Gedanken zu den vergangenen & anstehenden Wahlen - ein 🧵
IMHO ist eine Lehre, die wir Linken in DE aus den US-Wahlen ziehen können, dass wir uns zusammentun müssen, entweder als linke Sammelbewegung wie in FRA (dass die dort nach ihrem Erfolg vom Präsidenten abgebügelt wurden, liegt auch am System in FRA, wo der Präsident mehr Macht hat), oder indem wir unsere Stimmen auf eine Partei bündeln, die Chancen hat, über 5% zu kommen (realistischerweise SPD oder Grüne). 1/10
Und zwar über alle Differenzen hinweg. Nicht aus tiefster Überzeugung, aber aus Dringlichkeit. Nazis lassen sich schlicht erheblich besser bekämpfen, wenn sie noch nicht an allen Schalthebeln der Macht sitzen. Differenzen kann man ausdiskutieren & Forderungen verhandeln, wenn man an Mehrheiten zumindest beteiligt ist. Aus der Opposition oder gar aus dem Untergrund ist dies viel schwerer & in letzterem Fall sogar mit einem Risiko für Leib & Leben verbunden. 2/10
Dir gefällt die Position von SPD oder Grünen in einem oder dem anderen Punkt nicht? Mir auch nicht immer, aber mit denen kann man reden & vor allem, die stellen die Demokratie als solche nicht in Frage. Oberste Priorität muss jetzt die Erhaltung der Demokratie als Staatsform sein, DANACH kann & muss man Forderungen an die Sachpolitik stellen, demonstrieren & streiken, Petitionen stellen. Geht alles leichter, wenn man dafür nicht gleich weggesperrt wird. 3/10
Im Kino mag es romantisch sein, als Kämpfende für die Rebellion aus dem Untergrund Darth Vader zu attackieren, aber im echten Leben hätte ich ihn a) lieber gar nicht erst an der Macht & b) ist es da auch leider nicht so, dass die Guten am Ende gewinnen & dass die Identifikationsfiguren (= man selbst) mit Heldenstatus überleben. Hätten die Amis Harris statt Trump gewählt, gäbe es nach der Wahl Möglichkeiten, sie ihren Kurs korrigieren zu lassen. 4/10
Mit Trump läuft es, fürchte ich, auf ein Rette-sich-wer-kann hinaus, oder, wenn sich irgendwann eine Rebellion geformt hat, auf einen Bürgerkrieg. Die Rebellion gegen Putin, der seit Jahrzehnten als Autokrat durchregiert, kämpft jetzt die Ukraine. Die Opposition in Russland ist (im Fall vieler Einzelpersonen wortwörtlich) tot. Noch habe ich die Hoffnung, dass wir in DE die heutigen Nazis ohne Krieg bekämpfen können, & das ist bitter nötig, denn dieses Mal werden keine Alliierten kommen... 5/10
Problem an der Sache werden die vielen gemäßigt Konservativen sein, die jetzt Merz & Lindner auf den Leim gehen (von Nazis & Stalinisten brauchen wir nicht reden, die kriegt man eh nicht mehr überzeugt). Mit einer CXU-Regierung wie früher hätt ich kein Problem, solang sie auf den Füßen des Grundgesetzes steht. Aber Merz läutet ja schon den Wahlkampf ein mit Forderungen, die offensichtlich verfassungswidrig sind. Und dass die CXU-Brandmauer nicht steht, sieht man an Putinknecht Kretschmer. 6/10
Ich trau denen nicht mehr. Ich seh es kommen, die hieven die #FCKAFD an die Macht & dann haben wir unser 4. Reich, das Dank weltweiter brauner Vernetzung über Jahrzehnte halten kann. Was mir am meisten Angst macht nach der US-Wahl ist das Narrativ, mit dem Trump gewonnen hat. 7/10
Sein Versprechen war: Du darfst endlich wieder Arschloch sein, schau ich bin verurteilter Vergewaltiger & man wählt mich trotzdem, ich sorge dafür, dass Macht von Moral & Verantwortung entbindet & wenn du mich wählst, kriegst du auch was von dieser Macht.
Der nützliche Idiot, der für ein Lob des Herrschenden die Mitmenschen auf Befehl ans Messer liefert. Hat unter Hitler bestens funktioniert. Ich mag nur nicht glauben, dass der Weg in so eine Gesellschaft unaufhaltsam ist. 8/10
In einem vernunftbasierten Wahlkampf hätten die Dems gegen Trump auch eine Büroklammer ins Rennen schicken können, alles und jede*r wäre vernünftiger gewesen als Trump. Aber Wahlkampf ist emotionsbasiert, Vernunft spielt heute  keine Rolle & wenn die Wahrheit nicht passt, werden Wahrheiten einfach erfunden. 9/10
Ich fürchte, wir Linken müssen ganz schnell Emotionen wecken, mit denen wir der Angstmacherei der Rechten was entgegensetzen, müssen an gute Ideale statt an niedere Instinkte appellieren. Die Guten gibt's doch noch? Wir wollen doch nicht alle dem Fatalismus verfallen? Die Demos Anfang des Jahres gaben so viel Hoffnung, da müssen wir wieder hin. Hat jemand Ideen? Ich mag mich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass es, bevor es besser wird, erst auf Jahrzehnte schlimmer werden muss... 10/10
@Pearl22
👎 Ein Aspekt sollte berücksichtigt werden: eine große Masse an Betonköpfen wird bei ihrer Meinung bleiben.
👍 Einzige Zielgruppe von konstruktiver, politischer Information sind die relativ wenigen Wechselwählenden. Die bekommt man mit guten, sozialpolitische Themen. Nicht mit abgegucktem Populismus oder den Versuch, Lügen zu widerlegen.