Heute findet die vierte "Internationalist Queer Pride Berlin" statt.
Mit dem primären Ziel gegen "Pinkwashing" (einzig und alleine in Israel) anzutreten, stellt man sich eher in die derzeit wiedermals populäre linke Tradition des Antisemitismwashings.
Paar Gedanken 🧵#iqpb2024
Bereits im Einladungstext vom Mai 2024 machte man deutlich, dass Sudan, Kongo, Kurdistan, Jemen, usw. einzig einem leeren Lippenbekenntnis dienen, was sich lediglich in einer Auflistung ausdrückt. Der zu bekämpfende "Hauptfeind" der globalen Welt bleibt Israel.
Im Eingangstext findet sich das "anti-zionist" entsprechend passend dazu umringt von "anti-colonial" und "anti-capitalist", denn einzig darum geht es. Zwei vollkommen entkernte Worthülsen, die einzig den Kampf gegen Israel scheinlegitimieren sollen.
Das hat Tradition. Seit Jahren sind antizionistische Gruppen Teil der Orga, insbesondere jüdische antizionistische Gruppen werden immer besonders hervorgehoben. "Statements" gegen Antisemitismus fanden sich ein einziges Mal auf dem Plakat 2021, "Free Palestine" bleibt bis heute.
Die Abwesenheit der Ukraine in der obigen Auflistung ist bemerkenswert. Im Positionspapier thematisiert man Russlands Angriffskrieg (ohne Russland zu nennen) auch lediglich um auf die ungleiche Behandlung von Geflüchteten entlang einer unterkomplexen Hautfarben-Achse.
Der antislawische Rassismus, wie wenig Hilfe ein nicht geringer Teil der ukrainischen Geflüchteten in Deutschland tatsächlich erhält um anzukommen, usw. finden keine Erwähnung. Fast als würde man sagen, Ukrainer*innen seien zu privilegiert für Solidarität und Befreiung.
Die genannten Punkte sind nicht falsch, es ergibt sich nur ein zumindest fragwürdiger Gesamteindruck, wenn Ukrainer*innen und der Krieg in der Ukraine nur dazu dient eine von vielen Ungleichbehandlungen zu thematisieren.
Könnte man meinen, dass dies lediglich Resourcen zu verschulden ist, sollte man beachten, wie ausgesprochen deutlich die IQPB einen "Internationalismus" betont, der möglichst alle inkludieren soll. Auch "None of us are free, until all of us are free" wird damit erneut zur Farce.
Bisher fand ich einzig im Aufruf des "Queer Central & North Asian Bloc" eine Kritik an Russland, sowie auch Usbekistan und Kirgisistan.
Auch die Verzierung des Lauti-Wagens spricht für sich, sowie die Auswahl der Bilder, die sonst in Beiträgen platziert sowie verbreitet wurden.
Ebenso zeigte sich nach dem 7. Oktober ein noch einmal mehr verstärkter einseitiger Fokus bei der Orga, bei welchem auch die Allianzbildung mit antisemitischen Gruppen wie bspw. "Palästina spricht" betont wurde.
Nebenbei erklären sich die antisemitischen Ereignisse zuletzt im Möbel Olfe vielleicht auch dadurch, dass dieser Laden einen Monat vorher noch für das Fundraising der IQPB ausgesucht wurde.
Dieses Jahr deutlicher als bisher: eingebettet in eine "antikapitalistische Kritik" an Konzerne, die progressive Symbolpolitik betreiben um andere Interessen durchzusetzen, vertritt die IQPB selbst nur in einem sekundären Sinne progressive Positionen um Israelhass zu legtimieren.
Auch interessant: Während man beim zweiten Poster-Design selbst vom "anti-kolonialen, anti-rassistischen und anti-kapitalistischen Freiheits-Kampf" spricht, heißt es in der Caption "anti-capitalist, anti-zionist, anti-imperialist liberation".