehr langsam was. Gleichzeitig verteilt sich das Geld immer mehr nach oben und die Schere zwischen arm und reich geht auseinander.

Die Frage ist (auch), wem nützt das?
@Sophie
da reden wir von Privilegien, aber es verändert sich nur sehr langsam was.

da ändert sich trotz der vielen Reden eben nichts, im Gegenteil es wir noch extremer.

Und die die meinen sie wären mit ihrer Smartphone App prima dabei - werden in Wahrheit immer mehr außen vor gehalten. Weil alles so schön bunt ist haben alle ihren Spaß auf den glatten Oberfläche und merken gar nicht das sie immer mehr bevormundet werden.

Wenn man nun diesen Gruppen im Guten auch andere Räume öffnen möchte werden diese Angebote in der Regel ignoriert... so stark ist das Gefühl da vorhanden doch eigentlich voll dabei zu sein. Das einzige was zählt sind die Oberflächen - wenn diese nicht gewissen Erwartungen entsprechen gibt es wenig Chancen da jemanden zu erreichen.

Was ich dahinter erkenne ist die Illusion durch IT MEDIEN zu einer besseren Welt zu kommen. Die Illusion besteht darin Dinge mit Hilfe IT MEDIEN einfacher vermitteln und zugänglich machen zu können. Durch die Vereinfachung kommt es aber in Wahrheit in der Regel zu einer Gängelung und zum Schieß ins Gehirn über den sich auch noch gefreut wird.

Wenn mehr Digitalisierung auf Wahlplakaten plakatier wird könnte man das eben auch mal aus der oben formulierten Perspektive betrachten :-)
@Sophie
Die Frage ist (auch), wem nützt das?
Du hast es ja auch geschrieben, es geht um Privilegien. Überspitzt formuliert: Das Bürgertum möchte sich den einfachen Zugang zu guter Bildung und damit gut bezahlten Jobs und Machtpositionen bewahren. Wenn die Bildungsungleichheit aufgehoben wäre, müssten die Kinder des Bürgertum mit vielen zusätzlichenKindern um die besten Ausbildungs- und Karrierewege wetteifern.

Privilegien sichern. Darum geht es.

Sieht man auch gut an den Gymnasien in Deutschland. Das Bürgertum schickt dort seine Kinder hin. Und diese Schulform wird finanziell am stärksten unterstützt. Da schmeißt man mehr Geld auf einen Bereich, der im Grunde die geringsten gesellschaftlichen Herausforderungen meistern muss. Und immer, wenn die Wissenschaft eine Reform vorschlägt, sieht das Bürgertum (und damit ein Teil unserer Eliten) das Ende des Abendlandes nahen.

@𝓒𝓱𝓻𝓲𝓼
in dem video Tagesschau Beitrag wurde schon auch die soziale Komponente thematisiert