Die industriellen Verquickungen sind immer wieder überraschend.

Während Corona war kaum Kunststoff für Fenster zu bekommen, weil das ein Abfallprodukt der Kerosinproduktion ist und weniger Flugzeuge flogen.

Jetzt geht der Gips aus, weil man Kohlekraftwerke abschaltet. Amazing.

Es wird Zeit, industrielle Interdependenzen sorgfältiger zu analysieren für eine sinnvolle Zukunftsplanung.

https://taz.de/Wegen-des-Kohleausstiegs/!6042740/

Wegen des Kohleausstiegs: Deutschland geht der Gips aus

Weil die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, wird der Gips knapp. Die Industrie will deswegen mehr abbauen. Umweltschützer halten das für unnötig.

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH

@timpritlove Es ist leider schwer vorstellbar, dass ein Land, in deren Hauptwirtschaftszweige wie die Autoindustrie, nicht vorausschauend denken können, dass andere das auf die Reihe kriegen.

Ich meine, es zieht sich doch durch wie ein roter Faden, dass hier vorne bis hinten Politik und Wirtschaft vollkommen kurzsichtig und teils wirklich planlos aneinander vorbei planen.

Ich sehe da wirklich schwarz.

@mueller Naja, gut... Bulk-Chemikalien müssen irgendwo herkommen, und natürlich kann man nicht "mal eben" eine Schwefeldioxid-Quelle im mio. t Maßstab ersetzen.
Ich vermute auch, dass man innerhalb des industriellen Kontextes von dem konkreten Beispiel "Gips" so überrascht nicht ist. Sowas passiert in der Chemie relativ häufig.
Vor Jahren gabs länger kein sauberes Acetonitril mehr für HPLCs, weil die Autohersteller weniger ABS gebraucht haben. Ne eigene Synthese für ACN macht halt keiner.
@dystopic Es ist ja auch eher etwas bildlich gemeint. Es fällt schon auf, dass in vielen Bereichen da nicht so ganz richtig geplant wird. Ich bin ja jetzt kein Fachmann für solche Stoffe, aber ich hab immer so ein bisschen das Gefühl, dass wir in Sachen Beschaffung und vorausschauend planen, da immer etwas zu sorglos mit allem umgehen.
@mueller Zweifellos ist das so, die Chemie und sonstige Industrie regelt das im Normalfall ja auch einigermaßen.
Allerdings unterschätzen viele Leute auch ein wenig wie groß Mengen sind, wieviel Energie bestimmte Synthesewege kosten, wie groß Anlagen / Tagebauten oder sonstige Gewinnungen von Rohstoffen so sein müssen.
Bei Gips muss man ja schon entweder anfangen den irgendwo im Großmaßstab abzubauen oder eben Schwefel aus dem Boden zu holen.
@dystopic Dazu kommen wahrscheinlich auch noch Abhängigkeiten.
@mueller Die auch ja. Das ist halt auch ein wenig der Preis wenn man wenig wegschmeißen oder entsorgen will. Wenn sich um jeden Stoffstrom, der sich irgendwo in halbwegs vernünftiger Qualität herausholen lässt, irgendeine Folge-Verwertung bildet, dann wird halt weniger verschwendet, aber das Gesamtsystem wird auch natürlich empfindlicher gegen irgendwelche Störungen.
@dystopic danke, interessantes Thema.

@timpritlove Ed Conway hat im lesenswerten Buch "Material World" einer ganzen Reihe heute wichtiger Ressourcen die gesamte Kette bis zurück zum Abbau hinterher recherchiert. Dabei zeigt er immer wieder genau solche Abhängigkeiten auf, die außer ein paar jeweiligen Brancheninsidern kaum jemand auf dem Radar haben dürfte.

https://www.penguinrandomhouse.com/books/703268/material-world-by-ed-conway/

Material World by Ed Conway: 9780593534342 | PenguinRandomHouse.com: Books

THE NEW YORK TIMES BOOK REVIEW EDITORS' CHOICE • AN ECONOMIST BEST BOOK OF THE YEAR • Sand, salt, iron, copper, oil, and lithium. These f...

PenguinRandomhouse.com
@timpritlove im Bau (bei Abriss und Umbau) wird so viel Material weggeworfen und nicht recycelt, weil sich niemand darüber Gedanken machen musste, weil Ersatz so spottbillig war. Jetzt ändert sich die Rechnung gerade; das Potenzial ist enorm. (Die Herausforderungen allerdings auch)
@timpritlove Aus dem Grund wird bei mir, 3 km weiter, bald ein neues Bergwerk gebaut, Stichwort: Altertheimer Mulde.
Das soll dann die Firma K. viele Jahre mit Gips versorgen.